Ostwestfalen . Wir haben mit Larissa Mattlage, Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes Ostwestfalen, über aktuelle Entwicklungen, Chancen für die Branche – und das bevorstehende Weihnachtsgeschäft – gesprochen.

Wie wichtig ist das Weihnachtsgeschäft für die Betriebe in Ostwestfalen?

Das Weihnachtsgeschäft ist für viele Betriebe eine verlässliche Stütze und sorgt zum Jahresfinale für Umsatzspitzen.

Viele Menschen wollen wieder „rausgehen“ und genießen – spüren die Gastronomen in der Region diesen Trend?

Ja, wir spüren schon, dass die Gäste gerne Erlebnisse außerhalb der eigenen vier Wände suchen. Das würden wir allerdings nicht als Trend beschreiben. Es ist genau das, warum Gastronomie eigentlich schon immer gebraucht wird, denn wir bieten eine Auszeit vom Alltag. Die Gastronomie schafft einen Raum, in dem privates und öffentliches Leben verschmelzen, man kann sich hier sowohl zurückziehen als auch am sozialen Treiben teilnehmen. Leider spüren wir auch, dass weniger verzehrt wird. Auch wenn die Läden gut besucht sind, heißt es nicht automatisch, dass die Umsätze und vor allen Dingen auch die Erträge noch so sind, wie vor einigen Jahren.

Was bedeutet lokales Einkaufen und Genießen aus Sicht der Gastronomie – und wie unterstützen Sie als Dehoga-Kreisverband die regionale Wertschöpfung?

Einzelhandel und Gastronomie gehören unbedingt zusammen, die Kombination aus Einkaufserlebnis und Genuss schafft kein Onlinehandel. Lokales Einkaufen sichert Vielfalt. Als Dehoga-Kreisverband unterstützen wir Betriebe durch Netzwerke, Informationsaustausch, Kooperationen und gemeinsame Marketingaktionen. Der Kreis Minden-Lübbecke ist Ökomodellregion, unter der Marke „Landschätze“ werden Produkte vermarktet, die ausschließlich in der Region erzeugt und verarbeitet werden und biozertifiziert sind .

Viele Betriebe setzen auf Nachhaltigkeit, kurze Lieferketten und regionale Produkte. Ist das inzwischen ein Muss, um Gäste zu überzeugen?

Auf jeden Fall hat das Thema Nachhaltigkeit eine große Bedeutung und auch immer mehr Gäste legen darauf Wert. Ob es ein richtiges „Muss“ ist, hängt sicherlich von der Art des Betriebes ab. Unsere Branche ist ja enorm vielfältig, zu uns gehören zum Beispiel die Eckkneipe und der Imbiss genauso dazu wie das Fine-Dining-Restaurant oder das 5 Sterne Hotel.

Kürzere Lieferketten und Regionalität gewinnen an Bedeutung und werden von Gästen oft positiv bewertet. Für viele Betriebe ist das inzwischen Teil der Betriebsführung.

Wie kann die Branche wieder attraktiver für junge Menschen werden?

Was ist an unserer Branche unattraktiv? Nennen Sie mir einen Beruf, der so aufregend und vielfältig ist wie der unsere. Wir haben die freie Wahl, wo wir arbeiten möchten: in den Bergen, an der See, auf einem Schiff, im Ausland.

Die Aufgaben sind abwechslungsreich, die Tage immer unterschiedlich und es gibt kaum Berufe, in denen man direktes Feedback bekommt. Und im Übrigen ist diese Arbeitszeitdiskussion gesellschaftlich nicht zielführend. Denken Sie an Pflege, Polizei, Feuerwehr. Unregelmäßige Arbeitszeiten müssen gestärkt werden anstatt immer wieder als völlig unattraktiv dargestellt zu werden. Wichtig ist es doch, jungen Mitarbeitern echte Entwicklungschancen und sinnstiftende Aufgaben zu bieten.

Digitalisierung verändert auch die Gastronomie. Wo sehen Sie Chancen – und wo sind Grenzen erreicht?

Tatsächlich denke ich, dass es mit der Entwicklung immer weitergeht und zumindest meine Vorstellungskraft reicht nicht aus, um ein Ende abzusehen. Aber bei einer Sache bin ich mir ganz sicher: Gelebte Gastfreundschaft mit Empathie, Wärme und Persönlichkeit ist durch keine Digitalisierung oder KI zu ersetzen. Die Digitalisierung kann erforderliche Arbeitsprozesse, wie zum Beispiel Reservierungsverwaltung und Personalmanagement, unterstützen und somit Freiräume schaffen, um Zeit zu haben für das, was am meisten Spaß macht: Gastgeber zu sein.

Welche gastronomischen Trends beobachten Sie aktuell – in Ostwestfalen, aber auch deutschlandweit?

Trends sind nach wie vor: Regionalität, Nachhaltigkeit, Erlebnisgastronomie, vegetarische oder vegane Optionen, minimalistische, hochwertige Speisen, mehr Events und Lieferservice. In Ostwestfalen oftmals bodenständig, regional geprägt mit Qualität und Zugewandtheit.

Viele Gäste wünschen sich wieder mehr „Erlebnis“ beim Essen. Wie schaffen es Restaurants heute, Atmosphäre und Qualität zu verbinden?

Eine ansprechende Raumgestaltung, aufmerksameren Service, kleine Überraschungen im Service und klare Qualität, die sich im Geschmack widerspiegelt. Wir im Schloss Benkhausen bieten kulinarische Events an, bei denen wir mit Partnern zusammenarbeiten, die neben der Kulinarik auch Wissen oder Erfahrungen vermitteln. Im nächsten Jahr haben wir zum Beispiel einen Pralinen-Kurs, Knigge for Teens, ein Nachhaltigkeitsdinner und Afternoon Tea im Angebot. Es geht darum, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und Wissen zu vertiefen.

Wenn Sie den Weihnachtsmann zum Essen einladen dürften – wohin würden Sie ihn führen, und was gäbe es auf dem Teller?

Für mich persönlich ist Weihnachten mit einen klassischen Gänseessen verbunden, mit Klößen und Rotkohl, danach ein Bratapfel, das schmeckt bestimmt auch dem Weihnachtsmann. Selbstverständlich im Restaurant eines Kollegen, denn auch ich genieße es, gut umsorgt zu werden und eine schöne Zeit mit meinen Gästen zu haben.

Zum Schluss: Was wünschen Sie sich persönlich und als Dehoga-Kreisverbandsvorsitzende für das Jahr 2026 – für Ihre Mitglieder, für die Gäste und für die Branche?

Für die Branche und die Mitglieder: einfach mal den Job machen zu können, ohne sich immer wieder mit Krisen auseinandersetzen zu müssen. Stabile Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, verlässliche Fachkräfte und vor allen Dingen: viel Freude bei der Arbeit. Für die Gäste: dass die Vielfalt der Gastronomie erhalten bleibt.