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Höhere Kosten, Frostgefahr, begrenztes Angebot: Die Erdbeerernte startet zäh. Warum setzen Händler trotzdem auf regionale Früchte und die Erzeuger auf Direktvermarktung?
Kreis Lippe. Die Lippische Erdbeerernte 2026 läuft. Nachdem bereits in der letzten Woche vereinzelte erste Früchte erntereif waren, kommt die Ernte in den Erdbeertunneln nun so langsam in Gang. Die Ernte auf dem freien Feld startet voraussichtlich Mitte Mai.
„Wir freuen uns, unsere regionalen und frischen Erdbeeren ab jetzt wieder anbieten zu können“, sagt Jens Hanken vom Erdbeerhof Hanken-Entrup in Lemgo. Verkauft werden die beliebten Früchte dabei vor allem über die Direktvermarktung in Hofläden und auf Selbstpflückerfeldern.
Jens Hanken und sein Bruder Erik Hanken haben sich vorgenommen, die Preise vom Vorjahr so gut es geht zu halten: „Gerade zu Saisonbeginn sind ja erstmal nur die Erdbeeren aus den Tunneln und Gewächshäusern reif. Das Angebot ist dadurch erstmal begrenzt, da wir die meisten Erdbeeren nach wie vor auf dem Freifeld anbauen. Im letzten Jahr mussten wir den Preis für eine 500-Gramm-Schale zu Saisonbeginn erstmals auf über 5 Euro anheben. Das wird auch in diesem Jahr nicht anders sein. Sobald die Beeren auf dem Feld jedoch reif sind, können wir täglich größere Mengen verkaufen und dadurch auch den Tagespreis senken.“
Günstiger als im Vorjahr wird es für die Verbraucher jedoch auf keinen Fall, da die Produktionskosten der Landwirte stetig steigen. Der zum Jahresbeginn noch einmal gestiegene Mindestlohn sowie die Blockade der Straße von Hormus im Zuge des Angriffes der USA auf den Iran sind zwei Faktoren, die den Anbau und die Ernte der Erdbeeren immer teurer machen. „Ich hoffe, dass wir bei den weiter steigenden Produktionskosten und Löhnen konkurrenzfähig mit Ware aus dem Ausland bleiben und die Verbraucherinnen und Verbraucher sich im Einkauf für regionale Erdbeeren entscheiden“, sagt der Vorsitzende des WLV-Kreisverbandes Lippe Dieter Hagedorn.
Für Unsicherheiten über den Ertrag der Ernte sorgen wie in jedem Jahr die Eisheiligen in knapp zwei Wochen (11. bis 15. Mai). Laut einer alten Bauernregel ist hier zum letzten Mal Frost möglich, bevor sich dann nach und nach der Sommer blicken lässt. Durch den Frost betroffen wären dabei vor allem Freilanderdbeeren.
Drastischer wandel bei der Anbauform
Von den im vergangenen Jahr landesweit geernteten Erdbeeren sind knapp 42 Prozent unter so genannten hohen begehbaren Schutzabdeckungen gewachsen. Dazu zählen auch die Erdbeeren aus Gewächshäusern. Von 31.900 Tonnen stammen 18.600 vom Freiland, also vom offenen Feld. Im Vergleich zu 2015 ist dabei ein drastischer Wandel zu erkennen. Damals wurden noch knapp 89 Prozent aller Erdbeeren in Nordrhein-Westfalen auf dem freien Feld angebaut.
Die Nutzung von Folientunneln sowie Gewächshäusern steigt in den vergangenen Jahren stark an, da diese den Erntestart verfrühen können und die Erdbeeren vor der Witterung schützen.
Die Erdbeere ist die beliebteste Beere Deutschlands. In Nordrhein-Westfalen werden rund 40 verschiedene Sorten von etwa 350 Betrieben angebaut. Rund 70-80 Prozent der Erdbeeren werden dabei direkt in den Hofläden oder Verkaufsständen sowie über Selbstpflückerfelder verkauft.
Die Erdbeere gehört in der Landwirtschaft zu den Sonderkulturen. Diese sind arbeits- und kostenintensive Pflanzen und sind stark von den Bodeneigenschaften und klimatischen Bedingungen abhängig. Eine weitere bei uns verbreitete Sonderkultur ist der Spargel, dessen Erntezeit vor wenigen Wochen begonnen hat.
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