Ostwestfalen-Lippe. In der neuerlichen Eskalation des Zollstreits mit den USA sieht die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) eine massive Belastung auch für Unternehmen in der Region. Vor dem Hintergrund der von US-Präsident Donald Trump angedrohten Zusatzabgaben auf Importe aus zehn EU-Staaten, darunter Deutschland, warnt die IHK vor den Folgen für die exportorientierte ostwestfälische Wirtschaft.

Trump hat angekündigt, Zusatzzölle von zunächst zehn Prozent ab dem 1. Februar und 25 Prozent ab dem 1. Juni zu erheben, falls diese EU-Staaten den Widerstand gegen einen Kauf Grönlands durch die Vereinigten Staaten nicht aufgeben.

Rund 600 ostwestfälische Unternehmen unterhalten Handelsbeziehungen mit den USA

„Trumps Politik der Unberechenbarkeit und sein ewiger Zickzackkurs stellen eine enorme Belastung für die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks dar. Das Vorgehen wider alle Regeln des Welthandels erschwert und verteuert den Warenaustausch erheblich, beschädigt die über Jahrzehnte gewachsene Partnerschaft und gefährdet insbesondere Projekte mit längeren Vorlauf- und Produktionszeiten, die auf Planungssicherheit angewiesen sind“, erklärt IHK-Präsident Jörn Wahl-Schwentker.

„Unsere exportstarke Region ist eng in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden, und die USA zählen nach wie vor zu den wichtigsten Handelspartnern unserer Wirtschaft – trotz der Störfeuer Trumps.“ Rund 600 ostwestfälische Unternehmen unterhalten Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten, etwa 150 davon mit eigenen Niederlassungen vor Ort.

Probleme für Lieferketten, Investitionen und Planungssicherheit

„Zusätzliche Zölle dieser Größenordnung würden Lieferketten empfindlich treffen, Investitionen verteuern und die Planungssicherheit weiter unter Druck setzen. Handelskonflikte bringen am Ende nur Verlierer hervor – in den USA ebenso wie in Deutschland und bei uns in Ostwestfalen.“

Auswirkungen sind noch nicht abschätzbar

Der IHK-Präsident betont, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen noch nicht seriös abzuschätzen seien, die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten jedoch, dass Zölle dieser Art zu Verwerfungen führen und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen in den USA schwächen. Das hätten bereits frühere Zollankündigungen der Trump-Regierung deutlich gemacht – und auch deshalb sei das Exportvolumen deutscher Unternehmen in die USA im vergangenen Jahr um rund acht Prozent gesunken.

„Jetzt braucht es eine starke europäische Stimme und den Willen, der Provokation der US-Administration entschlossen zu begegnen.“ Jörn Wahl-Schwentker

Mit Blick auf die nun drohenden Zusatzbelastungen im US-Geschäft gewinnt nach Einschätzung des IHK-Präsidenten auch das soeben von der EU unterzeichnete Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten nochmals an Bedeutung.

Wahl-Schwentker: „Die jüngsten Schritte der USA zeigen einmal mehr, wie wichtig eine breite Aufstellung unserer Außenwirtschaft ist. Freier und fairer Handel mit Partnern wie den Mercosur-Staaten kann dazu beitragen, Risiken zu streuen, neue Absatzmärkte zu erschließen und mögliche Einbußen im US-Geschäft besser zu kompensieren. Diversifizierung wird für unsere Unternehmen in dieser Lage zu einem entscheidenden Stabilitätsfaktor.“

Angesichts der aktuellen Zuspitzung durch Trump fordert der IHK-Präsident ein geschlossenes Auftreten Europas: „Jetzt braucht es eine starke europäische Stimme und den Willen, der Provokation der US-Administration entschlossen zu begegnen, gleichzeitig aber auch den Dialog fortzuführen, um im Sinne aller Beteiligten politisch wie wirtschaftlich eine Deeskalation zu erreichen.“