Minden-Lübbecke. Die wirtschaftliche Situation der heimischen Schweinehalter hat sich dramatisch zugespitzt. „Die Schweinebauern machen derzeit enorme Verluste“, schildert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke, Joachim Schmedt. Denn Anfang Juli sanken die Schweine- und Ferkelpreise erneut.

„Besorgniserregend sind nicht nur die niedrigen Erlöse“, erläutert Schmedt, sondern insbesondere die gestiegenen Kosten und die fehlenden Perspektiven für die Zukunft der Höfe. Er fordert: Bei allen Beteiligten müsse ein grundlegender Wandel einsetzen. „Andernfalls gefährden wir die Grundlage für eine nachhaltige und hochwertige Lebensmittelproduktion aus heimischer Erzeugung“, so der Vorsitzende. Er warnt vor einem weiteren massiven Strukturbruch in der regionalen Tierhaltung. „Wir fordern entschlossenes Handeln von Politik, Handel und Verarbeitungswirtschaft“, so Schmedt und weiter: Auch in den anderen Bereichen der Landwirtschaft wirken unzureichende Preise, gestiegener Kosten, wachsender Auflagen und fehlender Planungssicherheit längst wie eine Zange.“

Mehr als ein historischer Tiefpunkt

„Die Stimmung auf den Betrieben hat mehr als einen historischen Tiefpunkt erreicht. Viele Bauernfamilien wissen nicht, wie sie unter diesen Bedingungen ihre Zukunft sichern sollen, geschweige denn, wie sie laufenden Kosten, die Rechnungen, bezahlen können“, erklärt Schmedt. „Die aktuellen Auszahlungspreise reichen bei weiten nicht aus, um die gestiegenen Kosten für Futter, Energie, Löhne und Stallhaltung zu decken.“ Gleichzeitig würden die Anforderungen an Tierwohl, Umwelt- und Immissionsschutz sowie Dokumentation stetig steigen.

Die aktuelle Krise sei nicht mit früheren Marktphasen vergleichbar, berichtet Schmedt. Zwar habe es auch in der Vergangenheit niedrige Schweinepreise gegeben, doch die Erzeugerkosten seien heute deutlich gestiegen. Besonders betroffen sind die Sauenhalter. Sie stehen zusätzlich vor umfangreichen gesetzlichen Umbauverpflichtungen ihrer Ställe. Viele Betriebe können laut Schmedt die notwendigen Investitionen nicht finanzieren.

„Wenn unsere Schweinehalter aufgeben müssen, endet die Schweinehaltung, sie wandert ins Ausland ab.“ Joachim Schmedt

„Jeder aufgegebene Hof, reißt eine Lücke in die regionale Wertschöpfung, kostet Arbeitsplätze und schwächt auf Dauer die heimische Lebensmittelversorgung“, verdeutlicht der Vorsitzende und stellt nüchtern fest. „Wenn hier bei uns die Schweinehalter aufgeben müssen, endet die Schweinehaltung nicht. Sie verlagert sich ins Ausland – häufig in Länder mit niedrigeren Tierwohl-, Umwelt- und Sozialstandards. Das kann niemand ernsthaft wollen“, betont Schmedt.

Wer Tierwohl fordert, muss auch bezahlen

Der Landwirtschaftsverband fordert deshalb von Politik, Lebensmitteleinzelhandel und Verarbeitern entschlossenes Handeln. Dazu gehören kostendeckende Erzeugerpreise, faire Wettbewerbsbedingungen, eine verbindliche Herkunftskennzeichnung auch für verarbeitete Produkte und in der Außer-Haus-Verpflegung sowie verlässliche Förderprogramme für den Stallumbau. Ebenso notwendig seien schnellere Genehmigungsverfahren und ausreichend lange Umsetzungsfristen für die gesetzlich vorgeschriebenen Umbauten in der Sauenhaltung.

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„Regionalität, Tierwohl und Versorgungssicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Wer hochwertige Lebensmittel aus Deutschland will, darf die heimischen Betriebe nicht weiter ausbluten lassen. Die hiesigen Landwirte appellieren an alle Akteure der Lebensmittelkette, gemeinsam Verantwortung für den Erhalt der heimischen Schweinehaltung zu übernehmen. Ohne ein schnelles Umdenken drohe ein weiterer Verlust landwirtschaftlicher Familienbetriebe – mit weitreichenden Folgen für die regionale Landwirtschaft, den ländlichen Raum und die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln.

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Nicht nur die Schweinbauern leiden aktuell. So richtete ein in der Region Minden-Lübbecke wütendes Unwetter zum Teil schwere Schäden auf den landwirtschaftlichen Flächen an. Besonders betroffen waren in Landwirte im Raum Petershagen und in Teilen im Bereich von Rahden. Große Teile der Getreide- und Rapsbestände wurden durch den plötzlichen Unwetterschlag beschädigt oder gar vollständig zerstört, auch Maiskulturen sind erheblich betroffen.

Hohe Kosten – niedrige Erzeugerpreise: „Die Preise für Dünger und Kraftstoff sind historisch hoch, gleichzeitig bekommen wir für unsere Erzeugnisse fast in allen Bereichen zu wenig“, so Vorsitzender Joachim Schmedt. Foto: Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband
Hohe Kosten – niedrige Erzeugerpreise: „Die Preise für Dünger und Kraftstoff sind historisch hoch, gleichzeitig bekommen wir für unsere Erzeugnisse fast in allen Bereichen zu wenig“, so Vorsitzender Joachim Schmedt. Foto: Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband

Für die landwirtschaftlichen Betriebe bedeuten die Ernteausfälle zusätzliche wirtschaftliche Belastungen, da nicht alle Schäden durch Versicherungen gedeckt sind. Angesichts bereits hoher Betriebskosten, niedrigen Preisen auf den Agrarmärkten und schwieriger Rahmenbedingungen stellen die Einbußen bis zum Verlust der diesjährigen Ernte die betroffenen Höfe vor große Herausforderungen. Joachim Schmedt verdeutlicht: „Die Ernte ist die Grundlage ihrer wirtschaftlichen Existenz, darauf haben sie die ganze Zeit hingearbeitet – all ihre Arbeit von der Einsaat bis hin zu den Pflegearbeiten wurde in kurzer Zeit zunichte gemacht.“

Zum Thema: Das fordert der Landwirtschaftsverband fordert:

  • Ein Ende der ruinösen Preispolitik. Wer Qualität und Tierwohl fordert, muss diese auch bezahlen.
  • Faire Preisgestaltung auf Augenhöhe, sodass alle Beteiligten der Wertschöpfungskette angemessen berücksichtigt werden.
  • Ein klares Bekenntnis des Lebensmitteleinzelhandels zur heimischen Schweinehaltung und eine faire Preisgestaltung.
  • Eine verpflichtende und transparente Herkunftskennzeichnung, damit Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst deutsche Erzeugnisse wählen können und diese auch für verarbeitete Produkte sowie in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung,Wettbewerbsfähige politische Rahmenbedingungen ohne nationale Alleingänge.
  • Verlässliche Förderprogramme sowie längere Umsetzungsfristen für den Neu-/ Umbau der Sauenhaltung.
  • Schnellere Genehmigungs- und Planungsverfahren für Tierwohlställe.