Detmold. Ob in Windenergieanlagen, Produktionsstraßen, Bahntechnik oder smarten Gebäuden – die Produkte und Lösungen von Weidmüller sorgen überall für zuverlässige Verbindungen. Sie ermöglichen die reibungslose Übertragung von Energie, Signalen und Daten in verschiedensten Industrien und sind essenziell für eine vernetzte und automatisierte Welt. In diesem Jahr feiert das Elektro- und Verbindungstechnikunternehmen sein 175-jähriges Firmenjubiläum.

Als Carl August Weidmüller 1850 ein Textilunternehmen in Reichenbrand bei Chemnitz gründete, waren Schaltschränke, wie man sie heute kennt, noch längst nicht erfunden. Und doch war die Verbindungstechnik schon damals ein wichtiges Thema für Weidmüller. Nur eben nicht auf die elektrische, sondern auf eine modisch-analoge Art.

Am Anfang war alles Knopfsache!

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts – inzwischen führten die Söhne von Carl August das Unternehmen – revolutionierte Weidmüller mit einem selbst entwickelten Druckknopfsystem die Welt der Knöpfe. Es war auf diesem Gebiet ein völlig neu gedachtes Konzept von Verbindungen.

Eine frühe Weidmüller-Innovation: Diese Darstellung stammt aus einem Druckknopfsystem-Patent, das Weidmüller im Jahre 1900 angemeldet hat. Foto: Weidmüller
Eine frühe Weidmüller-Innovation: Diese Darstellung stammt aus einem Druckknopfsystem-Patent, das Weidmüller im Jahre 1900 angemeldet hat. Foto: Weidmüller

Schon hier zeigte sich der Pioniergeist, der das Unternehmen bis heute prägt. Sogar in den USA wurde das System schließlich patentiert.

Man erkennt: Von Beginn an dreht es sich bei Weidmüller um stabile, innovative Verbindungen – und so scheint die Parallele zwischen Textilhersteller und Lösungsanbieter für elektrische Verbindungstechnik zumindest metaphorisch schnell herleitbar. Alles Knopfsache eben.

Schon kurz nach dem Neustart in Detmold wird fleißig gebaut: Hier entsteht ein neues Bürogebäude im Jahr 1954. Foto: Weidmüller
Schon kurz nach dem Neustart in Detmold wird fleißig gebaut: Hier entsteht ein neues Bürogebäude im Jahr 1954. Foto: Weidmüller

Neustart: Vom Knopf zur Klemme

Zwar bot die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts dem Textilunternehmen Weidmüller noch reichlich Raum für Druckknopf-Innovationen. Doch nach den Katastrophen zweier Weltkriege gab es für Weidmüller dann wieder den richtigen Nährboden für Bahnbrechendes.

Gottfried Gläsel, seit 1937 alleiniger Inhaber der Firma, und der Entwicklungsingenieur Wilhelm Staffel fanden schließlich zueinander – und starteten mit einer Pionier-Idee in ein völlig neues Kapitel von Weidmüller: Aus dem Textilunternehmen wurde ein Entwickler von elektrischer Verbindungstechnik.

Eine Weltneuheit schafft den nötigen „Rückenwind“

Mit der ersten kunststoffisolierten Anreihklemme brachte das nun in Detmold ansässige Unternehmen im Jahr 1948 eine Weltneuheit auf den Markt, die insbesondere für deutlich mehr Robustheit im Schaltschrank sorgte. Schließlich waren Reihenklemmen damals normalerweise noch aus äußerst bruchanfälligem Porzellan konstruiert.

Weidmüller hat im Jahr 1948 die erste kunststoffisolierte Reihenklemme entwickelt – auf dieser Grundlage folgten Anfang der 1950er-Jahre die Reihenklemmenserie SAK (Schaltanlagen-Anreih-Klemmen). Foto: Weidmüller
Weidmüller hat im Jahr 1948 die erste kunststoffisolierte Reihenklemme entwickelt – auf dieser Grundlage folgten Anfang der 1950er-Jahre die Reihenklemmenserie SAK (Schaltanlagen-Anreih-Klemmen). Foto: Weidmüller

Mit dieser technischen Revolution im Rücken wuchs das Weidmüller-Portfolio der elektrischen Verbindungstechnik schnell an. Und das Timing hätte kaum besser sein können, denn der große wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland ging Hand in Hand mit der Nachfrage nach den neuartigen Weidmüller-Produkten. Der Markt stand offen – und wurde mit immer größeren Schritten erschlossen.

Der Weltmarkt wird erobert

Ab Ende der 50er-Jahre expandiert das Unternehmen zunächst erst in Europa, ab den 70er-Jahren auch weltweit. Im Jahr 1976 erblickte dann die stripax® das Licht der Schaltschrankwelt. Das Abisolierwerkzeug vereinfachte Verdrahtungsprozesse enorm – und ist auch heute noch ein geliebter Klassiker im Weidmüller-Produktportfolio.

Ein echter Weidmüller-Klassiker seit 1976: Das Abisolierwerkzeug STRIPAX. Foto: Weidmüller
Ein echter Weidmüller-Klassiker seit 1976: Das Abisolierwerkzeug STRIPAX. Foto: Weidmüller

Nur zwei Jahre später baut Weidmüller die ersten elektronischen Elemente in Reihenklemmen ein – eine ganz neue Generation der elektrischen Verbindungstechnik war geboren.

