Bielefeld. Ein neues Material könnte Produktionskosten senken. Künstliche Intelligenz könnte einen Prozess vereinfachen . Eine andere Technologie könnte helfen, Energie zu sparen. Nur: Woher soll ein mittelständisches Unternehmen wissen, was davon tatsächlich funktioniert – und wer an einer Hochschule gerade daran forscht?

Für diese Fragen müssen Unternehmen nicht unbedingt weit reisen. Manchmal reicht der Weg auf einen Hochschulcampus. Denn am 15. und 16. September wird der Campus Bielefeld zum Treffpunkt für genau diesen Austausch. Beim zweiten InnovationFestival kommen Unternehmen, Forschende und weitere Innovationsakteure zusammen. Das Ziel ist weniger, möglichst viele neue Technologien vorzuführen. Es geht darum, den Kontakt zwischen Wissenschaft und Wirtschaft einfacher zu machen.

Das ist gerade für kleine und mittlere Unternehmen interessant. Denn während große Konzerne eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen unterhalten, müssen Mittelständler häufig mit deutlich weniger Personal und Zeit entscheiden, welche Technologie für das eigene Unternehmen relevant sein könnte.

Die passende Lösung sitzt vielleicht im Labor nebenan

Forschung wirkt aus Sicht eines Unternehmens manchmal weit weg. Wissenschaftliche Veröffentlichungen sind schwer zugänglich, Forschungsprojekte beschäftigen sich mit speziellen Fragestellungen und der richtige Ansprechpartner an einer Hochschule ist nicht immer leicht zu finden.

Dabei können die Wege kürzer sein als gedacht. Das InnovationFestival will diese Distanz verringern. Workshops, Laborführungen, Pitches, Vorträge und Diskussionsformate sollen Unternehmen einen Einblick in die Forschung am Campus Bielefeld geben. Die Themen reichen von Künstlicher Intelligenz und digitalen Geschäftsmodellen über Produktionstechnologien und Gesundheitswirtschaft bis zum Innovationsmanagement.

Für einen Geschäftsführer kann dabei schon eine vergleichsweise einfache Frage interessant sein: Gibt es an der Hochschule jemanden, der sich mit genau dem Problem beschäftigt, das uns gerade beschäftigt? Aus einem solchen Gespräch kann zunächst nur eine neue Erkenntnis entstehen. Es kann aber auch der Anfang eines gemeinsamen Projekts sein.

Was Forschung mit dem eigenen Geschäft zu tun hat

Dass dieser Transfer funktionieren kann, zeigen Beispiele aus OWL: In der SmartFactoryOWL in Lemgo werden neue Technologien beispielsweise unter realen Bedingungen erprobt . Unternehmen können dort Erfahrungen mit Technologien sammeln, bevor sie selbst größere Investitionen tätigen. Forschung wird damit nicht nur betrachtet, sondern ausprobiert.

Auch am Campus Bielefeld gibt es Projekte, bei denen wissenschaftliche Erkenntnisse direkt mit den Herausforderungen von Unternehmen verbunden werden. Das Transferprojekt InCamS@BI etwa beschäftigt sich gemeinsam mit Unternehmen mit Fragen der Circular Economy .

Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft: Am 15. und 16. September geht das InnovationFestival auf dem Campus Bielefeld in die zweite Runde. Zur Premiere im Vorjahr kamen 700 Teilnehmende. Foto: BRIC GmbH
Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft: Am 15. und 16. September geht das InnovationFestival auf dem Campus Bielefeld in die zweite Runde. Zur Premiere im Vorjahr kamen 700 Teilnehmende. Foto: BRIC GmbH

Das Prinzip dahinter ist für den Mittelstand interessant: Nicht die Technologie steht am Anfang, sondern ein Problem. Ein Unternehmen muss also nicht zum InnovationFestival kommen, weil es unbedingt die neueste KI-Anwendung sehen möchte. Es kann auch mit einer ganz anderen Frage kommen: Wie können wir Material einsparen? Wie lässt sich ein Produktionsprozess verbessern? Was können wir mit unseren Daten anfangen? Und wie lässt sich ein Produkt so verändern, dass Ressourcen länger im Kreislauf bleiben? Ein aktuelles Beispiel ist die Forschung an zirkulären Photovoltaik-Modulen .

Materialien werden zur Frage der Wettbewerbsfähigkeit

Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang am zweiten Festivaltag. Dann steht die Materialforschung im Mittelpunkt. Wie lassen sich Materialien nachhaltiger einsetzen? Wie können Ressourcen geschont und Kreisläufe geschlossen werden? Welche neuen Werkstoffe und Fertigungsverfahren könnten die Produktion verändern?

