Minden. Geschäftsführer Sebastian Brinkmann hat in seinen ersten Monaten eine offene, verantwortungsbewusste Unternehmenskultur kennengelernt und hebt die starke Aufstellung der Mindener Stadtwerke bei Versorgungssicherheit, Wasserwirtschaft und Kundenservice hervor. Gleichzeitig sieht er einen Bedarf bei Digitalisierung und beim Vorantreiben der Energie- und Wärmewende, etwa durch den Ausbau der Fernwärme und mehr erneuerbare Energien. Wichtig sind ihm dabei ein verlässlicher Service vor Ort, klare interne Strukturen und die Einbindung der Mitarbeitenden, um die Region nachhaltig zu versorgen.

Herr Brinkmann, Sie sind seit einigen Monaten Geschäftsführer der Mindener Stadtwerke GmbH. Wie haben Sie Ihre ersten Monate im Unternehmen erlebt?

Die ersten Monate waren sehr intensiv, aber durchweg positiv. Ich wurde offen aufgenommen und habe schnell gemerkt, dass hier viele Menschen arbeiten, die ihre Aufgaben sehr ernst nehmen und gleichzeitig pragmatisch an Themen herangehen. Das hat mir den Einstieg leicht gemacht. Für mich war wichtig, erst einmal zuzuhören, die Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wo das Unternehmen stark ist und wo wir ansetzen müssen.

Gibt es Eigenschaften innerhalb der Unternehmenskultur, die Ihnen besonders positiv aufgefallen sind?

Mich hat vor allem beeindruckt, wie selbstverständlich hier Verantwortung übernommen wird. Die Mitarbeitenden wissen sehr genau, welche Bedeutung ihre Arbeit für die Versorgung vor Ort hat. Gleichzeitig habe ich eine Kultur erlebt, in der man offen miteinander spricht, Probleme nicht lange liegen lässt und gemeinsam nach Lösungen sucht. Diese Mischung aus Verlässlichkeit, Kollegialität und Praxisnähe gefällt mir sehr.

Sie haben sich wahrscheinlich erst einmal einen Überblick verschafft. Welche zentralen Erkenntnisse konnten Sie in dieser ersten Phase bereits gewinnen?

Mein Eindruck ist, dass die Mindener Stadtwerke fachlich gut aufgestellt sind und über viel Erfahrung im Unternehmen verfügen. Gleichzeitig merkt man, dass die Anforderungen an Stadtwerke deutlich zunehmen – sei es durch die Energiewende, durch regulatorische Vorgaben oder durch die Erwartungen an digitale Prozesse. Eine wichtige Erkenntnis war für mich deshalb: Wir müssen nicht alles neu erfinden, aber wir müssen an einigen Stellen schneller, klarer und strukturierter werden.

Wo sehen Sie die Mindener Stadtwerke aktuell besonders gut aufgestellt – und wo liegen die größten Entwicklungspotenziale?

Gut aufgestellt sind wir ganz klar bei der Versorgungssicherheit, in der Wasserwirtschaft und im persönlichen Kundenservice. Das sind starke Grundlagen. Entwicklungspotenzial sehe ich vor allem bei der weiteren Digitalisierung von Prozessen und bei der Frage, wie wir die Energiewende vor Ort noch stärker begleiten. Eine zusätzliche Herausforderung ist, in einer Zeit mit sehr vielen externen Veränderungen die richtigen Informationen intern so weiterzugeben, dass Orientierung entsteht, aber keine unnötige Informationsflut.

Die Transformation der Energieversorgung ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Welche Rolle spielen die Stadtwerke dabei konkret für die Region Minden?

Unsere Aufgabe ist es, die Energiewende vor Ort greifbar zu machen. Viele Themen sind technisch, regulatorisch und wirtschaftlich inzwischen so komplex, dass Unternehmen und Privatpersonen dafür einen Partner brauchen, der die Themen einordnet und in sinnvolle Lösungen übersetzt. Wir sind kein riesiges Stadtwerk, das alles alleine abdecken kann. Aber wir können vor Ort Partner zusammenbringen, Entwicklungen bewerten und gemeinsam Angebote schaffen, die für die Menschen und Unternehmen in Minden wirklich funktionieren. Genau diese Rolle wollen wir weiter stärken.

