Berlin/Minden-Lübbecke . Landwirte im Dialog mit Städtern: Junge Landwirte und Landwirtinnen aus ganz Westfalen-Lippe sind derzeit Botschafter ihres Berufes auf der Grünen Woche. Fünf junge Nachwuchskräfte aus dem Mühlenkreis sind dabei: Leonie Högemeier, Arndt Angelbeck, Silas Nobbe – alle drei aus Stemwede sowie Jona Brosend und Jens Sieker – beide aus Hüllhorst.

Sie sind Teil eines Teams mit mehr als 30 jungen Landwirten und Landwirtinnen. Sie erklären auf der weltweit größten Messe für Ernährung und Landwirtschaft Großstädtern ihren Beruf und ihre Leidenschaft. Die Messe läuft seit dem 16. Januar, dauert bis 25. Januar und feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum.

Offen und direkt im Gespräch

In der NRW-Halle geben die jungen Leute den Messebesuchern spannende Einblicke in ihren Hofalltag und zeigen, wie nachhaltige Landwirtschaft funktioniert. „Wir sind sowohl im Bühnenprogramm als auch am Aktions- und Informationsstand aktiv“, erklärt Leonie Högemeier „Wir wollen offen und direkt mit den Großstädtern über unser Leben und Arbeiten auf dem Hof und Feld sprechen.“ Da viele Städter wenig Kontakt zur Landwirtschaft hätten, „gehen wir in die Stadt, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, sagt Leonie Högemeier.

Mit allen Sinnen die Grüne Woche erleben

Am Aktions- und Informationsstand des Westfälisch– Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) lassen die jungen Leute die Messebesucher beim Bauernhof-Buzzerspiel gegeneinander antreten. Beim interaktiven Modellkuhstall begleiten sie per Virtual Reality in verschiedene Ställe. Silas Nobbe berichtet: „Neben einem Wissensparcours fordern wir bei interaktiven Quizspielen die Kenntnisse der Besucher heraus, verteilen Kostproben und bieten jede Menge Informationen rund den grünen Berufszweig.“ Die Erfahrung von Silas Nobbe, der schon im letzten Jahr in Berlin dabei war: „Die Messebesucher sind oft begeistert, einen ‚richtigen‘ Landwirt kennenzulernen.“

Silas Nobbe, der schon im letzten Jahr in Berlin dabei war, erzählt: „Die Messebesucher sind oft begeistert, einen „richtigen“ Landwirt kennenzulernen.“ Foto: WLV
Silas Nobbe, der schon im letzten Jahr in Berlin dabei war, erzählt: „Die Messebesucher sind oft begeistert, einen „richtigen“ Landwirt kennenzulernen.“ Foto: WLV

Im Bühnenprogramm der NRW-Halle entführen die Jungbäuerinnen und -bauern die Gäste in die Welt der Landwirtschaft. „Wir erzählen von unserem persönlichen Weg in den Beruf, gewähren Einblicke in unseren Alltag und teilen unsere Begeisterung für Tiere und Natur auf verschiedene Weise mit“, beschreibt Jona Brosend. Er selbst kommt nicht von einem Hof. So erzählt er, dass er die Landwirtschaft bei seinem Großvater und Großcousin kennengelernt habe und für ihn schon früh feststand: „Ich werde Landwirt.“

Vielfalt und Herausforderungen des Berufs des Landwirts

Jens Sieker möchte den Messebesuchern Einblicke in seinen Berufsalltag geben. Ihm ist es wichtig, ein realistisches Bild der Landwirtschaft zu vermitteln. Foto: WLV
Jens Sieker möchte den Messebesuchern Einblicke in seinen Berufsalltag geben. Ihm ist es wichtig, ein realistisches Bild der Landwirtschaft zu vermitteln. Foto: WLV

„Wir wollen ein realistisches Bild und unsere Freude am Beruf vermitteln“, unterstreicht Jens Sieker. Er erzählt den Messebesucher von seinem Arbeitsalltag zwischen Rindern und Ackerbau. Er kommt von einem Nebenerwerbsbetrieb mit Rindern und arbeitet in Vollzeit auf dem Nachbarhof, einen Ackerbaubetrieb. Er und Arndt Angelbeck schätzen die abwechslungsreiche Arbeit in der Natur, im Stall und auf dem Hof. „Das Schöne ist, dass wir am Tagesende sehen, was wir getan haben“, bekräftigt Arndt Angelbeck. In vielen Berufen sei das nicht mehr so gegeben.