Das sind Fragen, die für Unternehmen längst über Forschung und Entwicklung hinausgehen. Steigende Material- und Energiekosten, strengere Nachhaltigkeitsanforderungen und neue Erwartungen von Kunden machen den Umgang mit Ressourcen zu einem wirtschaftlichen Thema. Ein Werkstoff, der leichter, langlebiger oder besser recycelbar ist, kann deshalb mehr bedeuten als einen wissenschaftlichen Fortschritt. Er kann einen Wettbewerbsvorteil schaffen.

Der Fokustag „Materialforschung und innovative Werkstoffe“ bringt dazu Forschungseinrichtungen und Unternehmen zusammen. Ergänzt wird das Programm durch den „Bielefelder Tag der Materialforschung“ der Hochschule Bielefeld.

Innovation entsteht nicht nur in Bielefeld

Der Blick auf den Campus Bielefeld darf dabei nicht darüber hinwegtäuschen, dass OWL über ein dichtes Netz von Hochschulen und Forschungseinrichtungen verfügt. Die TH OWL setzt beispielsweise mit dem Innovation Campus Lemgo und der SmartFactoryOWL einen Schwerpunkt auf die anwendungsorientierte Forschung und den Technologietransfer in Richtung Industrie. Die Universität Paderborn ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der regionalen Wissenschafts- und Innovationslandschaft.

Am zweiten InnovationFestival 2026 sind nach den aktuell veröffentlichten Veranstaltungsinformationen allerdings Universität Bielefeld und Hochschule Bielefeld die beteiligten Hochschulen. Die TH OWL und die Universität Paderborn werden dort nicht explizit als Festivalpartner ausgewiesen.

Für Unternehmen ist diese Vielfalt trotzdem ein Vorteil. Denn je nach Fragestellung können unterschiedliche Hochschulen und Forschungseinrichtungen die passenden Ansprechpartner bieten. Die entscheidende Frage lautet deshalb weniger, an welcher Hochschule geforscht wird. Sondern: Wer kann bei meinem Problem weiterhelfen?

700 Menschen waren schon im vergangenen Jahr dabei

Dass Interesse an diesem Austausch vorhanden ist, zeigte bereits die Premiere des InnovationFestivals im vergangenen Jahr . Rund 700 Menschen nahmen teil, mehr als 70 Programmpunkte standen auf dem Programm. Die zweite Ausgabe soll daran anknüpfen. Unternehmen können sich ihr eigenes Programm aus Workshops, Laborführungen, Vorträgen, Pitches und Diskussionsformaten zusammenstellen.

Organisiert wird das Festival von der Bielefeld Research + Innovation Campus GmbH (BRIC), einer gemeinsamen Initiative von Universität Bielefeld, Hochschule Bielefeld, Stadt Bielefeld und IHK Ostwestfalen.

Die Veranstaltung ist Teil des Projekts „WIN4OWL – Wissenschaft interdisziplinär, Wirtschaft innovativ“. Dahinter steht der Versuch, den Zugang von Unternehmen zu Forschung zu erleichtern und neue Innovationsprojekte in der Region anzustoßen.

Der Weg zum Hochschulcampus kann sich lohnen

Warum also sollte ein Mittelständler einen Tag auf einem Hochschulcampus verbringen, statt sich um das Tagesgeschäft zu kümmern? Vielleicht, weil dort eine Antwort auf eine Frage zu finden ist, die im eigenen Unternehmen bisher niemand beantworten konnte. Vielleicht, weil ein Gespräch mit einem Forscher eine Idee verändert. Oder weil sich herausstellt, dass eine Technologie, die bisher zu kompliziert, zu teuer oder zu weit weg erschien, für das eigene Unternehmen doch interessant sein könnte.

Genau darin liegt der wirtschaftliche Wert des InnovationFestivals. Es geht nicht darum, dass Unternehmen zu Forschungskonsumenten werden. Sie sollen mit ihren eigenen Fragen kommen. Am Ende muss deshalb nicht einmal ein fertiges Innovationsprojekt stehen. Wenn ein Unternehmer den Campus mit einem neuen Ansprechpartner, einer konkreten Idee oder einer Antwort auf eine bislang offene Frage verlässt, hat sich der Besuch bereits gelohnt.

Das InnovationFestival findet am 15. und 16. September auf dem Campus Bielefeld statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Zur Programmübersicht und Anmeldung (bis zum 9. September möglich) .

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