Innovativ zu sein ist eine Grundbedingung, um erfolgreich am Markt zu agieren. Je ausgeprägter die Innovationsmentalität, desto größer sind die Chancen für Unternehmen, Innovationen zu entwickeln.

Früher lagen Schiffe zum Verladen tagelang im Hafen, bis dem Reeder Malcom McLean 1956 eine geniale Idee einfiel: Man verstaut die Fracht in große Stahlkisten, die auf Schiffe, Lastwagen und Züge passen und sich leicht mit Kränen bewegen lassen.

Die Einführung des Standardcontainers hatte ungeahnte Auswirkungen. Tausende Hafenarbeiter verloren ihre Arbeit, Reedereien mussten ihre Flotte erneuern und Häfen umgebaut werden. Er sorgte für Verwerfungen – und trug wesentlich zur Entwicklung des globalen Handels bei. Leichter und preisgünstiger als je zuvor werden heute rund 95 Prozent der Waren in den Metallkisten rund um die Welt geschippert.

Ein einfacher Container zeigt, welche Veränderungen Innovationen bewirken können. Innovation ist ein Motor für den Fortschritt und damit auch ein Indikator für die Stärke von Volkswirtschaften. Und wer hätte es gedacht: Dem Global Innovation Index 2025 zufolge sind aktuell Shenzhen-Hong Kong-Guangzhou und Tokio–Yokohama weltweit die beiden Regionen mit der höchsten Innovationskraft, nicht das Silicon Valley.

Deutschland liegt im Gesamtranking des Global Innovation Index aktuell auf Rang 8. Um diese Spitzenstellung zu halten, wird Innovation auch staatlich unterstützt. Im laufenden Jahr sollen weit mehr als 100 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung fließen. In Innovation investieren aber vor allem die Industrien und Unternehmen selbst. Allein das Budget der deutschen Automobilindustrie beträgt von 2022 bis 2026 mehr als 220 Milliarden Euro für Forschungsfelder wie Elektromobilität und Batterietechnik.

Der entscheidende Faktor: Die erfolgreiche Umsetzung

Bei diesen Summen ist endgültig klar: Innovation ist kein Nice-to-have, sondern essenziell für den Unternehmenserfolg. Doch was versteht man eigentlich genau unter Innovation? Innovation bedeutet, etwas Neues im Markt zu etablieren, das eine Verbesserung beinhaltet und erfolgreich ist, weil es für die Kunden einen Wert schafft, der größer ist als der Preis des Produkts. Neuerungen werden also nur dann zu Innovationen, wenn sie erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden.

Ein Beispiel: Google war nicht die erste Suchmaschine auf dem Markt, aber die innovativste. Im Gegensatz zur Konkurrenz fokussierte sie auf die Bedürfnisse der User (schnell Informationen finden) und nicht der Werbetreibenden (möglichst prominent Werbung platzieren). Deshalb war sie schneller, für die User effizienter – und durch ihren Erfolg schließlich für Werbung interessanter als die Mitbewerber.

Wichtig: Die richtige Einstellung finden

Die Märkte werden immer dynamischer, deshalb müssen Unternehmen innovativ sein, um sich zu bewähren. Innovationen fallen jedoch leichter in einem Umfeld mit ausgeprägter Innovationsmentalität. Das bedeutet:

  • für Veränderungen offen und risikobereit zu sein,
  •     etablierte Produkte und Prozesse in Frage zu stellen,
  •     aktiv nach neuen Möglichkeiten zu suchen,
  •     an Fehlern nicht zu verzweifeln, sondern daraus zu lernen.

Wenn du bei dir und deinem Unternehmen in dieser Hinsicht Schwächen entdeckst, kannst du aufatmen. Die Innovationsmentalität lässt sich erlernen und trainieren. Du kannst sie so verinnerlichen, dass sie dein unternehmerisches Handeln selbstverständlich mitbestimmt.

Exponentielles Denken und Zukunftsszenarien

Menschen mit Innovationsmentalität haben einige Eigenschaften gemein. Sie denken exponentiell, lernen ständig weiter und arbeiten hart und diszipliniert. Innovationen fallen nicht vom Himmel und sie fliegen einem nicht einfach zu. Sie sind, wie Apple-Mitbegründer Steve Wozniak betont, „harte Arbeit“. Wer sein Unternehmen durch Innovation auf Erfolgskurs halten möchte, muss dafür regelmäßig Energie und Zeit investieren. Ein guter Tipp aus der Erfahrung bei Melitta: Am besten setzt man sich für die Innovationsarbeit feste Termine, an denen man sich bewusst aus dem Tagesgeschäft zurückzieht.