2005 gab es dann eine Revolution in Sachen Anschlusstechnik: Die P-Reihenklemmen mit PUSH IN-Technologie machten den Schaltschrankbau noch schneller. Eine Innovation, die Weidmüller 2021 noch selbst übertraf: Dank der „SNAP IN-Anschlusstechnologie“ können mittlerweile Verdrahtungsprozesse sogar automatisiert von Robotern durchgeführt werden.

Eine der neuesten Weidmüller-Innovationen: 2021 präsentierte das Unternehmen die SNAP IN-Anschlusstechnologie, mit der unter anderem automatisierte Verdrahtungsprozesse möglich sind. Foto: Weidmüller
Eine der neuesten Weidmüller-Innovationen: 2021 präsentierte das Unternehmen die SNAP IN-Anschlusstechnologie, mit der unter anderem automatisierte Verdrahtungsprozesse möglich sind. Foto: Weidmüller

Vom Spezialisten zum Global Player

In Detmold zog das Unternehmen zunächst 1975 an die Klingenbergstraße, wo 2019 auch das Kunden- und Technologiecenter nach knapp zwei Jahren Bauzeit eröffnet wurde. Anfang 2025 wurde in der Ohmstraße zudem ein neues Elektronikwerk in Betrieb genommen.

Neben weiteren Standorten in Deutschland, etwa in Paderborn oder dem thüringischen Wutha-Farnroda, gründete die Firma schon 1959 in England eine Vertriebsgesellschaft.

Es folgten Standorte in Österreich, Frankreich und Italien. In den 1970er- und 1980er-Jahren kamen unter anderem Australien, die USA, Kanada, Brasilien, Japan, Singapur und Spanien dazu. Mit der Zeit folgten auch Vertretungen in der Schweiz, Tschechien, Ungarn, Portugal, Belgien und vielen weiteren Ländern.

Aktuell ist Weidmüller in über 80 Ländern vertreten und hat sich zum Global Player seiner Branche entwickelt. Mit seinen zukunftsweisenden Lösungen ist Weidmüller Mitgestalter der Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung.

Das Familienunternehmen zählt aktuell rund 5.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftet mit über 45.000 Produkten einen derzeitigen Jahresumsatz von knapp einer Milliarde Euro.

Lebenslanges Lernen seit Jahrzehnten

Die Grundlage für jeden nachhaltigen Unternehmenserfolg sind die Menschen, die in dem Unternehmen tätig sind. Die Ausbildung eigener Fachkräfte ist deshalb seit jeher ein wesentlicher Kern der Weidmüller-Philosophie.

Bereits 1952, mitten in der Neuausrichtung der Firma zum Unternehmen der elektrischen Verbindungstechnik, begann der erste Auszubildende bei Weidmüller. Der Werkzeugmacher markierte damals den Startpunkt für eine stetig wachsende Zahl neuer Azubis in dem Familienunternehmen.

Weidmüller-Azubis in den 1970er-Jahren. Das Thema Ausbildung begann bei Weidmüller allerdings schon weitaus früher: Bereits im Jahr 1952 startete der erste Azubi im Unternehmen. Foto: Weidmüller
Weidmüller-Azubis in den 1970er-Jahren. Das Thema Ausbildung begann bei Weidmüller allerdings schon weitaus früher: Bereits im Jahr 1952 startete der erste Azubi im Unternehmen. Foto: Weidmüller

Es folgten Jahrzehnte des Ausbaus: 1987 wurde der Schulungspavillon in Detmold eröffnet, 2003 folgte die Gründung der Weidmüller-Akademie.

Heute ist sie Teil des sogenannten Bildungsdorfes an der Klingenbergstraße in Detmold, wo sich auch die von der Peter-Gläsel-Stiftung getragene Kita Pöppenteich und die Peter-Gläsel-Grundschule befinden.

Ein Pendant zur Weidmüller-Akademie in Detmold wurde übrigens mit der Academy Asia im Oktober 2011 in Shanghai eröffnet. Allein an den deutschen Standorten arbeiten heute über 200 Auszubildende und Dual Studierende.

Ein besonderes Jubiläumsjahr

Sein Jubiläumsjahr 2025 feiert das Familienunternehmen mit einem spannenden Programm: spezielle Workshops, besondere Events und einmalige Ereignisse wie die offizielle Eröffnung des neuen, hochmodernen Elektronikwerks in der Ohmstraße in Detmold, stehen auf der Agenda.

Weidmüller ist heute in über 80 Ländern mit Produktions- und Vertriebsgesellschaften mit insgesamt rund 5.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertreten. Foto: Weidmüller
Weidmüller ist heute in über 80 Ländern mit Produktions- und Vertriebsgesellschaften mit insgesamt rund 5.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertreten. Foto: Weidmüller

Auch in den weltweiten Gruppenunternehmen wird das große Jubiläumsjahr mit Aktionen und Veranstaltungen begleitet. Einige internationale Weidmüller-Standorte feiern über das 175. Jubiläum hinaus noch eigene Jubiläen. Beispielsweise blicken die Gruppenunternehmen in den USA und Kanada in diesem Jahr auf ihr 50-jähriges Bestehen zurück.

Aus 175 Jahren Erfahrung schöpfend, setzt die Weidmüller-Gruppe weiter auf Fortschritt und blickt mit Zuversicht in die Zukunft.