Minden-Lübbecke . Die Zahlen und Fakten aus Steuerschätzung, Prognosen zum Bruttoinlandsprodukt und zur Inflation, Verbraucherstimmung und IHK-Konjunkturumfrage stimmen sehr nachdenklich. Das geht aus dem aktuell von der Mindener Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen (IHK) herausgegebenen Lagebericht für den Kreis Minden-Lübbecke hervor. Deutliche Verbesserungen seien nur mit durchgreifenden und nachhaltigen Verbesserungen der Rahmenbedingungen möglich.

Die Steuerschätzung von Oktober gehe im Vergleich zur Mai-Steuerschätzung bundesweit insgesamt von einem geringeren Anstieg der Gewerbesteuereinnahmen für die Jahre 2025 bis 2029 aus. Diese Entwicklung konnte bereits bei den drei vorangegangenen halbjährlichen Steuerschätzungen festgestellt werden und habe sich jetzt fortgesetzt. Aktuell werde für 2025 gegenüber 2024 sogar mit einem Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen um 44 Millionen Euro gerechnet. Allerdings sei die Prognosesicherheit nur bedingt gegeben.

Karl-Ernst Hunting leitet die für die Region Minden-Lübbecke zuständige Zweigstelle der IHK Ostwestfalen. Foto: Alex Lehn/Mindener Tageblatt
Karl-Ernst Hunting leitet die für die Region Minden-Lübbecke zuständige Zweigstelle der IHK Ostwestfalen. Foto: Alex Lehn/Mindener Tageblatt

Die Gewerbesteuereinnahmen in den einzelnen Städten und Gemeinden können sich vollkommen unterschiedlich entwickeln. Für die Kommunen im Kreis Minden-Lübbecke seien zusätzliche Belastungen ihrer Haushalte durch eventuelle weitere jährliche Defizite der Mühlenkreiskliniken und durch die angestrebten Klinikneubauten in Espelkamp und in Bad Oeynhausen absehbar.

Die Schätzungen der von der IHK beobachteten Prognoseinstitutionen zum Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für das kommende Jahr 2026 liegen auf Bundesebene im Bereich zwischen +0,7 Prozent und +1,7 Prozent. Für das Jahr 2027 sehe es mit einer Bandbreite von +0,6 Prozent bis +1,8 Prozent nicht deutlich besser aus.

„Insgesamt gesehen ist die Wirtschaftslage kontinuierlich schlecht und besorgniserregend.“ Karl-Ernst Hunting

Bei der Inflation gehen die, von der IHK beobachteten, Prognoseinstitutionen für das Jahr 2026 von einer Inflation zwischen +1,5 Prozent und +2,2 Prozent aus. Für das Jahr 2027 bewegen sich die Inflationsprognosen zwischen +1,9 Prozent bis +2,6 Prozent.

Die Verbraucherstimmung verschlechtere sich aktuell nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) von Anfang November . Der HDE stelle unter Hinweis auf sein HDE-Konsumbarometer einen negativen Trend seit Sommer fest und sehe Andeutungen für ein möglicherweise kompliziertes Weihnachtsgeschäft.

„Insgesamt gesehen ist die Wirtschaftslage kontinuierlich schlecht und besorgniserregend,“ so Karl-Ernst Hunting, Leiter der IHK-Zweigstelle Minden. Die so sehr erhoffte Wende in Minden-Lübbecke bleibe weiterhin aus. Das zeigen die Wirtschaftsdaten aus den zurückliegenden Wochen und Monaten. Das zeige aber auch der Blick „in die Glaskugel“, also in die Zukunft, vermittelt durch die Prognosen der Unternehmen, die sie in der IHK-Konjunkturumfrage abgegeben haben.

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Die Wirtschaft befinde sich ständig in Umbau- und Entwicklungsprozessen. Das Tempo habe aktuell deutlich zugenommen. Es sei nicht absehbar, dass das Tempo abnehme. Erschwerend kommen die Rahmenbedingungen in Deutschland hinzu. Deshalb sei es nicht verwunderlich, dass bisher keine durchgreifende Verbesserung in der Wirtschaft im Mühlenkreis festzustellen ist. Es bestehe Ernüchterung und Enttäuschung. Optimismus und ein beginnender Aufschwung seien nicht erkennbar, wobei es in Teilbranchen der Wirtschaft durchaus anders aussehen könne.

Zu den Voraussetzungen für eine deutliche und nachhaltige Besserung zählen Re-formen und Maßnahmen der aktuellen Bundesregierung. Das wurde oft gesagt und belegt. Das sei jedoch bisher nicht in der erforderlichen Stärke und Breite von der Politik umgesetzt worden. Aktuell gebe es auch steigende Erwartung an die im Mühlenkreis neu und die wiedergewählten Bürgermeister und Kommunalparlamentarier.

„Zentral ist, dass die Unternehmen zur Finanzierung von Umbau und Entwicklung ausreichend Erträge erwirtschaften müssen und gleichzeitig deutlich verlässlicher in die Zukunft planen und sich Ziele setzen können,“ so Hunting.

Der aktuelle IHK-Lagebericht kann als pdf-Datei kostenfrei bei der IHK-Zweigstelle Minden unter Tel. 0571 38538-11 oder per E-Mail zweigstelle.minden@ostwestfalen.ihk.de angefordert werden.