Wacken/Minden. Den Anfang machte die Verbindung zu Wacken-Mitgründer Holger Hübner. Er hatte die Idee, auf dem Festival einen eigenen mittelalterlichen Bereich zu schaffen – den sogenannten „Wackinger“. Dafür wurden mittelalterliche Tavernen gesucht, ausdrücklich auch eine große Schiffstaverne. Beerenweine lag als Partner nahe: Das Mindener Unternehmen war bereits seit Jahren auf Mittelaltermärkten präsent und in der entsprechenden Szene gut vernetzt.

„Man kennt sich untereinander“, beschreibt Sarah Riese von Beerenweine die Vernetzung in der Markt- und Festivalszene. Über diese Kontakte kam schließlich auch der Kontakt zu Holger Hübner zustande. Gleichzeitig war dessen bisheriger Metpartner verstorben, sodass er einen neuen Anbieter für diesen Bereich suchte. Beerenweine übernahm die Aufgabe – und ist seitdem fester Bestandteil des Festivals.

Für die Metalheads ist dabei kaum sichtbar, wie umfangreich die Zusammenarbeit tatsächlich ist. Beerenweine besitzt das komplette Metrecht auf dem Wacken Open Air. Sämtliche Metanbieter auf dem Festival beziehen ihre Produkte über das Mindener Unternehmen.

Einen Stand betreibt Beerenweine im Bereich „Farmers Market“ selbst. Darüber hinaus verteilen sich elf Tavernen über das Festivalgelände, die von Wiederverkäufern betrieben werden. Ihre Gestaltung ist unterschiedlich: Einige erinnern an ein hölzernes Schiff, andere präsentieren sich im offenen Stand im Endzeitlook. Sarah Riese selbst ist kein Metalhead. Die Zusammenarbeit mit Wacken schätzt sie dennoch sehr. Denn für Beerenweine ist das Festival längst mehr als nur ein einzelner Termin im Kalender.

Beerenweine ist auf rund 300 Märkten und Festivals präsent

Die Produkte des Mindener Unternehmens sind in diesem Jahr auf rund 300 Märkten und Festivals in Deutschland, Österreich, Dänemark, der Schweiz und den Niederlanden zu finden. Viele davon werden von Wiederverkäufern im Beerenweine-Konzept betrieben.

Auch im Winter geht die Reise weiter. Rund 30 Weihnachtsmärkte werden mit heißen Weinen aus dem Hause Beerenweine versorgt. Dazu zählen unter anderem mittelalterliche Weihnachtsmärkte in Hannover, Lübeck, Bremen, Essen, Rostock und Fulda. Auch in Minden, Herford und Lübbecke sind die Produkte vertreten.

In Lübbecke stehen beispielsweise Anke und Lars, zwei Wiederverkäufer von Beerenweine, im Winter mit heißen Beerenweinen in der Fußgängerzone. Im Sommer verwandelt sich ihr Stand in eine Cocktailbar. Auch in Minden selbst sind die Produkte von Beerenweine vielen bekannt. Die heißen Beerenweine haben sich insbesondere als beliebter Treffpunkt gegenüber von Hagemeyer einen Namen gemacht. In der kalten Jahreszeit gehört der Stand für viele Mindener zum Stadtbild und lädt bei einem heißen Beerenwein zum Aufwärmen und Verweilen ein.

1.300 Ritterinnen und Ritter

Die besondere Nähe zum Mittelalter zeigt sich auch in einer Tradition, die Beerenweine auf seinen Märkten pflegt: dem Ritterschlag.

Mittlerweile sind rund 1.300 Frauen und Männer öffentlich auf einer Bühne oder im Rahmen einer Ritter-Tafelrunde zum „Beerenweine-Ritter“ geschlagen worden. Als Zeichen ihrer Ernennung erhalten sie feierlich einen Ritter-Goldtaler mit eingraviertem Namen.

Ganz so einfach ist der Weg zum Ritter allerdings nicht. Die Anwärterinnen und Anwärter müssen zuvor 50 Goldtaler mit mindestens 15 verschiedenen Motiven vorweisen. Die Motive stammen von den Beerenweine-Verkäufern und werden auf den unterschiedlichen Märkten gesammelt.

Ein eigenes Festival

Beerenweine hat sich nicht ausschließlich auf die Rolle als Aussteller und Lieferant beschränkt. Einmal hat das Unternehmen sogar ein eigenes Festival auf die Beine gestellt – bislang allerdings einmalig.

In Pfullendorf, unweit der Schweizer Grenze, kamen Bands, Gaukler, Ritterspiele und zahlreiche Stände zusammen. Das Wochenende wurde zum Erfolg: Die Stimmung war gut, die Stände waren ausverkauft. „Das ganze Dorf hat richtig abgefeiert“, erinnert sich Sarah Riese. Die Idee, ein solches Festival noch einmal zu veranstalten, ist deshalb keineswegs vom Tisch. Vielleicht sogar in der eigenen Region, klingt im Gespräch mit Karl-Ernst Hunting vor Ort in Wacken bereits an.

Wein und Met nach eigenen Rezepten

Die Produkte von Beerenweine entstehen hauptsächlich nach hauseigenen Rezepturen. Für die Weine und Biere arbeitet das Unternehmen mit Keltereien und Brauereien zusammen. Verkauft werden die Produkte längst nicht mehr nur auf Märkten und Festivals.

Neben dem Onlinehandel können Kundinnen und Kunden die Beerenweine-Welt auch direkt vor Ort erleben – in den beiden Ladenlokalen in Minden-Kutenhausen und bei Aschaffenburg.

„Das ganze Dorf hat abgefeiert.“ Sarah Riese

Schon der Eingang in Kutenhausen macht deutlich, woher die Leidenschaft des Unternehmens kommt: Ein großer Metalldrache begrüßt die Besucher. Auch am süddeutschen Standort finden sich zahlreiche Drachen aus Holz, Metall und Stein.

So verbindet Beerenweine inzwischen zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten: Mittelaltermärkte und Heavy Metal. In Wacken gehören Met, Tavernen und mittelalterliches Flair längst selbstverständlich zum Festivalbild – auch wenn hinter dieser Präsenz ein Unternehmen aus Minden steht, das dafür sorgt, dass die Becher gefüllt bleiben.

Zum Thema: Wacken und die Wirtschaft