„Es geht um unsere Zukunft, die wollen wir mitgestalten, darüber wollen wir reden.“ Leonie Högemeier

„Die Gespräche drehen sich um Tierwohl, Technik, Nachhaltigkeit , Ressourcenschutz und um unsere Herausforderungen“, so Silas Nobbe. Aktuelle Themen wie der Bürokratiewahnsinn und die schlechte Preissituation würden ebenso angesprochen, ergänzt Leonie Högemeier. Sie kommt von einem Sauenbetrieb und erklärt oft: „Unsere größte Herausforderung ist, dass wir so gut wie keine Planungssicherheit durch die Politik haben. Wir brauchen endlich mehr Wettbewerbsfähigkeit, weniger Gängelung und mehr Spielraum.“ Sie bringt es auf den Punkt: Es brauche endlich Entscheidungen und Perspektiven, um beispielsweise den Investitionsstau auf den Höfen aufzulösen. „Es geht um unsere Zukunft, die wollen wir mitgestalten, darüber möchten wir sprechen“, untermauert die junge Landwirtin.

Arndt Angelbeck liegt die Öffentlichkeitsarbeit am Herzen. Er möchte durch eigene Erzählungen die Landwirtschaft greifbarer machen. Foto: WLV
Arndt Angelbeck liegt die Öffentlichkeitsarbeit am Herzen. Er möchte durch eigene Erzählungen die Landwirtschaft greifbarer machen. Foto: WLV

Gut gerüstet für den Einsatz auf der Grünen Woche

Vorbereitet haben sich die jungen Leute gut. Für den Einsatz in Berlin haben sich die Akteure im Herbst zu einem Wochenendseminar und mehreren Online-Trainings des Westfälischen-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) getroffen. Dies alles beinhaltete ein straffes Programm aus Argumentations-, Rhetorik- und Medientraining, um sie auf ihren Einsatz am Informationsstand, ihre Aktionen auf der Bühne und für Medienkontakte vorzubereiten.

Jona Brosend selbst kommt nicht von einem Hof, doch er wusste schon früh als Kind: „Ich werde Landwirt.“ Foto: WLV
Jona Brosend selbst kommt nicht von einem Hof, doch er wusste schon früh als Kind: „Ich werde Landwirt.“ Foto: WLV

Joachim Schmedt lobt Engagement und Tatkraft des Nachwuchses

Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Joachim Schmedt freut sich über das Engagement und die Tatkraft der jungen Generation. „Echte Einblicke in den Alltag auf dem Hof und in die Landwirtschaft vermitteln, das kann niemand besser als die Leute, die jeden Tag selbst im Stall, auf dem Hof und Acker im Einsatz sind.“

Infobox: Die Grüne Woche – die Internationale Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau

  • Die Grüne Woche findet in diesem Jahr vom 16. bis 25. Januar statt. Sie ist die traditionsreichste und besucherstärkste Berliner Messe, sie zählt zu den bekanntesten Veranstaltungen in Deutschland. Gegründet wurde sie im Jahr 1926; damit feiert sie in diesem Jahr ihr 100-jährigs Jubiläum.
  • Im Laufe der Jahrzehnte hat sie sich zur internationalen Leitmesse für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau entwickelt. Aussteller aus aller Welt präsentieren an zehn Veranstaltungstagen ein umfangreiches Informations- und Produktangebot. Zudem gibt die Grüne Woche aktuellen gesellschaftlichen Fragen wie Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung und nachhaltige Landnutzung eine Bühne.
  • Veranstaltet wird die Grüne Woche von der Messe Berlin GmbH. Ideelle Träger sind der Deutsche Bauernverband (DBV) sowie die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE).