Dörentrup. Als Kind braust Pia Eisenhauer mit Inlinern durch die Halle der Eisedicht GmbH. Fast täglich ist sie mit ihren Eltern vor Ort. Für sie  ist das Unternehmen wie eine riesige Spielwiese. Später jobbt Pia Eisenhauer in den Sommerferien selbst in der Produktion.

Die Entwicklung des Familienbetriebs, den ihr Vater Michael Eisenhauer im Jahr 2000 gegründet hat, erlebt sie von klein auf mit: Die Anfänge in einem nur neun Quadratmeter großen Kellerraum, den Umzug nach Alverdissen, später nach Exten, 2012 dann an den heutigen Standort in Dörentrup, wo knapp 6000 Quadratmeter Produktionsfläche zur Verfügung stehen. Aus einer Mitarbeiterin wurden mit den Jahren mehr als 50 Beschäftigte.

Eisedicht war für die 28-Jährige nie einfach nur die Firma ihres Vaters, sondern immer auch ein Teil ihrer eigenen Familiengeschichte. „Schon krass, was daraus entstanden ist, wie sich das entwickelt hat“, blickt sie zurück. Ihre eigene Zukunft sah Pia Eisenhauer zunächst allerdings in einer ganz anderen Branche. Doch 2025 kehrte sie nach Lippe zurück, um das Marketing bei Eisedicht zu leiten.

Vom Modestudium in München zum Marketing bei Eisedicht

Nach dem Abitur zieht es Pia Eisenhauer erst mal in die Ferne. Ein Jahr jobbt sie unter anderem auf Sylt, dann geht es an die Uni. Hamburg und München stehen zur Auswahl, Pia Eisenhauer entscheidet sich für die bayerische Landeshauptstadt, studiert dort Business Management mit Schwerpunkt Mode und Markenmanagement. „Es war nie mein Plan, bei Eisedicht einzusteigen. Marketing war immer gesetzt. Aber eigentlich wollte ich in die Modebranche“, erinnert sich Pia Eisenhauer an ihre beruflichen Anfänge.

Sie merkt jedoch recht schnell, dass dieser Weg nicht der richtige für sie ist. „Marketingtechnisch war es irgendwie immer das gleiche. Die Herausforderung, das Innovative hat mir gefehlt“, erklärt sie. Noch während des Studiums übernimmt sie erste Marketingaufgaben für das Familienunternehmen. Auch nach dem Abschluss im Jahr 2022 arbeitet sie von München aus weiter für Eisedicht, bevor sie nach Lippe zurückkehrt.

Die Luftdichtungsmanschetten von Eisedicht schaffen eine flächenbündige Abdichtung an durchzuführenden Kabeln und Rohren. Eine Besonderheit ist die flexible Tülle. Foto: Eisedicht GmbH
Die Luftdichtungsmanschetten von Eisedicht schaffen eine flächenbündige Abdichtung an durchzuführenden Kabeln und Rohren. Eine Besonderheit ist die flexible Tülle. Foto: Eisedicht GmbH

Unsichtbare Produkte sichtbar machen: Marketing für Eisedicht

Der Wechsel in die Baubranche bringt eine besondere Herausforderung mit sich: Eisedichts Kernprodukt sind Luftdichtungsmanschetten, die Durchdringungen in Gebäuden einfach und sicher abdichten . Diese sind von großem Nutzen nach dem Einbau aber quasi unsichtbar. „Eine Luftdichtungsmanschette kann man nicht einfach einer berühmten Person anziehen, wie einen Schuh oder ein T-Shirt, und dann sieht das gut aus. Um die in Szene zu setzen, muss man sich schon etwas einfallen lassen“, erklärt sie den Reiz ihrer Aufgabe. Zudem sei die Baubranche zukunftsorientiert, innovativ und stets im Wandel – das mache sie spannend.

Eisenhauers Job bei Eisedicht ist vielfältig: Sie kümmert sich um den gesamten Außenauftritt des Unternehmens, von der Website über Werbekampagnen und -mittel bis zu Social Media, auch die Eventplanung gehört dazu. Früher sei das Marketing „so nebenbei“ gelaufen, doch mit einem stetig wachsenden Aufgabenbereich sei das irgendwann nicht mehr möglich gewesen.

