Minden-Lübbecke. Die Wirtschaft im Kreis Minden-Lübbecke kommt weiterhin nicht in Schwung. Das zeigt die Herbstkonjunkturumfrage 2026 der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK). Gegenüber der Frühjahrsumfrage hat sich die wirtschaftliche Stimmung deutlich verschlechtert. Das betrifft alle drei Wirtschaftsbereiche: Industrie, Handel und Dienstleistungen.

Die Ergebnisse stellten Vertreter der IHK am 19. Oktober bei zwei Terminen im Kreis vor. Bei der DANNEMANN Germany GmbH in Lübbecke präsentierten IHK-Vollversammlungsmitglied Eckhard Rüter und IHK-Vollversammlungsmitglied Kathrin Depenbrock gemeinsam mit Karl-Ernst Hunting, Leiter der IHK-Zweigstelle Minden, die Ergebnisse.

Im Gründungszentrum StartMIndenUp in Minden übernahmen diese Aufgabe IHK-Vizepräsidentin Daniela Drabert, IHK-Vollversammlungsmitglied Elisa Kemper und Hunting. An der Umfrage beteiligten sich im Mühlenkreis 232 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung mit insgesamt knapp 20.000 Beschäftigten.

Konjunkturklimaindikator sinkt auf 92 Punkte

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die Geschäftslage und die Geschäftserwartungen zusammenfasst, ist gegenüber der Frühjahrsumfrage von 101 auf 92 Punkte gesunken. Die 100er-Linie steht für eine ausgeglichene Stimmung, bei der sich Optimisten und Pessimisten die Waage halten.

Als wesentliche Belastungsfaktoren nennen die Unternehmen die Energiepreise, die Arbeitskosten, die Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen . Aus Sicht der IHK sind deshalb politische Reformen notwendig.

Neben der Bundespolitik sehen die Vertreter der Kammer auch die Kommunen im Kreis Minden-Lübbecke und die Kreisverwaltung in der Verantwortung . Einflussmöglichkeiten bestehen beispielsweise über die Höhe der Kreisumlage sowie die Hebesätze für Gewerbesteuer und Grundsteuer B. Eckhard Rüter machte bei der Vorstellung in Lübbecke deutlich: „Es sind dringend wirksame und nachhaltige Reformen notwendig.“

Unternehmen halten sich bei Investitionen zurück

Mit Sorge betrachtet die IHK die Entwicklung der geplanten Inlandsinvestitionen. Die Unternehmen kündigen an, ihre Investitionen künftig zurückzufahren. Dabei verschiebt sich deren Zusammensetzung: Ein hoher und weiter steigender Anteil entfällt auf Ersatzbeschaffungen. Gleichzeitig gehen die Investitionen in Innovationen zurück. Auch die Ausweitung von Kapazitäten spielt nur noch eine geringe Rolle.

Für die Vorbereitung eines wirtschaftlichen Aufschwungs wäre aus Sicht der IHK eine andere Verteilung der Investitionen erforderlich. Die Unternehmen müssten wieder stärker in Innovationen und zusätzliche Kapazitäten investieren, statt sich überwiegend auf den Ersatz vorhandener Anlagen und Betriebsmittel zu beschränken.

Schlechte Ertragserwartungen in allen Wirtschaftsbereichen

Auch bei den Ertragserwartungen zeichnet die Umfrage ein ernüchterndes Bild. In allen drei Wirtschaftssektoren rechnen die Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten mit einer deutlichen Verschlechterung.

Im Handel erwarten sieben Prozent der Unternehmen steigende Erträge, 44 Prozent rechnen mit sinkenden und 49 Prozent mit gleichbleibenden Erträgen. Bei den Dienstleistern prognostizieren zwölf Prozent steigende, 34 Prozent fallende und 54 Prozent gleichbleibende Erträge.

In der Industrie gehen 16 Prozent der Betriebe von steigenden Erträgen aus. 47 Prozent erwarten keine Veränderung, während 37 Prozent mit einem Rückgang rechnen. Kathrin Depenbrock fasste die wirtschaftlichen Auswirkungen der Entwicklung zusammen: „Schlechte Ertragsaussichten sind leider keine gute Voraussetzung für Innovationen und Investitionen.“

Die IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2026 zeigt: Die Wirtschaft in Minden-Lübbecke schwächelt. Unternehmen erwarten sinkende Erträge und weniger Investitionen. Grafik: IHK-Konjunkturumfrage Minden-Lübbecke
Die IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2026 zeigt: Die Wirtschaft in Minden-Lübbecke schwächelt. Unternehmen erwarten sinkende Erträge und weniger Investitionen. Grafik: IHK-Konjunkturumfrage Minden-Lübbecke

Kaum Impulse bei der Beschäftigung erwartet

Auch bei der Beschäftigtenentwicklung rechnen die Unternehmen im Kreis Minden-Lübbecke in den kommenden zwölf Monaten mit wenig Bewegung. Insgesamt sind kaum zusätzliche Beschäftigungsimpulse zu erwarten. Die IHK hofft daher, dass die Betriebe ihre derzeitigen Beschäftigtenzahlen zumindest weitgehend halten können.

Gleichzeitig bleibt der Bedarf an bestimmten Qualifikationen bestehen. Der Fachkräftemangel dürfte die Unternehmen deshalb weiterhin beschäftigen , auch wenn die konjunkturelle Entwicklung insgesamt schwach bleibt.

Um vorhandenes Personal besser einsetzen und neue Beschäftigte einstellen zu können, wünschen sich die Unternehmen zudem bessere arbeitsmarktpolitische Rahmenbedingungen. Besonders häufig genannt werden eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge, weniger gesetzliche Vorgaben bei den Arbeitszeiten und eine Flexibilisierung des Kündigungsschutzes.

Sozialversicherungsbeiträge zu hoch

Die Umfrage zeigt dabei eine klare Prioritätensetzung: 64,8 Prozent der Unternehmen halten niedrigere Sozialversicherungsbeiträge für hilfreich. 47,6 Prozent sprechen sich für weniger gesetzliche Vorgaben bei Arbeitszeiten aus. Eine Flexibilisierung des Kündigungsschutzes befürworten 36,2 Prozent.

Weitere 31,4 Prozent sehen Verbesserungsbedarf bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, beispielsweise durch einen Ausbau der Kinderbetreuung. 21,9 Prozent wünschen sich bessere Anreize zur Aufnahme oder Ausweitung von Beschäftigung. Eine Ausweitung der Möglichkeiten befristeter Beschäftigung nennen 16,2 Prozent. 12,4 Prozent halten eine Erleichterung der Arbeits- und Fachkräfteeinwanderung aus dem Ausland für hilfreich.

Die Ergebnisse der Herbstkonjunkturumfrage machen damit deutlich: Die Unternehmen im Kreis Minden-Lübbecke stehen nicht nur vor einer schwachen wirtschaftlichen Entwicklung. Sinkende Ertragserwartungen, zurückhaltende Investitionen und schwierige Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt erschweren zugleich die Aussichten auf eine konjunkturelle Erholung.

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