Kirchdorf . „Als ich hier anfing, arbeiteten in Kirchdorf etwas weniger als 90 Kolleginnen und Kollegen. Heute leite ich ein Team mit 70 Mitarbeitenden allein in meiner Abteilung“, verdeutlicht Reuschel, der als Abteilungsleiter Warenausgang alle Warenströme im Blick behält.

Und das sind viele: Immerhin beliefert Diesel Technic mit seinen sechs internationalen Tochterunternehmen Kunden in mehr als 150 Ländern. Über diese Vertriebspartner können die Werkstätten dann Teile aus dem mehr als 50.000 Artikel umfassenden Diesel-Technic-Sortiment beziehen.

Der Karriereweg, den Reuschel hingelegt hat, ist erstaunlich. Der Mann, der kürzlich sein 20-jähriges Jubiläum bei Diesel Technic feierte, wuchs mit dem Unternehmen mit und damit auch sein Aufgabenbereich.

An die Anfänge erinnert er sich noch ganz genau: „Ich habe hier als Schüler mein Taschengeld verdient. Da bestand der Standort lediglich aus mehreren kleinen Gebäuden. In einem ist heute der Showroom untergebracht. Nach der Mittleren Reife stand ich vor der Entscheidung, welche Ausbildung ich absolvieren möchte.“ Es wurde die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik bei dem Familienunternehmen, in der er seine Leidenschaft für Logistik entdeckte, wie er beim Gang durch den großen Warenausgangsbereich erzählt.

Michael Reuschel erlebt das Wachstum bei Diesel Technic hautnah mit

Und der hat sich in den zurückliegenden Jahren stetig verändert. Reuschel hat diese Veränderungen hautnah miterlebt und unterstreicht das mit Zahlen. Im Jahr 2007 waren die Regale im Palettenlager noch acht Meter hoch, 2012 entstand das Hochregallager mit höher als 14 Meter hohen Regalen, mittlerweile sind es mehr als 15 Meter.

Und damit der Gast auch einen Eindruck von der Höhe bekommt, darf der auch einmal in einem Hochregalstapler mitfahren und sich von der Präzision überzeugen, mit der die Paletten aus dieser luftigen Höhe für die weiteren Abläufe im Warenausgang aus dem Regal herausgeholt werden. „An die Höhe gewöhnt man sich ganz schnell“, sagt der Mitarbeiter des Warenausgangs, der vor ein paar Jahren sozusagen „am Boden“ angefangen hat. „Die Hochregalstapler haben mich aber irgendwie fasziniert. Und Diesel Technic hat es möglich gemacht, dass ich so ein großes Gerät nun schon seit einigen Jahren steuern darf.“

Der Hauptsitz von Diesel Technic in Kirchdorf: Das Luftbild verdeutlicht die Größe und das Wachstum des Unternehmens. Keimzelle des Wachstums ist der kleine Backsteinbau. Seit den Anfängen wurde der Standort kontinuierlich ausgebaut. Foto: Diesel Technic
Der Hauptsitz von Diesel Technic in Kirchdorf: Das Luftbild verdeutlicht die Größe und das Wachstum des Unternehmens. Keimzelle des Wachstums ist der kleine Backsteinbau. Seit den Anfängen wurde der Standort kontinuierlich ausgebaut. Foto: Diesel Technic

Dafür, dass so viele Kunden weltweit darauf vertrauen, dass die mehr als 50.000 Artikel aus dem Sortiment schnellstmöglich ausgeliefert werden, um so Stillstandzeiten der Fahrzeuge rund um den Globus zu minimieren, geht es in den Logistikhallen für den Laien überraschend ruhig zu. Möglich macht das modernste, IT-gestützte Lagerverwaltung samt teilweise vollautomatisierter Lagersysteme mit Shuttle-Technologie. Ihre Einführung markierte am Hauptstandort in Kirchdorf den jüngsten Meilenstein der optimierten Ersatzteilversorgung.

Wichtige Rädchen in diesem reibungslosen Just-in-time-Geschäft sind auch Tick, Trick und Track – die fahrerlosen Transportsysteme (FTS). „Selbst die FTS haben bei uns Namen“, sagt Reuschel lachend über die Transportfahrzeuge, die wie von Zauberhand über die Gänge und zwischen den Hochregalen navigieren. In diesem launigen Satz lebt aber auch ein Stück Unternehmensphilosophie: „Diesel Technic ist ein Stück Familie“, so Reuschel.

„Meine Geschichte steht für gelebte Chancengleichheit und zeigt, dass man vieles erreichen und schaffen kann, ganz gleich, wo man startet.“ Michael Reuschel

Namen haben die Transportboxen des Shuttle-Lagers noch nicht – dafür sind es wahrscheinlich einfach zu viele und arbeiten mehr oder weniger anonym und zuverlässig vor sich hin – quasi in einer Blackbox. Was man mitbekommt, sind dann und wann mal leise Klack-Geräusche und ein unablässiges Summen. In diesem viergassigen circa 17,5 Meter hohen automatischen Kleinteilelager (AKL) lagern über 60.000 Behälter, die mehr als 12.000 verschiedene Artikel beinhalten. Die 222 Shuttle-Fahrzeuge sorgen für eine hohe Zahl von Ein- und Auslagerungsvorgängen in kurzer Zeit – eine schnellere Auftragsbearbeitung und Lieferzeit kann so gewährleistet werden.