Zusammenarbeit im Familienunternehmen: Flache Hierarchien und viel Freiraum

„Klar, die Großstadt vermisse ich schon ab und zu, aber meine Entscheidung für Eisedicht war goldrichtig“, findet Pia Eisenhauer. Im Familienbetrieb habe sie viele Freiheiten und könne sich kreativ ausleben, natürlich innerhalb des vorgegebenen Budgets und in Rücksprache mit den Geschäftsführern.

Auch ihr Bruder Finn Eisenhauer ist als Vertriebsleiter inzwischen Teil des Unternehmens. So eng mit der Familie zusammenzuarbeiten, sei manchmal eine Herausforderung. Mit Kritik müsse man eben professionell umgehen. Doch im Großen und Ganzen laufe die Zusammenarbeit sehr harmonisch. „Wir sind über alles im Austausch und werden bei Firmenentscheidungen mit ins Boot geholt. Meinem Vater und unserem zweiten Geschäftsführer Sven Toepelt ist es sehr wichtig, Finn und mich mitzunehmen.“

Eisedicht-Gründer und Geschäftsführer Michael Eisenhauer. Foto: Eisedicht GmbH
Eisedicht-Gründer und Geschäftsführer Michael Eisenhauer. Foto: Eisedicht GmbH

Dass beide Kinder einmal im Familienunternehmen arbeiten würden, war für Michael Eisenhauer nie selbstverständlich. Der Einstieg sei freiwillig gewesen. Er habe ihnen angeboten, es einfach einmal auszuprobieren, ohne Druck oder Erwartungen. „Er hat nie vorausgesetzt, dass wir in seine Fußstapfen treten. Ich denke, deshalb funktioniert es auch so gut“, sagt Pia Eisenhauer.

Dass Eisedicht ein Familienunternehmen ist, zeigt sich für sie nicht nur daran, dass mehrere Familienmitglieder dort arbeiten. Anders als in manch einem eher statisch geprägten Bauunternehmen seien die Hierarchien flach, der Umgangston locker. Der familiäre Gedanke beziehe alle Mitarbeiter ein. Das Team mit seinem breiten Spektrum an Fähigkeiten, Fachwissen und Erfahrung sei das Herzstück der Firma, heißt es auch auf der Eisedicht-Homepage. Besonders viel Wert wird zudem auf die persönliche Kundenbindung gelegt.

Messe BAU 2027 in München: Eisedicht präsentiert neue Produktgeneration

Derzeit hat Pia Eisenhauer ein großes Ziel vor Augen: Sie organisiert den Eisedicht-Auftritt bei der Messe BAU in München. Bis Januar 2027 müssen der Messestand konzipiert, ein Messebauer gefunden und die Werbekampagne vorbereitet werden. Auf der Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme will das Dörentruper Unternehmen eine neue Produktgeneration vorstellen. Bisher ist Michael Eisenhauer das Gesicht des Unternehmens – mit der Markteinführung soll nun auch die nächste Generation der Eisenhauers stärker in den Fokus rücken.

Seit 2012 residiert die Eisedicht GmbH an der Industriestraße in Dörentrup. Foto: Eisedicht GmbH
Seit 2012 residiert die Eisedicht GmbH an der Industriestraße in Dörentrup. Foto: Eisedicht GmbH

Erstmals gibt es dann von Anfang an ein aktives Marketingkonzept, für das Pia Eisenhauer allein verantwortlich zeichnet – eine Herausforderung im positiven Sinne. Dabei ist sie ehrgeizig: Alles soll zu 100 Prozent passen und stimmig sein. Ihr Standing als junge Frau gegenüber älteren, erfahrenen Mitarbeitern musste sie sich zunächst erarbeiten, mittlerweile hat sie aber viel positives Feedback erhalten. Künftig will sie im Familienunternehmen noch mehr Verantwortung übernehmen.

Denn für Pia Eisenhauer ist das Marketing bei Eisedicht eine Aufgabe, bei der vieles zusammenkommt: Organisation, Kreativität und die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen. Anderen rät sie, keine Scheu zu haben, Neues auszuprobieren. Man solle sich nicht zu sehr von äußeren Stimmen beeinflussen lassen, sondern lieber auf sich selbst hören. „Sich Ziele zu stecken, ist wichtig“, sagt die junge Frau, die ihre optimistische Grundeinstellung als Stärke nennt. „Aber statt sich verbissen auf etwas festzulegen, sollte man Wandel und Veränderungen zulassen.“

A uch wenn sie heute nicht in der Modebranche arbeitet, ist sie ihrem ursprünglichen Wunsch nach einem kreativen Beruf treu geblieben – nur eben auf einem ganz anderen Weg.

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