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Höhere Kosten und Lieferkettenprobleme für Unternehmen in OWL durch Nahost-Krise
Betriebe in OWL und NRW spüren die Nahost-Krise: Kosten steigen, Lieferketten reißen. In Lippe wehren sich Firmen mit Preisaufschlägen und neuen Routen – reicht das?
Die größte Herausforderung ist die Seefracht: Schiffe sind überbucht oder können ihren Bestimmungsort nicht anfahren. Illustration: alones - stock.adobe.com
Kreis Lippe. Die Eskalation im Nahen Osten führt in vielen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen zu steigenden Kosten, belasteten Lieferketten und wachsender Unsicherheit. Das zeigt eine NRW-weite Umfrage von IHK NRW unter 768 Betrieben, die in der Region aktiv sind oder die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts mittelbar spüren.
Fast 500 Unternehmen und damit über 60 Prozent geben an, negativ vom Konflikt in der Region betroffen zu sein. Ein knappes Drittel kann die Folgen noch nicht absehen. Die drei größten Herausforderungen sind steigende Transport- und Logistikkosten, steigende Energiekosten sowie Verzögerungen in der Lieferkette.
„Die Umfrage zeigt, wie hoch der wirtschaftliche Druck für viele Betriebe inzwischen ist. Unsicherheit, Kostensteigerungen und instabile Lieferketten treffen die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen in einer ohnehin angespannten Lage“, sagt Svenja Jochens, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe). 22 Unternehmen aus Lippe produzieren in Nah-Ost oder verfügen dort über eine Niederlassung. Knapp 100 Unternehmen sind der IHK Lippe bekannt, die mit der Region Handel betreiben.
Volker Sim, Vorsitzender des Verkehrsausschusses der IHK Lippe und Geschäftsführer der Skyline Express International GmbH, spürt die Situation im eigenen Unternehmen: „Auf allen Transportwegen explodieren die Kosten. Das belastet unser Ergebnis massiv, weil wir nicht alle Mehrkosten an die Kunden weitergeben können. Zudem machen wir im Mittleren Osten 10 bis 15 Prozent unseres Geschäfts. Alle Projekte unserer Kunden in Nah-Ost liegen aktuell auf Eis oder werden in Frage gestellt. Eine Katastrophe. Wieder einmal muss der deutsche Mittelstand ausbaden, was andere anzetteln!“
Bei neun von zehn Unternehmen mit Geschäft vor Ort sind die Transport- und Logistikkosten gestiegen. Über alle Unternehmen hinweg sind es 82 Prozent. Alle Wege – zu See, Luft und Straße – sind betroffen. Die größte Herausforderung ist jedoch die Seefracht: Schiffe sind überbucht oder können ihren Bestimmungsort nicht anfahren.
Steigende Energiepreise sind mittlerweile bei 71 Prozent der Unternehmen ein Problem. 40 Prozent aller Befragten beklagen Verzögerungen und Unterbrechungen in den Lieferketten. Gründe hierfür sind unter anderem längere Routen und eingeschränkte Hafenzugänge im Seetransport sowie Engpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten.
Die gestiegenen Kosten werden zum Teil an die Kunden weitergegeben
„Die Belastungen schlagen inzwischen sehr konkret im betrieblichen Alltag auf. Höhere Logistik- und Energiepreise sind längst nicht mehr nur ein Risiko, sondern in vielen Betrieben unmittelbar spürbar“, merkt Matthias Carl, Geschäftsführer der IHK Lippe, an. Mehr als jedes zweite Unternehmen plane, die gestiegenen Kosten an die Kunden weitergeben zu wollen oder die Preise zu erhöhen.
Neben Preisanpassungen überprüft jedes fünfte Unternehmen seine Lieferketten, sucht alternative Lieferanten oder baut die Lagerhaltung aus. Zugleich zeigt die Umfrage, dass über ein Drittel der Betriebe derzeit keine besonderen Maßnahmen plant.
Insgesamt bleibt die wirtschaftliche Unsicherheit hoch. Die IHK Lippe befürchtet eine Verschärfung der Belastungen für viele Unternehmen, sollten die Einschränkungen auf wichtigen Handelsrouten wie der Straße von Hormus noch länger anhalten. Der Standort Deutschland steht bereits durch strukturelle Schwächen und hohe Energiekosten unter Druck, sodass die zusätzlichen Preiserhöhungen und Versorgungsrisiken die Unternehmen noch härter treffen würden.
Hintergrund
An der NRW-weiten Umfrage von IHK NRW beteiligten sich 768 Unternehmen, die entweder im Nahen Osten geschäftlich aktiv sind oder die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts mittelbar spüren. 70 Prozent der teilnehmenden Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten. Umfragezeitraum: 23. März bis 29. März 2026.
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