Gemeinsam mit der Mindener Wärme treiben Sie die Wärmewende vor Ort voran. Welche Fortschritte gibt es hier aktuell – und welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Die Mehrheitsbeteiligung an der Mindener Wärme ist für uns ein wichtiger Schritt, weil wir damit die zukünftige Wärmeversorgung in Minden aktiv mitgestalten können. Konkret läuft der Ausbau des Fernwärmenetzes weiter, unter anderem in der Obermarktstraße, wo die Erschließung bereits begonnen hat und noch in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. Unser Ziel ist, das Wärmenetz Schritt für Schritt zu dekarbonisieren und bis 2030 einen Anteil von 30 Prozent erneuerbarer Energien zu erreichen. Gerade in dicht bebauten Innenstadtbereichen kann Fernwärme ihre Stärken gut ausspielen – auch wenn die Umsetzung dort technisch und organisatorisch anspruchsvoll ist.

Was bedeutet eine nachhaltige Energieversorgung ganz konkret für die Bürgerinnen und Bürger in Minden?

Ganz konkret bedeutet das vor allem, dass Versorgung auch in Zukunft verlässlich, bezahlbar und nachvollziehbar bleibt. Nachhaltigkeit darf kein abstrakter Begriff sein, sondern muss sich im Alltag bewähren. Für die Bürgerinnen und Bürger heißt das: stabile Infrastruktur, sinnvolle Investitionen, transparente Entscheidungen und Lösungen, die nicht nur heute gut klingen, sondern auch in einigen Jahren noch tragen.

Die kontinuierliche Modernisierung der Infrastruktur ist ein wichtiges Thema. Welche Projekte stehen derzeit im Fokus?

Ein wichtiges Projekt war zuletzt die Modernisierung des Wasserwerks I. Mit der neuen Filterhalle und der erneuerten Aufbereitungstechnik haben wir dort einen wichtigen Schritt gemacht, um die Trinkwasserversorgung langfristig abzusichern. Dazu kommen weitere Investitionen in unsere Netze. Im Bereich der Gas- und Wassernetze denken wir in sehr langen Zeiträumen – was wir heute bauen oder erneuern, muss oft über viele Jahrzehnte zuverlässig funktionieren.

Wie stellen Sie sicher, dass Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in Einklang bleiben?

Indem wir diese drei Punkte nicht gegeneinander ausspielen. Versorgungssicherheit hat für uns immer oberste Priorität. Gleichzeitig müssen Investitionen nachhaltig und wirtschaftlich sinnvoll sein. Deshalb schauen wir bei Projekten sehr genau hin: Was ist technisch notwendig, was ist langfristig tragfähig und was ist für die Region sinnvoll? Nur wenn diese Punkte zusammenpassen, entsteht am Ende eine gute Lösung.

Sie betonen die Nähe zu Ihren Kundinnen und Kunden. Was zeichnet den Service der Stadtwerke aus Ihrer Sicht besonders aus?

Was uns als Mindener Stadtwerke auszeichnet, ist die persönliche Erreichbarkeit. Wer bei uns anruft oder vorbeikommt, spricht nicht mit irgendeiner anonymen Stelle, sondern mit Menschen vor Ort, die die Region kennen und Verantwortung übernehmen. Das ist aus meiner Sicht ein echter Unterschied. Gerade bei komplexeren Fragen schätzen viele Kundinnen und Kunden genau diesen direkten Kontakt.

Welche Rolle spielen digitale Angebote künftig im Kundenkontakt – und wie entwickeln Sie diese weiter?

Digitale Angebote werden wichtiger werden, daran führt kein Weg vorbei. Für uns ist aber entscheidend, dass digitale Lösungen den Kundenservice ergänzen und nicht ersetzen. Es geht darum, Abläufe einfacher zu machen und den Menschen zusätzliche Möglichkeiten zu geben. Wer etwas digital erledigen möchte, soll das unkompliziert tun können. Wer lieber persönlich mit uns spricht, soll das auch weiterhin können.

Digitalisierung kann, sofern Kunden es auch annehmen, ein zentraler Treiber für Effizienz und Servicequalität sein. Setzen die Stadtwerke an dieser Stelle in den kommenden Jahren Schwerpunkte und wenn ja, welche?

Ja, ganz klar. Wir arbeiten daran, interne Prozesse weiter zu digitalisieren und gleichzeitig den Zugang für unsere Kunden an den richtigen Stellen einfacher zu machen. Dabei geht es nicht um Digitalisierung um ihrer selbst willen, sondern um konkrete Verbesserungen im Alltag. Wir haben heute noch keine fertigen neuen Produkte, die wir ankündigen können, aber das Thema hat für uns klar Priorität.

