Detmold (pm). Während die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Nordrhein-Westfalen deutlich zurückgeht, entwickelt sich der Ausbildungsmarkt in Lippe erfreulich. Die Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe) verzeichnet aktuell 1,8 Prozent mehr neu eingetragene Ausbildungsverträge als im Vorjahreszeitraum. Landesweit liegt das Minus bei 9,8 Prozent. Damit ist Lippe derzeit die einzige IHK-Region in Nordrhein-Westfalen mit einer positiven Entwicklung.

„Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis und ein starkes Signal unserer lippischen Wirtschaft. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen investieren unsere Unternehmen weiter in die Ausbildung junger Menschen.

Dabei übernehmen sie nicht nur Verantwortung für ihren eigenen Fachkräftenachwuchs, sondern leisten einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer gesamten Region. Dieses Engagement verdient Anerkennung“, erklärt Svenja Jochens, Hauptgeschäftsführerin der IHK Lippe.

2026 weniger Abiturienten

Besonders erfreulich ist die Entwicklung vor dem Hintergrund der sogenannten Abiturientenlücke. Durch die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium verließen 2026 deutlich weniger junge Menschen die Gymnasien mit dem Abitur.

Gleichzeitig erschweren der demografische Wandel und die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe die Nachwuchsgewinnung. Dass Lippe dennoch ein Plus bei den Ausbildungsverträgen erreicht, unterstreicht aus Sicht der IHK das Ausbildungsengagement der regionalen Unternehmen.

Ausbildungsbereitschaft hoch – Besetzung bleibt Herausforderung

Die positive Entwicklung darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Besetzung von Ausbildungsplätzen für viele Unternehmen schwierig bleibt. Die aktuelle IHK-Ausbildungsumfrage zeigt, dass zahlreiche Betriebe nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen konnten. Dabei fehlen häufig geeignete Bewerbungen oder Bewerbungen bleiben ganz aus.

„Unsere Unternehmen wollen ausbilden“ Svenja Jochens

Viele Unternehmen investieren deshalb zusätzlich in Berufsorientierung, Praktika, individuelle Betreuung und die Förderung ihrer Auszubildenden. Die Herausforderung besteht somit nicht allein darin, Ausbildungsplätze anzubieten, sondern vorhandene Ausbildungschancen auch tatsächlich zu nutzen.

„Unsere Unternehmen wollen ausbilden. Entscheidend ist aber, dass Ausbildungsbetriebe und junge Menschen auch tatsächlich zueinanderfinden. Wir müssen deshalb noch stärker an den Übergängen zwischen Schule und Beruf arbeiten, berufliche Orientierung praxisnah gestalten und Jugendliche individuell auf ihrem Weg in die Ausbildung begleiten“, betont Jochens.

Dabei sind nicht nur Schulen und Jugendliche gefordert. Auch die Unternehmen stellen sich zunehmend auf unterschiedliche Voraussetzungen und Bildungswege ihrer künftigen Auszubildenden ein. Viele Betriebe investieren bereits in zusätzliche Betreuung, Praktika und individuelle Förderung.

Gemeinsam die Fachkräfte von morgen sichern

Die IHK Lippe setzt deshalb auf eine enge Zusammenarbeit mit den Unternehmen, Schulen, der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, dem Kreis Lippe und weiteren regionalen Partnern. Angebote wie die Passgenaue Besetzung, der Lehrstellenendspurt und die Ausbildungsmesse „Berufe live“ unterstützen Jugendliche bei ihrer Berufswahl und Unternehmen bei der Gewinnung ihres Fachkräftenachwuchses.

„Wenn wir die duale Ausbildung nachhaltig stärken wollen, müssen wir dort ansetzen, wo die tatsächlichen Herausforderungen liegen: bei der Berufsorientierung, den grundlegenden Kompetenzen junger Menschen und dem Zusammenbringen von Betrieben und Bewerbern.

Duale Ausbildung bleibt entscheidend

Unsere Unternehmen zeigen, dass sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Jetzt kommt es darauf an, dieses Engagement durch verlässliche Rahmenbedingungen und gezielte Unterstützung zu stärken“, betont Jochens.

Eine starke duale Ausbildung bleibt ein entscheidender Standortfaktor für Lippe. Denn die Fachkräfte, die die Unternehmen morgen benötigen, müssen heute gewonnen und qualifiziert werden.

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