Bielefeld. Um 3 Uhr morgens kommt der Wadenkrampf. Leider nicht per E-Mail oder per Terminvorschlag – er ist einfach da und verhandelt nicht. So ungefähr fühlt sich für viele Unternehmen der EU AI Act an. Gleichwohl: Der AI Act enthält immerhin Übergangsfristen. Ansonsten sind beide aber in etwa gleich (un-)willkommen.

Ja, Brüssel hat geliefert: Ein Regelwerk, gegen das die Aufbauanleitung eines schwedischen Möbelhauses wie ein Haiku wirkt. Da werden Rollen verteilt: Anbieter, Betreiber – und wer beides ist, darf sich doppelt freuen. KI gilt es ebenso nach Risikoklassen einzustufen, gestaffelt von „streng verboten“ bis „nun ja, kennzeichne es halt“. Plus Transparenzpflichten, Dokumentationspflichten und die Pflicht, KI-Kompetenzaufbau zu fördern. Aktiv fördern, wohlgemerkt. Nicht ausdrucken, laminieren und in die Teeküche hängen.

Was der AI Act von Unternehmen verlangt

Wen betrifft das eigentlich? Eigentlich alle, denn KI steckt längst im Unternehmensalltag – im Tool, das Bewerbungen vorsortiert, im Chatbot auf der Website, im Übersetzungsprogramm, das der Vertrieb gelegentlich nutzt. Und wie der Wadenkrampf trifft auch die Compliance-Frage selten dann auf, wo sie zu erwarten wäre: Mitten im Tagesgeschäft und dann auch noch dann, wenn gerade niemand damit rechnet.

Plot-Twist: Die EU meint es gut . Wirklich. Denn hinter dem Paragraphengebirge steckt eine Idee, die eigentlich niemand doof findet: Vertrauenswürdige, sichere KI in ganz Europa etablieren. KI-Systeme, die niemanden manipulieren, niemanden heimlich sortieren und niemanden mit Entscheidungen überraschen, die kein Mensch mehr erklären kann.

Aufstehen, dehnen, loslegen: So gelingt KI-Compliance

Der AI Act schützt die Rechte des Einzelnen vor unkontrollierter KI – und steckt zugleich den Rahmen ab, in dem Unternehmen KI sicher einsetzen können. Genau besehen ist der AI Act also gar nicht der Krampf. Er ist das Dehnprogramm davor: Ungewohnt und vermeintlich ein bisschen unangenehm – nur eben angenehmer als das, was er verhindert. Die Pein liegt dabei weniger im AI Act selbst, als bei dem, was daraus oft gemacht wird: Eine Pflichtübung, eine PowerPoint-Parade inkl. „Noch Fragen?“, keine Fragen, Haken dran.

Der Mangel heißt Kompetenz

Das wirkt ungefähr so gut wie das Magnesium, das seit zwei Jahren originalverpackt neben deinem Bett liegt: Du weißt, dass Wadenkrämpfe oft durch Magnesiummangel entstehen, aber erst wenn es wehtut, gehst Du es an. Fast so wie bei Compliance, nur heißt der Mangel hier Kompetenz. Die entsteht nicht durch Beschallung, sondern wenn Menschen verstehen, warum eine Regel existiert und erleben, wie sie sich im eigenen Alltag rechtfertigt.

Und der Wadenkrampf? Der löst sich bekanntlich nicht durch Stillhalten, sondern durch Bewegung. Bei der Compliance ist es genauso: aufstehen, dehnen, loslegen – am besten, bevor es nachts um drei übelst zieht und reißt. Muss AI Act Compliance dabei dröge und abstrakt sein? Ganz sicher nicht und darauf Bärenwort und Bärentatze.

Hinweis: Trotz sorgfältiger Recherche — Bärentatzen haften nicht, und diese Kolumne ist keine Rechtsberatung. Sie beruht auf umfassender Erfahrung in der Schulung und Beratung von Unternehmen und auf aktuellen, redundant geprüften Quellen.


Über Klaus Jansen

  • Klaus Jansen versteht sich weniger als klassischer IT- oder KI-Spezialist, sondern als Vermittler zwischen Technologie, Menschen und Organisationen – mit einem starken Fokus darauf, neue Technologien verständlich zu machen und deren sinnvollen Einsatz in der Arbeitswelt praktisch zu gestalten.
  • Unter anderem arbeitete er bei der OWL GmbH und im Umfeld des Technologienetzwerks it’s OWL. Seit 2022 ist er als Innovationsmanager beim ThinkTankOWL, dem gemeinsamen Transferservice der Hochschule Bielefeld und der Universität Bielefeld, sowie bei BRIC tätig.
  • Seit 2024 tritt er zusätzlich unter der Marke „ Transferbär “ selbstständig auf. Sein Schwerpunkt liegt heute insbesondere auf Künstlicher Intelligenz, KI-Kompetenz und AI-Act-Compliance, Führung und Entscheidungskompetenz, Personalentwicklung sowie dem generationenübergreifenden Arbeiten.
  • Klaus Jansen wird in einer regelmäßigen Kolumne aktuelle Themen und Herausforderungen der Wirtschaft in OWL aus einem etwas anderen Blickwinkel unter die Lupe nehmen.

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