Wie verändern sich aus Ihrer Sicht die Erwartungen der Kundinnen und Kunden an einen modernen Energieversorger?

Die Erwartungen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Kunden wollen heute nicht nur einen verlässlichen Versorger, sondern auch nachvollziehbare Informationen, einfache Abläufe und eine gute Erreichbarkeit. Gleichzeitig wünschen sich viele weiterhin einen konkreten Ansprechpartner, gerade wenn es komplizierter wird. Ein moderner Energieversorger muss deshalb beides können: persönlich und effizient sein.

Sie legen großen Wert auf Teamarbeit und offenen Austausch. Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Ich versuche, klar in der Richtung und offen im Austausch zu sein. Mir ist wichtig, dass Ziele und Rahmen eindeutig sind, Entscheidungen aber möglichst dort getroffen werden, wo das fachliche Wissen vorhanden ist. Die Mitarbeitenden kennen ihre Prozesse und Herausforderungen in der Regel am besten. Wenn das Ziel klar ist, ergibt sich vieles in der Entscheidung schon fast von selbst. Führung heißt für mich deshalb nicht, alles zentral vorzugeben, sondern Orientierung zu schaffen, Verantwortung zu ermöglichen und auch mit Fehlern vernünftig umzugehen.

Welche Bedeutung hat die Einbindung der Mitarbeitenden für die Weiterentwicklung des Unternehmens?

Eine sehr große. Wenn man ein Unternehmen weiterentwickeln will, kommt man an den Mitarbeitenden nicht vorbei. Sie wissen meist sehr genau, wo Prozesse gut laufen und wo es hakt. Diese Perspektive ist für gute Entscheidungen enorm wichtig. Gleichzeitig sorgt echte Einbindung auch dafür, dass Veränderungen am Ende besser getragen und schneller umgesetzt werden.

Sie sind in die Region zurückgekehrt und leben heute wieder im Mühlenkreis. Welche Bedeutung hat diese persönliche Verbundenheit für Ihre Arbeit?

Für mich ist das schon etwas Besonderes. Meine Familie kommt aus der Region, und ich selbst fühle mich hier sehr zuhause. Umso schöner ist es, beruflich an einem Punkt zu sein, an dem ich nicht irgendwo abstrakt an Themen arbeite, sondern ganz konkret vor Ort etwas mitgestalten kann. Gerade in der Daseinsvorsorge sieht man sehr direkt, wofür man arbeitet. Das motiviert mich.

Die Mindener Stadtwerke engagieren sich auch über die Energieversorgung hinaus in der Region, etwa im Sport. Warum ist Ihnen dieses Engagement wichtig?

Weil ein Stadtwerk aus meiner Sicht mehr ist als ein reiner Versorger. Wir sind Teil des öffentlichen Lebens in der Region. Deshalb gehört es für mich dazu, auch dort Präsenz zu zeigen, wo Gemeinschaft entsteht – zum Beispiel im Sport. Viele Vereine leisten viel für das Miteinander vor Ort, und wenn wir dazu einen Beitrag leisten können, dann ist das sinnvoll und naheliegend.

Sehen Sie Parallelen zwischen Sport und Unternehmensführung?

Ja, da gibt es schon einige. Eine Mannschaft gewinnt nicht automatisch, weil sie die besten Einzelspieler hat, sondern weil sie als Team funktioniert. Man unterstützt sich gegenseitig, gleicht Fehler aus und schaut nicht zuerst darauf, wer formal zuständig war. Genau das ist auch im Unternehmen wichtig. Und wie im Sport gilt: Motivation, Zusammenhalt und ein gemeinsames Ziel machen oft den Unterschied, gerade wenn es anstrengend wird.

Wenn Sie an die kommenden Jahre denken: Wo sollen die Stadtwerke in einigen Jahren stehen?

Ich möchte, dass die Mindener Stadtwerke in den kommenden Jahren als verlässlicher Partner für die Region wahrgenommen werden – technisch, wirtschaftlich und im täglichen Miteinander. Dazu gehört für mich eine Infrastruktur, die nachhaltig entwickelt wird und auch in Zukunft stabil funktioniert. Dazu gehört außerdem, die Wärmewende Schritt für Schritt voranzubringen und den Anteil erneuerbarer Energien weiter zu erhöhen. Und es gehört dazu, beim Service nah an den Menschen zu bleiben und gleichzeitig dort digitaler zu werden, wo es wirklich einen Mehrwert bringt.

Herr Brinkmann, vielen Dank für das Interview .