Hille (jkl). Klirrende Kälte, brütende Hitze: Ob Dämmung, Beschichtung oder ganze Fahrzeugteile – viele Materialien und Produkte sind im Laufe ihres „Lebens“ teils extremen Bedingungen und Temperaturschwankungen ausgesetzt. Um sicherzustellen, dass sie die Normen und Anforderungen an Haltbarkeit, Leistung und Sicherheit erfüllen, setzen speziell Forschung und Industrie auf sogenannte Umweltsimulationsanlagen.

Ein Unternehmen, das sich mit diesen hochkomplexen Prüfzellen sehr gut auskennt, ist die Hubert Röthemeyer GmbH, Spezialist für Kälte-, Klima- und Elektrotechnik aus Hille.

Umweltsimulationsanlagen: Wofür Klimakammern gebraucht werden

„Umweltsimulationsanlagen kennen viele Menschen eher unter dem Begriff Klimakammern, vor allem im Zusammenhang mit der Automobilindustrie“, erläutert Holger Röthemeyer. „Doch diese Testanlagen kommen in ganz unterschiedlichen Branchen zum Einsatz, um Materialien unter realen Umwelt- und Witterungsbedingungen zu überprüfen.“ Holger Röthemeyer ist Kälteanlagenbauer-Meister und führt das Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Guido Röthemeyer in zweiter Generation.

Anlagentechnik für Prüfzellen: Einbau nach Kundenvorgaben

Der Bau dieser Klimakammern ist für das Team des Hiller Unternehmens ein sehr spezieller, aber gerade deshalb auch äußerst spannender und interessanter Arbeitsbereich. „Die Fertigung der Prüfzelle selbst ist Aufgabe eines Zellenbauers. Wir sind im Anschluss für den Einbau der kompletten Anlagentechnik zuständig, und zwar exakt nach Vorgaben der Kunden“, ergänzt Guido Röthemeyer.

Das „Innenleben“ einer solchen Prüfzelle sei mit Blick auf die Konstruktion vergleichbar mit einem großen Kühlschrank – wenngleich die Klimakammern natürlich ganz andere Temperaturbereiche abdecken könnten.

Prüfzellen-Projekte von der Frost-Tau-Anlage bis zum Parkhausdeck

Bereits 1979 baute die Firma Röthemeyer für die damalige Tonindustrie Heisterholz (heute BMI Deutschland GmbH) eine Frost-Tau-Wechsel-Prüfanlage für Dachziegel – eine sehr spezialisierte Form von Klimakammer. Auf diese Weise konnte der Hersteller einen Alterungsprozess der Dachziegel von 30 Jahren simulieren.

Um ein ganz anderes Thema dagegen ging es bei einem Kundenauftrag im Jahr 2011: „Das Unternehmen aus der Region brauchte eine Prüfzelle, um Komponenten für militärische Fahrzeuge zu testen“, erläutert Holger Röthemeyer. Die schusssicheren Glasscheiben kommen weltweit zum Einsatz und wurden in der Prüfzelle Temperaturen von minus 35 Grad bis plus 80 Grad ausgesetzt. „Die Temperaturänderung in einer solchen Kammer beträgt zwei Kelvin pro Minute. Das bedeutet, die Temperatur lässt sich zum Beispiel in 20 Minuten von 20 Grad auf minus 20 Grad absenken.“ Nach 15 Jahren in Betrieb wird die Prüfzelle jetzt für den Kunden umgebaut und angepasst.

Von außen unscheinbar, im Inneren aber ausgestattet mit hochkomplexer Anlagentechnik: Die 2011 gebaute Klimakammer wurde benötigt, um Komponenten für militärische Fahrzeuge zu testen. Foto: Hubert Röthemeyer GmbH
Von außen unscheinbar, im Inneren aber ausgestattet mit hochkomplexer Anlagentechnik: Die 2011 gebaute Klimakammer wurde benötigt, um Komponenten für militärische Fahrzeuge zu testen. Foto: Hubert Röthemeyer GmbH

In einem weiteren Projekt auf diesem Sektor beschäftigt sich die Firma Röthemeyer derzeit mit dem Thema Oberflächenbeschichtung. Für ein heimisches Industrieunternehmen stattet der Fachbetrieb eine Prüfzelle aus, die die Bedingungen auf einem Parkhausdeck simuliert. Unternehmen, die solch spezielle Kundenaufträge ausführen, seien nicht so leicht zu finden – vor allem nicht im ländlichen Raum, sagt Guido Röthemeyer: „Aber genau damit können wir punkten: Wir sind nah beim Kunden und können flexibel reagieren.“

Mechatroniker für Kältetechnik: Beruf zwischen Handwerk und IT

Das Thema Umweltsimulation zeige nicht zuletzt die Vielfältigkeit der Klimatechnik. „Unser Beruf ist abwechslungsreich und attraktiv, aber auch anspruchsvoll“, sagt Holger Röthemeyer. Das spiegele sich auch in der Änderung der Berufsbezeichnung wider. „Der Ausbildungsgang heißt heute Mechatroniker für Kältetechnik. Hier geht es nicht mehr ausschließlich um das reine Handwerk, sondern zu einem großen Teil auch um Elektronik, Regelungstechnik und IT.“ Schulabgänger, die sich für diesen Beruf interessieren, sollten daher insbesondere fit in den naturwissenschaftlichen Fächern sein.

Klimaanlagen: 35 Jahre Fachpartnerschaft mit Daikin

Abseits von Spezialaufträgen wie der Ausstattung von Prüfzellen installiert das 17-köpfige Team der Firma Röthemeyer Klimaanlagen und Wärmepumpen . Auf diesem Sektor setzt das Unternehmen schwerpunktmäßig auf Produkte von Daikin. „Mit diesem Hersteller verbindet uns eine 35-jährige Fachpartnerschaft. Für unsere Kunden bedeutet das zum Beispiel, dass wir Produkte direkt vom Hersteller beziehen und bei Bedarf schneller Zugriff auf Ersatzteile haben“, erläutert Holger Röthemeyer. „Unsere Mitarbeiter kennen sich bestens mit der Technik aus und können daher eine gleichbleibend hohe Servicequalität gewährleisten.“

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