Kreis Lippe. Wer als junger Mensch sein eigenes Unternehmen gründen oder als Jungunternehmer richtig durchstarten möchte, steht vor großen Herausforderungen: Ist die Geschäftsidee stimmig, passt die Finanzierung, wieso ist es so schwer, Kunden zu finden? Guter Rat ist gefragt.

Und der ist nicht teuer, sondern kostenlos. Unter dem Motto „Erfahrung ist Zukunft“ bietet der Lippische Senior-Experten-Service (LSES) Hilfe an. Ehemalige Unternehmer und Führungskräfte im Ruhestand nehmen Jungunternehmer unter ihre Fittiche und lotsen den Nachwuchs durch die „Tiefen“ der Gründungsphase. Ihre wichtigste Ressource: Lebenserfahrung.

Kostenlose Starthilfe für junge Unternehmer

Das LSES-Projekt der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lippe bündelt das enorme Potenzial an Fachwissen, Erfahrungen und Kontakten pensionierter Unternehmerinnen und Unternehmer und Führungskräften und stellt es für die kostenlose Beratung und das Coaching von Gründern und jungen Unternehmen zur Verfügung.

„Ich lege den Finger auch in die Wunde“ Lutz Diekjobst

Einer dieser „Manager im (Un)-Ruhestand“ ist Lutz Diekjobst. Der 63-Jährige ist seit rund drei Jahren ehrenamtlich als Senior-Experte tätig und hat schon einigen Jungunternehmern mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Er schaut von außen mit neutralem Blick auf Businesspläne und Geschäftsideen, gibt wertvolle Tipps und ermutigt die jungen Gründer. „Ich lege meinen Finger aber auch in die Wunde, wenn es sein muss“, sagt Lutz Diekjobst.

Ein besonders gelungenes Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist das Startup „ Wild.AF “, ein Wildzerlegebetrieb in Detmold. Diekjobst hatte die Brüder Paul und Theodor Sürmann bei der Gründung 2024 begleitet und beraten. „Eine spannende Geschichte, die sind jetzt auf einem guten Weg und wachsen extrem“, betont Diekjobst. Der „Job“ als Senior-Experte macht Lutz Diekjobst viel Spaß.

Erfahrung hilft auch bei schwierigen Entscheidungen

Es geht bei der Beratung nicht nur um nackte Zahlen, Daten und Finanzen, sondern auch um praktische oder strategische Abwägungen. Sollte man seinem aktuellen Arbeitgeber von möglichen Plänen, sich selbständig zu machen, berichten? Gerade wenn man vorhat, in derselben Branche tätig zu werden, kann Offenheit der richtige Weg sein: „Sprecht mit eurem Chef, sagt ihm was ihr vorhabt.“ Wenn man im Guten auseinander gehe, sich einig ist, könne man später vielleicht sogar mal kooperieren. „Man sieht sich mindestens zweimal im Leben“, sagt Diekjobst aus Erfahrung.

Berufs- und Lebenserfahrung hat er reichlich. Bereits mit vierzehneinhalb begann er seine Ausbildung zum Elektriker. Er hat im Handwerk gearbeitet, bei großen Unternehmen wie Weidmüller, war in der Werbebranche und in einem Getränkegroßhandel tätig. Und er hat auch „Unternehmer-Gene“. So war Diekjobst als Geschäftsführer eines Medizin-Großhandels in Bielefeld tätig und hat auch selbst eine erfolgreiche Firma auf diesem Gebiet gegründet.

Aus eigener Erfahrung: Auch Pausen gehören dazu

Doch der Erfolg und das rastlose, intensive Arbeitsleben hatten ihren Preis: 2020 bremste ihn sein eigener Körper abrupt: Darmerkrankung, Burnout und eine Depression zwangen den Workaholic zum Umdenken und Kürzertreten. Rückblickend ist auch das eine wertvolle Erfahrung, die er an junge Gründer weitergibt. Eine Firma aufzubauen, sei kräftezehrend. Gerade, wenn man sich am Anfang mit Vollgas reinhängt, sollte man sich auch Auszeiten gönnen. „Lasst euer Diensthandy im Urlaub zu Hause, seid mit dem Kopf nicht weiterhin nur bei der Arbeit. Sucht euch eine Vertretung, die eure Aufgaben in der Zeit erledigt und auf die ihr euch verlassen könnt“, appelliert Diekjobst.

LSES: Rund 25 Experten stehen Gründern zur Seite

Der LSES ist ein kostenloses Angebot der IHK Lippe, bei dem sich derzeit rund 25 ehrenamtliche Expertinnen und Experten engagieren. Sie kommen aus verschiedenen Bereichen und stehen für kaufmännische Fragen sowie für Ratschläge bzw. Empfehlungen als vertrauliche, neutrale Diskussionspartner zur Verfügung. Ihr Potenzial an Zeit, Beziehungen aus der aktiven Tätigkeit und vor allem die allgemeine Lebenserfahrung sind neben der Sachkenntnis das Grundkapital für eine erfolgreiche Beratung.

Der Erstkontakt läuft über die IHK , die für jeden Gründer den passenden Senior-Experten findet. „Unser Service bietet keine verbindliche Rechtsberatung oder kann eine umfassende Unternehmensberatung ersetzen“, betont Christina Flöter, Teamleiterin Gründung & Nachfolge bei der IHK Lippe. Auch bei Insolvenzen ist der LSES außen vor.

Auch die Dauer des Coachings ist unterschiedlich. Manchmal brauche jemand nur eine Ermunterung oder einen Rat, und es ist mit einem Treffen erledigt. Andere Gründer werden bis zu einem Jahr begleitet. Übrigens: Auch neue Senioren-Experten sind jederzeit herzlich willkommen. „Es ist wichtig, dass sich die Alten engagieren“, macht Lutz Diekjobst Werbung für das Ehrenamt: „Wer in Rente geht, nimmt sein Wissen mit. Das sollte aber nicht verloren gehen.“

Mehr zum Thema: Gründen in Lippe

Wer ein Unternehmen gründen möchte, findet in Lippe zahlreiche Anlaufstellen und Unterstützungsangebote. Auch aktuelle Entwicklungen bei Gründungen und Unternehmensnachfolge zeigen, vor welchen Herausforderungen junge Unternehmer stehen.

Gründungsberatung in OWL
Wo Gründer in der Region Unterstützung bei Businessplan, Finanzierung und Geschäftsmodell finden.
Starthilfe für Gründer
Das Gründungsnetzwerk Lippe bündelt regionale Partner und begleitet Gründer auf dem Weg von der Geschäftsidee zum Unternehmen.
Gründungen in Lippe
Wie sich die Zahl der Unternehmensgründungen entwickelt und welche Branchen besonders aktiv sind.

Anmeldung zum Newsletter

Alle zwei Wochen die wichtigsten Themen aus Wirtschaft, Handel und Handwerk in Ostwestfalen-Lippe – kompakt zusammengefasst und direkt in Ihr Postfach.

Verpassen Sie keine Entwicklung mehr: Von neuen Unternehmensmeldungen über Branchentrends bis hin zu wichtigen Terminen aus der Region – mmm-owl hält Sie auf dem Laufenden.

Jetzt anmelden und alle zwei Wochen gut informiert sein.