Zukünftige Szenarien: Exponentielles Denken

Zur harten Arbeit an der Zukunft gehört auch, vom linearen zum exponentiellen Denken überzugehen. Das erfordert, sich von seinen eingefahrenen Denkmustern zu lösen. Das hört sich einfacher an, als es tatsächlich ist.

Die Kurzfassung: Wer linear denkt, erkennt Veränderungen in seiner Branche und stellt sich darauf ein. Er geht aber aufgrund seiner Expertise davon aus, dass sich der Markt, auf dem er agiert, sich in der Zukunft nach ähnlichen Prinzipien wie in der Vergangenheit entwickeln wird. So agieren Autohersteller seit Jahrzehnten nach der Prämisse, dass Menschen Auto fahren möchten und ein eigenes Auto haben wollen. Und Banken haben ihre Prozesse zwar modernisiert, pflegen aber im Grunde genommen seit Jahrhunderten das gleiche Geschäftsmodell.

Menschen, die exponentiell denken, zählen eins und eins ein wenig anders zusammen:

Sie stellen ihre eigenen Annahmen über den Markt immer wieder auf den Prüfstand.

  • Sie beobachten Trends, um herauszufinden, welche Konsumenten- und Kundenerwartungen sich verändern.
  • Sie verfolgen technologische Entwicklungen.
  • Sie behalten Personen im Blick, die großen Einfluss auf die Zukunft haben. Sie möchten deren Handlungen   verstehen und nachvollziehen, welche Auswirkungen sie auf ihr Unternehmen haben. Besonders aufschlussreich sind die Aktionen großer (Startup-)Investoren. Bereiche, in die sie viel investieren, entwickeln sich in der Regel schnell weiter.
  • Auf der Basis all dieser Informationen entwickeln sie unterschiedliche Szenarien für die Zukunft und überlegen, welche wohl am wahrscheinlichsten sind.

Welche Szenarien können wir durch exponentielles Denken für die Autoindustrie entwerfen?

Möglich wäre: Wir verwerfen die Annahme, dass Menschen ihr eigenes Auto besitzen wollen und gehen davon aus, dass Menschen flexibel mobil sein möchten. Dann beziehen wir verschiedene Faktoren in unsere Überlegungen ein, von neuen Technologien bis hin zu sozio-demografischen Faktoren wie die alternde Gesellschaft. Daraus kann sich das Szenario ergeben, dass Menschen sich keine eigenen Autos mehr kaufen, sondern sich gegen Gebühr von selbst fahrenden Autos chauffieren lassen möchten. Ein mögliches Geschäftsmodell in diesem Szenario ist diesen Chauffeur-Dienst als Service anzubieten und eine Flotte mit selbst fahrenden Autos zu betreiben. Was sich aus diesem Beispiel für Dich ergibt? Stelle Dir die Frage, welche Szenarien für deine Branche in Zukunft relevant sein können?

Alleine sich für einen Wandel zu entscheiden, reicht nicht aus. Symbolfoto: Melitta Gruppe
Alleine sich für einen Wandel zu entscheiden, reicht nicht aus. Symbolfoto: Melitta Gruppe

Das entscheidende Mindset: die Innovationsmentalität

Innovationsmentalität bedeutet, dein unternehmerisches Handeln kontinuierlich auf Innovation auszurichten. In der Wirtschaft kann man sich zumindest auf eine Konstante verlassen: Alles ist ständig im Wandel. Unternehmen müssen deshalb innovativ sein, um erfolgreich am Markt zu bestehen. Dies gelingt besser mit der richtigen Einstellung: der Innovationsmentalität. Doch was versteht man eigentlich unter „Mentalität“? Mentalitäten sind fest verwurzelte Denk- und Verhaltensmuster, die unsere Entscheidungen und Handlungen beeinflussen. Sie spielen eine wesentliche Rolle, um Ziele dauerhaft zu erreichen.

Das innovative Unternehmen: Eine Frage der Mentalität

Um ein Ergebnis dauerhaft zu erreichen, agierst du in der Regel auf verschiedenen Ebenen. Du formulierst dein Ziel: „Mein Unternehmen soll innovativ werden – und bleiben.“ Um dein Ziel zu erreichen, setzt du Einzelmaßnahmen wie Mitarbeiterbefragungen oder Schulungen um und nimmst an Trainings teil. Damit erreichst du punktuelle und temporäre Effekte. Diese Einzelmaßnahmen sind gut, bringen dir erste Erkenntnisse und können dir kurzzeitig helfen. Langfristig reichen sie aber nicht.

