Kreis Lippe. Oftmals wird das englische „Job“ als Bezeichnung für eine Arbeit verwendet. Das deutsche Wort „Beruf“ ist ebenso gebräuchlich, verweist aber auf ein Verständnis, dass tiefer geht als die Beschreibung einer bloßen Tätigkeit zum Lebenserwerb. Denn „Beruf“ steckt in „Berufung“. Und als solche mag manch einer seine Arbeit sehen, besonders, wenn er sie als ausfüllend empfindet und sich mit Sinn und Zweck der Tätigkeit identifizieren kann.

Doch nicht immer wird die Arbeit als erfüllend empfunden – oder es ändert sich etwas. Manche merken es schnell, einige geben sich mehr Zeit. Doch egal, wie lange es dauert, manchmal wird eine Frage übermächtig: Gefällt mir noch, was ich hier tue?

Gefällt mir noch, was ich hier tue?

Die Gründe, die zum Heranreifen dieser Frage führen, sind vielfältig. Manchmal verändert sich beispielsweise der Charakter des Jobs, weil eine neue Tätigkeit hinzukommt oder es einen technologischen Sprung gibt. Andere Gründe könnten mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten oder gesundheitlichen Ursprungs sein. Neben persönlichen oder betriebsinternen Motiven können aber auch externe Faktoren eine Rolle spielen, die Berufswahl infrage zu stellen. Dazu gehört eine schlechte Wirtschaftslage, wie sie derzeit in Deutschland herrscht.

Eine hohe Anzahl an Insolvenzen, Entlassungen in einigen Bereichen, die in die Tausende gehen und insgesamt ein stagnierendes oder sogar schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt (BIP), einer der wichtigsten Werte für wirtschaftliches Wachstum. Das Internet ist voll von entsprechenden Meldungen über die ungünstige Lage und Entwicklung. Es reicht, in der Suchmaschine seiner Wahl beispielsweise die Begriffe „Wirtschaft“, „Deutschland“, „Prognose“, „Rezession“ einzugeben, und die Ergebnisleiste füllt sich mit entsprechenden Nachrichten. Nachrichten, die beunruhigen.

Arbeitgeber wechseln – oder sogar die Branche

Doch, was tun, wenn man sich in einer beruflichen Sackgasse wähnt oder um seine Zukunft am aktuellen Arbeitsplatz bangt? Es heißt: „Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine nächste.“ Das klingt zwar arg nach abgedroschenem Kalenderspruch, hat aber (wie so viele platte Aussprüche) ein Quäntchen Wahrheit in sich. Denn durchaus kann man krisenhafte Zeiten als Impuls nehmen, um etwas Neues zu beginnen. Entweder, indem man den Arbeitgeber wechselt – oder sogar gleich die ganze Branche.

Berufsberater Markus Specker. Foto: Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn

Letzteres stellt dabei zweifellos die riskantere Entscheidung dar, gerade, wenn man in seinem vorherigen Beruf viele Jahre gearbeitet hat. Besonders mögliche Lohneinbußen sind nicht zu unterschätzen und können erhebliche Auswirkungen haben. Daher stellt sich die Frage: Ist ein Branchenwechsel überhaupt realistisch?

„Das kommt ganz darauf an“, erklärt Markus Specker. Er ist Berufsberater für Erwachsene in der Berufsberatung im Erwerbsleben für die Arbeitsmarktregion Ostwestfalen/Lippe und Holzminden der Agentur für Arbeit. „In Branchen wie Handwerk, Pflege, technisch spezialisierte Bereiche, IT oder in einigen kaufmännischen Bereichen gibt es in Teilen erheblichen Fachkräftebedarf“, berichtet er. Daher seien die Unternehmen in diesen Feldern offener für Quereinsteiger.

Erwerbsbiografien heute selten gradlinig

Da der Industriesektor derzeit unsicher sei, gäbe es aus dieser Branche viele Anfragen in der Berufsberatung in Bezug auf einen Wechsel. Generell werde das Thema immer wichtiger, da Erwerbsbiografien heute insgesamt selten gradlinig verlaufen. Dies sei bei der „Boomer-Generation“ noch anders gewesen. Mehrere Branchenwechsel kämen heute durchaus vor, gerade bei ungelernten Kräften.

Mit einem Branchenwechsel steht man also nicht allein da. Allerdings: „Natürlich sollten dafür relevante Kompetenzen, Fähigkeiten und Lernbereitschaft vorliegen“, erklärt Specker weiter. Wichtig sei daher eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, Interessen und Rahmenbedingungen, wozu Schichtarbeit und Bezahlung gehören. Dabei könne die Berufsberatung helfen.

Anforderungen nicht unterschätzen

Denn ein wesentlicher Fallstrick sei es, die Idee nicht zu Ende gedacht zu haben, betont Specker. „Oft werden die neuen Anforderungen und die damit verbundenen Zusatzqualifikationen in den neuen Berufsfeldern unterschätzt“, erklärt der Berufsberater. Das könne neben den bereits erwähnten Lohneinbußen auch noch mal bedeuten, die Schulbank zu drücken. Hinzu kommt die Abwägung, ob im neuen Job ein Karriereaufstieg möglich ist oder man sich schnell wieder in einer Sackgasse wiederfindet, nicht zuletzt durch befristete Verträge. Positiv: Dank vieler Fördermöglichkeiten ist ein Branchenwechsel auch mit familiären Verpflichtungen möglich.

Generell gibt es bei der Berufsberatung im Erwerbsleben der Agentur für Arbeit eine individuelle Betreuung. Dabei werden die realistischen Möglichkeiten zur beruflichen Veränderung geklärt sowie auch über Weiterbildungsangebote informiert. Daneben beraten Kammern, Wirtschaftsverbände und Bildungsanbieter.

Hartnäckigkeit kann sich lohnen

Dass Mut, Hartnäckigkeit und Lernwille sich auszahlen und der Wechsel gelingen kann, weiß Markus Specker anhand etlicher Beispiele zu berichten. „Ich erinnere mich da an einen ganz besonderen Fall: Eine über 50-Jährige hat ihren Wunsch nie aufgegeben, von der Wirtschaft in die Verwaltung zu wechseln. Zum Zeitpunkt der Beratung war sie schon seit mehreren Jahren arbeitslos. Am Ende hat sie es doch geschafft und ihr Ziel erreicht. Die Freude war unbeschreiblich und gibt auch uns Beratern ein gutes Gefühl für unsere Arbeit“, berichtet er.

Den Job oder gar die ganze Branche zu wechseln, kann ein langwieriger und schwieriger Prozess sein. Doch Hartnäckigkeit zahlt sich hier aus. Foto: Adobe Stock Foto
Den Job oder gar die ganze Branche zu wechseln, kann ein langwieriger und schwieriger Prozess sein. Doch Hartnäckigkeit zahlt sich hier aus. Foto: Adobe Stock Foto