Kreis Lippe. In den 106 lippischen Betrieben des verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten wurde im ersten Quartal dieses Jahres ein Umsatz von insgesamt rund 1,95 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das entspricht einem Plus von 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (NRW -3,1 Prozent). In den betrachteten lippischen Industrie-Unternehmen arbeiteten rund 26.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, 7,4 Prozent weniger als im selben Vorjahreszeitraum (NRW: -3,4 Prozent). Das zeigt eine Auswertung der Daten des Statistischen Landesamtes (IT.NRW) durch die Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe).

„Die Industrie steht in weiten Teilen unter enormem Druck – sowohl im Binnenmarkt als auch im Export“, kommentiert Timm Lönneker, Referent der IHK Lippe, die aktuellen Zahlen. „Billigimporte aus China und Zölle in den USA sind für sich genommen bereits starke Belastungen für die Industrie. Im internationalen Vergleich verteuern hohe Arbeits- und Energiekosten die Produktion“, so Lönneker. Seit Ende Februar verschärfe die Irankrise die Situation zusätzlich. Dessen Auswirkungen spiegelten die Quartalszahlen allerdings nur teilweise wider.

IHK fordert Senkung der Standortkosten

„Im Ergebnis sinken die Margen der Unternehmen, Produktionen werden stillgelegt oder verlagert und Investitionen finden nicht in Deutschland statt“, resümiert der Konjunkturexperte der IHK Lippe. „Die Wirtschaft brauche jetzt schnelle und wirksame Wachstumsimpulse. „Standortkosten runter, Geschwindigkeit rauf“ müsse die Devise sein.

Licht und Schatten

In den Branchen der lippischen Industrie gibt es Licht und Schatten: Die Kunststoffverarbeitung belastet weiterhin die geringe Nachfrage in den deutschen Kernbranchen Automobil und Bau. In der zweitgrößten Branche in Lippe ergab sich im ersten Quartal 2026 eine Stagnation beim Umsatz (0,0 Prozent; NRW: +2,1 Prozent).  

Der Maschinenbau in Lippe verbuchte in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres Umsatzeinbußen in Höhe von 9,4 Prozent (NRW: -4,7 Prozent). Die Branche ist stark abhängig vom Export, der um knapp 20 Prozent stark rückläufig ausfiel.

Unter Druck steht auch die chemische Industrie im Kreis: Der Umsatz sank um 3,0 Prozent (NRW: -10,7 Prozent). Der schlecht laufende Export (-6,6 Prozent) sorgte auch hier für einen Stimmungsdämpfer.

Die Hersteller von Metallerzeugnissen in Lippe büßten 8,0 Prozent (NRW: -5,1 Prozent) an Umsatz ein. Sowohl die schlechte Entwicklung im Ausland (-9,6 Prozent) als auch im Inland (-7,3 Prozent) belasten die Branche stark.

In den ersten drei Monaten des Jahres musste auch die lippische Möbelindustrie mit -20 Prozent (NRW: +1,4 Prozent) ein erneutes, deutliches Umsatzminus hinnehmen.

Elektro- und Elektronikindustrie als Lichtblick

Als Lichtblick bezeichnet der Konjunktur-Referent hingegen die Entwicklung in der stark exportorientierten Elektro- und Elektronikindustrie: Die größte Einzelbranche in Lippe fährt im ersten Quartal ein Umsatzplus in Höhe von 8,0 Prozent ein (NRW: -1,1 Prozent). Das Ausland (+13,5 Prozent) trage die positive Entwicklung, während der Umsatz in Deutschland mit 3,8 Prozent ebenfalls rückläufig sei, so Lönneker.

Die Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln konnten ein hohes Umsatzwachstum von 26 Prozent verzeichnen. Die Branche profitiert vor allem von gestiegenen Preisen sowie Verschiebungen im Konsumverhalten.

Anmeldung zum Newsletter

Alle zwei Wochen die wichtigsten Themen aus Wirtschaft, Handel und Handwerk in Ostwestfalen-Lippe – kompakt zusammengefasst und direkt in Ihr Postfach.

Verpassen Sie keine Entwicklung mehr: Von neuen Unternehmensmeldungen über Branchentrends bis hin zu wichtigen Terminen aus der Region – mmm-owl hält Sie auf dem Laufenden.

Jetzt anmelden und alle zwei Wochen gut informiert sein.