Vielleicht führst du sogar ein System aus aufeinander abgestimmten Maßnahmen ein, wie Raum für Experimente zu gewähren oder regelmäßige Trendanalysen. Ein solches System bringt schon breitere und langfristigere Effekte. All diese Maßnahmen sind erforderlich, um dein Unternehmen auf Innovationskurs zu bringen. Doch sie allein reichen nicht aus, um langfristig innovativ zu sein. Hierfür kommt dein Mindset als entscheidender Faktor hinzu.

Du handelst entsprechend den Denk- und Verhaltensmustern der Innovationsmentalität konsequent und selbstverständlich innovatorisch: Du behältst neue Entwicklungen im Blick, bist für Veränderungen offen, schaust nach vorne, willst die Zukunft aktiv gestalten, nimmst Scheitern in Kauf und lernst aus Fehlern.

Innovationsmentalität entwickeln: Eine Frage des Trainings

Eine Mentalität zu entwickeln, erfordert Konsequenz und Durchhaltevermögen. Ein erster, wichtiger Schritt in diesem Prozess ist, einschränkende Glaubenssätze über Bord zu werfen. Sie verraten sich durch Aussagen wie „Eigentlich würde ich ja (Sport treiben, die Produktion erweitern…) – aber (dies und das) hindert mich daran“, oder „Ich kann nicht…“. Diese tief verinnerlichten Annahmen hemmen dich, obwohl sie häufig einem Realitätscheck gar nicht standhalten.

Wie denken Menschen mit Innovationsmentalität? Wie handeln sie, wenn Probleme auftauchen? Auf welcher Basis treffen sie Entscheidungen? Darauf gehen wir genauer in unserem Online-Kurs „Innovator’s mentality“ ein. Dort definierst du die Eigenschaften und Verhaltensweisen, die eine Innovatorin oder einen Innovator ausmachen. Du trainierst sie bewusst immer wieder, bis sie für dich selbstverständlich sind.

Dieser Lernprozess lässt sich an einem Beispiel gut zeigen: Wer über sich selbst denkt „Ich kann nicht malen“, schränkt sich selbst ein. Was denken dagegen innovatorische Menschen? Genau! „Ich kann lernen, zu malen.“ Und wenn sie malen lernen müssen, weil es die Marktsituation erfordert, werden sie auch weiter gehen und prüfen, ob sich das Angebot ihres Unternehmens sinnvoll um Malkurse, Malutensilien oder Kunstbücher erweitern lässt.

Stimmt das überhaupt? Gängige Marktannahmen hinterfragen

Stets den Status quo zu hinterfragen, ist das Credo der Innovation. Je nach Horizont wird analysiert, welche Innovationen für die nahe oder weitere Zukunft Potenzial besitzen. Das gelingt umso besser, je klarer du auf den Markt und seine Veränderungen blickst. Das heißt, du überprüfst regelmäßig, ob deine Annahmen (noch) mit der Realität übereinstimmen – und Innovationen dringend anstehen. Dazu gehst du nach verschiedenen Fragestellungen vor:

  • Was geschieht in meinem Markt?
  • Was geschieht in anderen Branchen?
  • Wo kommt es gerade zu größeren Veränderungen?
  • Wo entstehen neue Firmen?
  • Wo machen neue Technologien Furore?
  • Welche Entwicklungen in anderen Märkten kann ich auf meine Branche übertragen?

Wie böse ein eingeschränkter Blick auf die Marktveränderungen enden kann, zeigt die einst weltweit größte Videothekenkette Blockbuster. Sie unterschätzte im Gegensatz zum Konkurrenten Netflix das Potenzial des Videostreaming, beharrte auf dem Filialgeschäft und meldete schließlich 2010 Insolvenz an. Hätte das Management seine Annahme („Streaming wird das Filialgeschäft nicht überflüssig machen“) kritischer beleuchtet, wäre Blockbuster heute vielleicht ein führender Filmanbieter mit einem innovativeren Geschäftsmodell als Netflix. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, deine Prämissen über Märkte und Entwicklungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren: Für den Erfolg deines Unternehmens ist das essenziell.