Digitalisierung und Automatisierung zum Trotz – an manchen Stellen ist noch Handarbeit gefragt. Aber auch die hat sich in den zurückliegenden zweieinhalb Jahrzehnten nachhaltig verändert. „In diesem Bereich haben wir ganz stark in schonende Arbeitsabläufe investiert“, verdeutlicht Reuschel. Der hohe Takt, in dem aus Kirchdorf die Ersatzteilhändler und die sechs internationalen Standorte mit Waren versorgt werden, soll möglichst schonend für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen sein. „Außerdem haben wir ein Zeitsystem eingeführt, das für die Kolleginnen und Kollegen in der Spätschicht auf das Jahr gesehen zu 13 zusätzlichen freien Tagen führt“, erklärt Reuschel.

Und das zusätzlich zu den ohnehin fest im Unternehmen verankerten 30 Urlaubstagen. Wie viele mittelständische Familienunternehmen weiß man auch bei Diesel Technic, dass die Mitarbeitenden das wichtigste Kapital sind. Trotz oder eben wegen des rasanten technologischen Fortschritts und des internationalen Wettbewerbs. Diese Benefits sollen nicht nur dazu führen, Mitarbeitende im Unternehmen zu halten, sondern auch neue für sich zu gewinnen.

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„Wir wachsen ständig und deshalb brauchen wir Personal“, unterstreicht Reuschel, der während des Rundgangs stets mit einem zufriedenen Lächeln über seine Arbeit und das Unternehmen spricht und die Leidenschaft für seinen Job authentisch vermittelt. In dieser Leidenschaft erkennt Reuschel ohnehin die Triebfeder seines bemerkenswerten Karrierewegs. „Ich finde es ehrlich gesagt sehr schade, dass viele Unternehmen den jungen Menschen den Eindruck vermitteln, dass man nur mit einem abgeschlossenen Studium Karriere machen kann“, ist der 38-Jährige glücklich darüber, dass es bei Diesel Technic eben anders ist.

„Wer den entsprechenden Einsatz zeigt und Ambitionen besitzt, der wird hier gefördert“, weiß der Abteilungsleiter aus eigener Erfahrung. Denn 2010, die Ausbildung hatte er mehr oder weniger gerade erst erfolgreich abgeschlossen, stieg Reuschel in den Flieger nach Dubai und verantwortete dort die Logistik des zweitgrößten Standorts der Unternehmensgruppe.

Mit der Erweiterung des Unternehmensstandortes in Dubai schuf Diesel Technic aus Kirchdorf in den Emiraten Raum für weiteres Wachstum in Nahen Osten. Von dort bedient der Automotive-Spezialist den Nahen Osten, Südasien und Afrika. An dem Standort arbeitete Michael Reuschel viele Jahre lang und setzte dort wichtige Projekte um. Foto: Diesel Technic SE
Mit der Erweiterung des Unternehmensstandortes in Dubai schuf Diesel Technic aus Kirchdorf in den Emiraten Raum für weiteres Wachstum in Nahen Osten. Von dort bedient der Automotive-Spezialist den Nahen Osten, Südasien und Afrika. An dem Standort arbeitete Michael Reuschel viele Jahre lang und setzte dort wichtige Projekte um. Foto: Diesel Technic SE

„Mit nur 23 Jahren in einer fremden Kultur ein Team mit bis zu 100 Mitarbeitenden zu leiten – das war schon eine enorme Herausforderung“, blickt Reuschel auf die erste Zeit in Dubai zurück. „Ich musste mir alles hart erarbeiten. Vor allem, weil ich zwar in Deutschland einige vorbereitende Englischkurse absolviert habe, aber der Stand nur knapp oberhalb des Schulenglisch war.“

Englisch sprach er schnell perfekt und so wurden aus den herausfordernden ersten Monaten stolze sechseinhalb Jahre in Dubai. In dieser ersten Zeit verantwortete er als Head of Logistics die erste große Erweiterung des Standorts – von der Planung, über das Genehmigungsverfahren bis zur Überwachung des Baufortschritts. Nach der Rückkehr nach Deutschland zog es ihn wenige Jahre später wieder nach Dubai – dieses Mal für fünf Jahre gemeinsam mit seiner Ehefrau und wieder unter anderem mit dem Auftrag, die nächste Standorterweiterung zu verantworten.

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„Am Standort in Dubai sprechen wir inzwischen von einem Hochregallager mit Regalhöhen von mehr als 17 Metern und mehr als 31.000 Palettenstellplätzen“, beschreibt Reuschel, der mehrere wichtige internationale Logistik-Projekte koordinierte, beispielsweise die Standortverlagerung innerhalb Spaniens oder eben die vielen beschriebenen Einführungen der Automatisierungen der Intralogistik. Seine persönliche Geschichte stehe für gelebte Chancengleichheit, empfindet Reuschel und zeige, „dass man vieles erreichen und schaffen kann, ganz gleich, wo man startet“.