Herford (pm/mmm). Diese Idee nötigte der Jury Respekt ab: Das Team von Marienschule der Ursulinen und Hochschule Bielefeld (HSBI) hatte sein Bobby Car kurzerhand quer in zwei Teile zerschnitten. Diese verbanden die jugendlichen Entwicklerinnen und Entwickler dann mit einer leichten Holzkonstruktion. Der gewonnene Zwischenraum schaffte Platz für die wesentlichen Komponenten des Elektroantriebs.

„Das Doppelbodenkonzept ist wirklich eine gute Idee“, lobte denn auch Dipl.-Ing. Klaus Meyer, als Vorsitzender des Verein Deutscher Ingenieure OWL e.V. ( VDI OWL ) zugleich Juryvorsitzender und „Erfinder“ des Solar Racing Cups. Der Schul-Wettbewerb um die smartesten, schnellsten und am besten aussehenden solarbetriebenen Elektromobile auf Bobby-Car-Basis fand Ende vergangener Woche seit 2023 bereits zum vierten Mal statt.

Großer Preis für das Gymnasium St. Kasper, Realschule aus Lichtenau ebenfalls stark

Nach der Jurysitzung in der HSBI am Freitag (11.9.2026) fehlten noch die Rennen: Zwölf Teams mussten am darauffolgenden Sonntag auf dem Parkplatz des Hauptsponsors Westfalen Weser in Herford erst einen Geschicklichkeitsparcours bewältigen und danach um die Wette fahren.

Hier hatte zwar zweimal die Städtische Realschule Lichtenau die Kunststoffnase von Benteler vorn, und die Lichtenauer gewannen auch in der Kategorie „Optisches Design“. Dennoch räumte eine andere Schule den Großen Preis des Solar Racing Cups 2026 ab: das Gymnasium St. Kasper. Denn beim Hauptpreis geht es um Technische Kreativität und Handwerk und die Mädchen und Jungen aus Bad Driburg überzeugten hier auf ganzer Linie.

Die Bielefelder Marienschüler mussten sich ob der starken Konkurrenz allerdings keinesfalls grämen: Beim Großen Preis wurden sie Dritter und beim Foto- und Videowettbewerb standen sie sogar ganz oben auf dem Treppchen. Das wurde bereits bei der professionellen Powerpoint-Präsentation durch die beiden Achtklässler Elias Eberhardt und Jakob Kampe während der Jurysitzung deutlich: Souverän steuerten die beiden 13-Jährigen durch die Slides und gaben mit Texten und Bildern sympathische Einblicke in ihre Arbeit am Racer.

Bei der Jurysitzung in der HSBI stellten die Schutteams ihre umgebauten Solar-Racer vor. Insgesamt zwölf Schulteams mit Unterstützung von Unternehmen und einer Hochschule traten beim diesjährigen Solar Racing Cup gegeneinander an. Foto: P. Pollmeier/HSBI
Bei der Jurysitzung in der HSBI stellten die Schutteams ihre umgebauten Solar-Racer vor. Insgesamt zwölf Schulteams mit Unterstützung von Unternehmen und einer Hochschule traten beim diesjährigen Solar Racing Cup gegeneinander an. Foto: P. Pollmeier/HSBI

Diese fand größtenteils während der Sommerferien auf einem Bauernhof der Familie eines Teammitglieds statt. Wie alle Schulteams hatten auch Elias, Jakob und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter dabei einen Partner an ihrer Seite. In diesem Fall war das die HSBI , aus der heraus Prof. Dr. Lars Fromme und Prof. Dr. Herbert Funke vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik das Team mit Tipps unterstützen.

Bausätze sollen modifiziert werden – der Kreativität sind (fast) keine Grenzen gesetzt

Beim Solar Racing Cup erhalten die Teams große Teile der Komponenten als Bausätze gestellt. Dazu gehören zum Beispiel das Bobby Car selbst, der Elektromotor, die Akkus und die Solarzellen mit dazugehörigen Reglern. Sie dürfen und sollen all dies innerhalb bestimmter Regeln optimieren und sich eigene Konstruktionen überlegen. Und so treten am Ende ganz unterschiedlich aussehende und technisch konzipierte Mobile gegeneinander an.

Das „MDU Racing Team" von der Marienschule der Ursulinen. Unterstützt wurden die Schüler von Experten vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik der HSBI. Foto: MDU Racing Team
Das „MDU Racing Team” von der Marienschule der Ursulinen. Unterstützt wurden die Schüler von Experten vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik der HSBI. Foto: MDU Racing Team

Der Wettbewerb ist eine Aktion des VDI OWL und wird umgesetzt vom Verein Energie Impuls. Gefördert ist das Projekt von den Agenturen für Arbeit in Ostwestfalen-Lippe, die ein Interesse daran haben, junge Menschen im Rahmen der Berufsberatung frühzeitig an Technik- und Nachhaltigkeitsthemen heranzuführen. Jedes einzelne Team hat zudem einen Unterstützer, in der Regel eine Firma, die auch als Sponsor fungiert.

Das Ziel: Junge Menschen frühzeitig für Technik und erneuerbare Energien gewinnen

„Probleme lösen, gemeinsam Entscheidungen treffen, aus Fehlern lernen und immer wieder neue Wege finden – genau das macht Innovation aus“, erklärt Monika Pieper, Vorsitzende des Vereins Energie Impuls OWL . „Uns ist es wichtig, dass erneuerbare Energien nicht nur ein Thema für die Schulbücher sind, sondern dass die Teams erleben, wie Sonnenenergie ganz praktisch genutzt werden kann und wie spannend Technik ist, wenn man selbst aktiv wird.“

Prof. Dr. Marc-Oliver Schierenberg, der die Zusammenarbeit zwischen HSBI und Solar Racing Cup einst initiierte, stößt ins gleiche Horn: „Die Schülerinnen und Schüler entwickeln eigene Ideen, setzen sie praktisch um und bringen sie am Ende auf die Rennstrecke. Besonders angesichts des wachsenden Fachkräftebedarfs und der Herausforderungen bei der Gewinnung von Nachwuchs in technischen Berufen ist es der HSBI ein Anliegen, junge Menschen früh für Technik zu begeistern.“


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