Minden-Lübbecke . „2025 war für uns ein Jahr mit Höhen und Tiefen“, resümiert Joachim Schmedt, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke zum Jahresende. Mit der Ernte sind die Bauern zumeist zufrieden, mit den Preisen ganz und gar, ebenso wenig mit der Politik. Schmedt: „Wir fordern endlich einen klaren Kurswechsel: mehr Mut und Aufbruch, verlässliche Entscheidungen, spürbar weniger Bürokratie und echte Wettbewerbsfähigkeit für unsere Höfe.“ Landwirte in ganz OWL dürften ihm da zustimmen.

Die Bauern im Mühlenkreis verzeichnen in diesem Jahr auf den sehr guten Standorten eine ausgezeichnete Getreideernte, aber bei katastrophalen Preisen. „Hingegen konnte auf den leichteren Standorten, wo das Wasser fehlte, lediglich die Hälfte eingefahren werden“, berichtet Schmedt und bekräftigt: Die Preissituation sei miserabel und absolut nicht kostendeckend. Große Ernten weltweit und der starke Euro gegenüber dem Dollar setzten die Getreidemärkte in Europa kräftig unter Druck.

Pommes und Chips liegen schwer im Magen – Landwirte frustriert über die Preise für Verarbeitungskartoffeln

Die Kartoffeln brachten ebenso sehr gute Erträge, doch auch hier drückt der Markt: „Vor allem bei Verarbeitungskartoffeln macht der Preis vielen Höfen zu schaffen“, so der Vorsitzende. Beim Mais wurde ein durchschnittliches Ergebnis eingefahren. Sehr süß fallen in diesem Jahr die Zuckerrüben aus: gute Rübenerträge bei hohen Zuckergehalten. Auch hier ist die Preissituation angespannt.

Die Bauern brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, sonst droht die Erzeugung und schlussendlich ebenso die Verarbeitung ins Ausland abzuwandern

In der Geflügelhaltung ist die wirtschaftliche Situation derzeit gut. Große Sorge bereitet jedoch die Ausbreitung der Vogelgrippe. Die Milchvieh- und Rindfleischhalter konnten nach schwierigen Jahren wieder etwas aufatmen: „Die guten Milch- und Rindfleischpreise waren für viele dringend nötig“, betont der Vorsitzende. „Mit Sorge beobachten wir jedoch die seit Spätsommer deutlich gesunkenen Milchpreise.“ Hier kritisiert der Vorsitzende die Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) auf das Schärfste. Der LEH hatte die Preise für Butter und Milchprodukte in der Vorweihnachtszeit drastisch gesenkt.

Preisdumping auf Kosten der Milchbauern

Die Handelsketten würden ein desaströses Preisdumping betreiben. Dadurch drohe, dass die ohnehin schrumpfende regionale Milchversorgung weiter zurückgehe. Denn die heimische Milcherzeugung sinke schon heute und auch langfristig. Ein Sondergutachten der Monopolkommission zur Lebensmittellieferkette bestätigte jüngst die hohe Konzentration der Marktmacht des LEH, das mit „nur“ vier großen Handelsunternehmen einen dominanten Einfluss auf Preise, Vertragsbedingungen und Marktstrukturen ausübe.

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Den Schweinehaltern fehlen Perspektiven und Geld für Investitionen, während die Auflagen immer schärfer werden. „Besonders Sauenhalter stehen vor unlösbaren Problemen“, erläutert Schmedt. „Hier droht die Basis der deutschen Schweinehaltung wegzubrechen und das dann für immer.“ Für die Sauenhalter braucht es dringend Lösungen für Umbauvorgaben. Zudem müsse es endlich gelingen, die Vorgaben zu Tierschutz und Emissionen EU-weit einheitlich aufzustellen, „nur dann können die heimischen Bauernfamilien überhaupt wettbewerbsfähig bleiben“, fordert der Landwirtevorsitzende. Und er mahnt auch hier: Der Lebensmittelhandel dürfe nicht ständig nur fordern, sondern müsse verbindliche Planungssicherheit schaffen ohne Preiskampf zulasten der Bauern.

Das Wachstumsjahr 2025 unterschied sich wesentlich von den beiden vorherigen, die durch viel Regen geprägt waren. Bei den Wiesen und Weiden, konnten die Bauern eine mittelprächtige Grasernte als Futter für das Rindvieh einfahren. Foto: Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband
Das Wachstumsjahr 2025 unterschied sich wesentlich von den beiden vorherigen, die durch viel Regen geprägt waren. Bei den Wiesen und Weiden, konnten die Bauern eine mittelprächtige Grasernte als Futter für das Rindvieh einfahren. Foto: Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband

Die Bauern brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, sonst droht die Erzeugung und schlussendlich ebenso die Verarbeitung ins Ausland abzuwandern. Das wäre für Deutschland nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht schlecht. Es wäre unverantwortlich mit Blick auf Tierwohl, Umweltschutz, Versorgungssicherheit und die Qualität unserer Lebensmittel, so der Vorsitzende. „Gerade angesichts multipler Krisen, politischer Umbrüche sowie Handels- und Zollkonflikte brauchen wir eine starke Landwirtschaft, die Erzeugung und Innovation im eigenen Land hält.“

Fachkräfte, Forschung, Verantwortung: Warum Deutschland Landwirtschaft kann, „wenn man uns lässt“

Der Vorsitzende aber macht Mut: Die heimische Landwirtschaft mit ihren vor- und nachgelagerten Bereichen hätten gute Rahmenbedingungen und viel Potenzial, „wenn man uns lässt!“. Quer durch alle Branchen vom Acker, über Landtechnik, Verarbeitung bis zu den neuen Energien werden Innovationen vorangetrieben und Jobs gesichert, aufgrund des Standorts Deutschland. Denn es gibt nur wenige Länder, wo so gute Fachkräfte, Forschung, Rechtssicherheit, Qualitätsbewusstsein und gelebte Verantwortung so eng zusammenwirken. Dazu kommt eine nachhaltige Landwirtschaft in einer klimatisch privilegierten Region. „Das alles ist ein echter Standortvorteil.“

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Gleichzeitig sieht der Vorsitzende enormen politischen Handlungsbedarf. Zu viel Bürokratie , zu viele bremsende Auflagen und Detailvorschriften. „Wir brauchen mehr Wettbewerbsfähigkeit für die Höfe. Weniger regulieren, mehr ermöglichen, mehr Freiräume“, fordert der Vorsitzende. Schluss mit Symbolpolitik, dann könne endlich ein echter Aufbruch gelingen und beispielsweise der Investitionsstau auf den Höfen gelöst werden. „Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft zu gestalten – doch dafür brauchen wir Verlässlichkeit, Planungssicherheit und Vertrauen in unsere Arbeit“, untermauert Schmedt. Die Politik müsse endlich liefern. „Wir fordern mehr Mut, mehr Aufbruch!“

Infobox: Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer kommt zum Kreisverbandstag der Landwirte

  • Der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Alois Rainer ist prominenter Gast des Kreisverbandstages am Donnerstag, 5. Februar. Der Bauerntag des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke findet im Bürgerhaus Espelkamp, um 19.00 Uhr statt.