Preußisch Oldendorf. Der Milch auf der Spur: Bei Kuh und Kalb gab es Landwirtschaft zum Anfassen – verbunden mit einem Blick auf die Lage der heimischen Milchkuhhalter. Anlässlich des Weltmilchtages erkundeten 40 Kinder des Kindergartens „Baum des Lebens“ aus Preußisch Oldendorf, am Donnerstag, 28. Mai den Hof der Familie Nunnenkamp.

Kuh und Kalb waren die Hauptdarsteller bei der Besichtigung auf dem Hof Nunnenkamp in Pr. Oldendorf Schröttinghausen. Die Kinder konnten die Tiere aus nächster Nähe erleben, sehen, was die Kühe fressen und wie eine Kuh mit einem Melkroboter gemolken wird.

Natürlich waren die Kälber die Stars für die Kinder. Vorsichtig nähern sie sich einander – nur mal kurz beschnuppern. Schnell über die Nase streicheln, und da ist sie, die Zunge des Kälbchens – an den Fingern von Dietrich Nunnenkamp und saugt munter drauf los. Erstaunt und vor allem freudig überrascht sehen die Kinder, wie das Kälbchen an den Fingern des jungen Landwirts nuckelt.

„Wenn der Lebensmittel-Einzelhandel weiter auf desaströses Preisdumping setzt, droht die regionale Milcherzeugung noch weiter zurückzugehen.“ Heinrich Nunnenkamp

Die Kinder streicheln denn auch die Kälber und einige Mutige tun es dem Landwirt nach und lassen ein Kälbchen an ihren Fingern nuckeln. Die kleinen Besucher sind ebenso von der Länge einer Kuhzunge beeindruckt. Die kleinen Gäste sehen diese, als eine Kuh über ihr Maul und ihre Nase leckt. Dass man das unbedingt mal ausprobieren muss, darüber sind sich alle einig. Und so stehen die Kinder vor den neugierig schauenden Kühen und versuchen sich die Nase abzuschlecken.

Der Hofbesuch fand anlässlich des Internationalen Tags der Milch statt, der am 1. Juni begangen wird. „Unser Anliegen ist es, die heimische Landwirtschaft vor Ort erlebbar zu machen und Einblicke zu geben, wie Kuh und Kalb leben“, erläutert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke Joachim Schmedt. Denn „gerade heute haben viele Kinder kaum noch einen Bezug zur Landwirtschaft“, führt Schmedt weiter aus. Deshalb sei es umso wichtiger, ihnen zu zeigen, wo die Milch herkommt und wie Kuh und Kalb leben.

Wie steht es um die heimischen Milchkuhhalter?

Beim anschließenden Pressegespräch stand die Lage der Milchkuhhalter im Mühlenkreis im Mittelpunkt. „Wir hoffen, dass die Talsohle bei den Milchpreisen durchschritten ist“, so Kreisverbandsvorsitzender Schmedt. Die Milchkuhhalter konnten nach langen Durststrecken rund zwei Jahre mit guten Milchpreisen verzeichnen. Diese seien aber auch dringend erforderlich gewesen, um die Löcher zu stopfen und beispielsweise gestiegene Kosten, aufzufangen. Dann sei der Milchpreis aber ab Mitte 2025 die Lage wieder gesunken. Schmedt macht deutlich, dass die Bauernfamilien einen angemessenen Milchpreis bräuchten, um die hohen Kosten für Energie, Betriebsmittel und Personal und die hohe Arbeitsbelastung überhaupt stemmen zu können.

Bauern-Funktionär sieht bedrohliche Marktmacht der großen Lebensmittelhändler

Zusätzlich verschärfe die große Marktmacht des Handels die Lage. Hier warnen Schmedt und die Familie Nunnenkamp: „Wenn der Lebensmittel-Einzelhandel weiter auf desaströses Preisdumping setzt, droht die regionale Milcherzeugung noch weiter zurückzugehen.“ Schmedt betont: „Die hiesige Erzeugung sei schon heute rückläufig und sinke langfristig. Ein Sondergutachten der Monopolkommission zur Lebensmittellieferkette hatte jüngst bestätigt, dass die hohe Konzentration der Marktmacht des Lebensmittel-Einzelhandels mit lediglich vier großen Handelsunternehmen einen dominanten Einfluss auf Preise, Vertragsbedingungen und Marktstrukturen ausübe.

Neues Innovationsprojekt „EcoAgri: Mehrwert für Unternehmen und Landwirte

Infobox: Warum sind Kühe so wertvoll für Mensch und Umwelt?

  • Rinder und Kühe spielen eine Schlüsselrolle im Nährstoffkreislauf“, so der Kreisverbandsvorsitzende Joachim Schmedt. Kühe gäben nicht nur Milch, sie seien wahre Multitalente. „Als Wiederkäuer können sie die Nährstoffe im Gras aufschließen, die für uns Menschen unverdaulich sind. Sie können diese in Milch umwandeln und somit für uns nutzbar machen“, erläutert Landwirt Dr. Dietrich Nunnenkamp.
  • Wiesen und Weiden äußerst effektive CO₂-Speicher: Weiter werde der Aspekt, Kühe und Rinder als Landschaftspflegerinnen, oft unterschätzt, so Schmedt. Wiesen und Weiden werden durch sie erhalten und gepflegt, denn sonst würden sie verbuschen und verwildern.
  • Zudem: Wiesen und Weiden sind äußerst effektive CO₂-Speicher und damit wertvoll für den Naturhaushalt.