Bielefeld/Ostwestfalen . In der aktuellen Debatte um einen bezahlbareren Führerschein begrüßt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) Reformpläne des Bundesministeriums für Verkehr (BMV). „Ziel muss es sein, den Führerscheinerwerb günstiger und unbürokratischer zu machen. Der Führerschein ist für viele junge Menschen der Schlüssel zum Einstieg ins Berufsleben“, erklärt Götz Dörmann, IHK-Geschäftsführer Verkehr.

„Aktuell führen enorme bürokratische Anforderungen zu hohen Kosten für Fahrschulen und damit für Fahrschülerinnen und Fahrschüler. Das schränkt Mobilität und Fachkräftesicherung ein“, betont Dörmann. Ein bezahlbarer Führerschein sei daher auch ein Standortfaktor – gerade in Regionen wie Ostwestfalen mit teilweise ländlicher Struktur.

„Aus Sicht der IHK sind Möglichkeiten für Reformen erkennbar. Mehr Flexibilität, digitale Lernformen und eine zeitgemäße Organisation der Ausbildung könnten dazu beitragen, die Qualität zu sichern und die Kostenentwicklung deutlich zu bremsen“, erläutert Volker Uflacker, Sachgebietsleiter Prüfungsorganisation Verkehr bei der IHK Ostwestfalen.

Qualität der Führerscheinausbildung darf nicht unter finanzieller Entlastung leiden

Die im Eckpunktepapier vorgesehenen Reformansätze bewertet die IHK als wichtigen Schritt. Uflacker betont, dass deren tatsächliche Wirkung auf die Führerscheinkosten von einer sorgfältigen und praxisgerechten Umsetzung abhängen werde. Maßnahmen zur finanziellen Entlastung der Fahrschüler sollten dabei stets mit notwendigen Standards in der Verkehrssicherheit und Ausbildungsqualität vereinbar sein.

„Mobilität ist die Grundlage für Fachkräftesicherung, Wachstum und gesellschaftliche Teilhabe.“ Götz Dörmann

Die IHK schlägt für eine nachhaltige und zeitnahe Reform weitere Schritte vor: „Orientierung an Best-Practice-Beispielen und Kostenrahmen anderer EU-Staaten, eine bessere Verfügbarkeit von Prüfungsplätzen bei den Prüforganisationen zur Reduzierung von Wartezeiten und damit Kosten sowie digitalisierte und dadurch schnellere Antrags- und Bearbeitungsprozesse in den Führerscheinstellen.

Fahrermangel in Logistik, Dienstleistung und Nahverkehr: Auch hier sind Reformen notwendig

Darüber hinaus spricht sich die IHK dafür aus, vergleichbare Reformen auch für die Ausbildung von Berufskraftfahrern zu prüfen – um dem gravierenden Fachkräftemangel in diesem Bereich wirkungsvoll zu begegnen. Fahrerlaubnisse für Lkw und Busse sind in Logistik und Industrie unverzichtbar. Digitale Lernformen und effizientere Prüfungsprozesse könnten hier ebenfalls Kosten senken und die Fachkräftesicherung stärken.

Logistik, der öffentliche Nahverkehr und auch alle anderen Branchen suchen händeringend nach Menschen, die große Fahrzeuge wie LKw oder Busse fahren dürfen. Deswegen regt die IHK auch die Reformen für Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern an. Symbolbild: AdobeStock_195411285
Logistik, der öffentliche Nahverkehr und auch alle anderen Branchen suchen händeringend nach Menschen, die große Fahrzeuge wie LKw oder Busse fahren dürfen. Deswegen regt die IHK auch die Reformen für Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern an. Symbolbild: AdobeStock_195411285

„Zahlreiche Branchen – etwa Logistik , Industrie , Dienstleistung , Pflege und auch das Handwerk – sind auf Beschäftigte mit Fahrerlaubnis angewiesen. Eine moderne Fahrausbildung muss praxisnah, qualitätssichernd und effizient sein“, so Dörmann weiter. „Ein bezahlbarer Führerschein stärkt die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft – denn Mobilität ist die Grundlage für Fachkräftesicherung, Wachstum und gesellschaftliche Teilhabe. Nur wenn Ausbildung, Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gleichgewicht sind, bleibt Mobilität für alle zugänglich – und die Wirtschaft in Bewegung.“

Infobox: Modernisierung der Fahrausbildung

Theoretische Fahrausbildung:

  • Digitalisierung: Präsenzunterricht wird abgeschafft, Wissen kann digital erlernt werden.
  • Bürokratierückbau: Keine Vorgaben zu Schulungsräumen und Vermittlungsreihenfolgen.
  • Prüfungsfragen: Reduzierung des Fragenkatalogs um ein Drittel, Fokus auf Verkehrssicherheit.
  • Praktische Fahrausbildung:
  • Simulatoren: Einsatz von Simulatoren für Schaltwagen-Ausbildung.
  • Weniger Sonderfahrten: Reduzierung der verpflichtenden Fahrten, teilweise im Simulator möglich.
  • Fahrprüfung: Mindestfahrzeit auf 25 Minuten zurückgeführt.

Bürokratierückbau:

  • Weniger Dokumentationspflichten, digitale Fortbildungsangebote.

Experimentierklausel:

  • Diskussion über Einbeziehung nahestehender Personen in die Ausbildung.

 

Preistransparenz:

  • Online-Vergleich von Kosten und Durchfallquoten aller Fahrschulen.

 

Weitere Maßnahmen:

  • Prüfung der Übertragbarkeit auf andere Führerscheinklassen (z. B. LKW).

 

Nächste Schritte:

  • Weiterentwicklung der Vorschläge mit Ländern und Branchenvertretern, rechtliche Änderungen bis Mitte 2026 geplant.

Zur Beschlussvorlage: Mehr Informationen zu der angedachten Führerschein-Reform des Bundesministeriums für Verkehr