Minden/Herford. Drei Manager, zwei Tochterfirmen, ein Standort-Verbund: Wenn Kai Wullbrandt, Lars Hölkemeier und Dirk Schröder zusammensitzen, vereinen sie einen großen Teil der L.I.T. Gruppe in OWL auf sich. Im Interview sprechen sie über Krisen, KI-gestützte Logistik, neue Lagerhallen am Mittellandkanal und die Frage, warum gerade ostwestfälische Bodenständigkeit ein Wettbewerbsvorteil ist.

Herr Wullbrandt, von den Firmen- und Standortverantwortlichen, die hier am Tisch sitzen, sind Sie am längsten bei der L.I.T. Gruppe. Gibt es irgendwas, was die L.I.T. Gruppe nicht transportiert oder irgendein Ziel, das die Gruppe nicht ansteuert?

Kai Wullbrandt: Wenn wir da über die gesamte L.I.T. Gruppe hinweg schauen, können wir eigentlich nur Lebendtransporte und radioaktiven Sondermüll ausschließen. Und gewisse Klassen von Gefahrguttransporten, wobei das mit den Kundenansprüchen zusammenhängt. Durch das Wachstum in der E-Mobilität transportieren wir z.B. seit einigen Jahren verstärkt Batterien, welche als Gefahrgut klassifiziert sind. Da sind wir dann auch schon bei dem entscheidenden Punkt: Durch die Zukäufe in der Vergangenheit und die Integration verschiedener Unternehmen im Zuge von Nachfolgeregelungen decken wir durch die entstandene Größe ein unglaublich breites Leistungsportfolio ab.

Und wie sieht es bei den Zielen aus?

Kai Wullbrandt: Im Straßen- und Landtransport steuern wir Ziele in ganz Europa an. Im Bereich Air&Sea sind wir als L.I.T. Gruppe natürlich mittlerweile weltweit tätig – wachsen zudem langsam auf dem US-amerikanischen Markt und in Indien. Das sind beispielsweise zwei Standorte, die in den vergangenen zwei Jahren dazugekommen sind. Wachstumsmärkte, in dem Sinne, dass wir dort bislang nicht vertreten sind, sind Südamerika und Afrika. Auf diesen Märkten liegt aber erst einmal auch nicht unser Fokus. Aber hier könnten wir kurzfristig auf ein Netzwerk aus Partnern und Agenten zurückgreifen, wenn einer unserer Bestandskunden das wünscht.

Sie haben schon ihre Ausbildung bei L.I.T. absolviert. Was macht das Unternehmen für Sie denn aus?

Kai Wullbrandt: Zunächst einmal, dass wir trotz unserer Größe, die wir mittlerweile haben, immer noch inhabergeführt sind – also ein echtes Familienunternehmen, in dem die Hierarchien flach und die Kommunikationswege kurz sind. Die Kommunikation funktioniert außerdem so gut, weil sie auf Augenhöhe stattfindet. Das ist uns sehr wichtig, um die Mitarbeitenden mitzunehmen. Und die Mitarbeitenden bekommen sehr viel Verantwortung für ihre Bereiche. Eigenverantwortliches Handeln geht natürlich auch immer einher mit Kostenverantwortung. Das bedeutet, dass die jungen Mitarbeitenden mit dem Unternehmen wachsen, sich selbst und ihre Bereiche entwickeln. Viele sind schon seit der Ausbildung im Unternehmen und ein großer Teil länger als 20 Jahre. Das zeigt, dass die Themen Kommunikation, Perspektiven und attraktive Aufgabenbereiche bei uns sehr gut zusammenspielen. Ich glaube, dass wir daher für unsere Branche etwas untypisch aufgestellt sind. 

Was bedeutet das konkret?

Lars Hölkemeier: Ganz klar auch, dass die Unternehmen, die in den vergangenen Jahren in die L.I.T. Gruppe integriert worden sind, weiter als eigenständige Marken und Profitcenter agieren. Blicken wir auf OWL, erkennt man das sehr deutlich an der Zusammensetzung für das heutige Interview. Hier sitzen mit Kai Wullbrandt, Leiter der Transportlogistik Automotive und Prokurist in der L.I.T. Spedition, in Dirk Schröder der Geschäftsführer der WESTFALIA intralog und mit mir der Geschäftsführer der Hölkemeier Spedition.

Es fielen eben auch die Schlagworte Verantwortung und Perspektive. Könnten Sie das etwas präzisieren?

Kai Wullbrandt: Ich habe es mehr als einmal erlebt, dass jemand aus der Mitarbeiterschaft einen potenziellen Markt für uns erkannt und das kommuniziert hat. Der Vorstand ist dann durchaus bereit, darauf basierend eine neue Abteilung oder gar eine neue Tochtergesellschaft aufzubauen.

Herr Hölkemeier erwähnte gerade, dass hier drei Kollegen mit Führungsverantwortung von verschiedenen Firmen am Tisch sitzen. Deswegen vielleicht zur Einordnung: Welche Logistik-Dienstleistungen bieten ihre Unternehmen an?

Kai Wullbrandt: Die beiden größten Abteilungen der L.I.T. Spedition sind Automotive und die Getränkelogistik. Die Verantwortung für die Getränkelogistik habe ich vor drei Jahren an Kai Möller übergeben. Das ist auch wieder so ein Beispiel für das Übertragen von Verantwortung. Kai Möller ist Anfang 30 und führt nun die Abteilung. Außerdem haben wir noch weitere, Abteilungen hier am Standort Minden. In der Abteilung Volumenverkehre transportieren wir mit Jumbo-Gliederzügen beispielweise Baumaterialien, Dämmstoffe, Verpackungen und Papier. Zudem wickeln wir die Lkw-Transporte mit Megatrailern – hauptsächlich in der OWL-Abteilung mit Karsten Gerling als Abteilungsleiter ab. Und wir koordinieren von hier aus die fest für unsere Gruppe fahrenden Subunternehmer, behalten die Frachtenbörsen im Blick, um im Fall von Überhängen Partner zu akquirieren.

Das bedeutet, in Spitzenzeiten sind sie auch auf externe Partner angewiesen?

Kai Wullbrandt: Ganz genau, vielleicht ein Beispiel dazu: Wenn zu einer bestimmten Zeit die Nachfrage nach Getränken besonders groß ist, wir für den Transport aber mehr Lkw benötigen als wir zur Verfügung stellen können, dann steuern wir das mit Transportpartnern von Minden aus. Diese Auswahl ist sehr anspruchsvoll. Bei den Unternehmen, denen man diese Aufträge gibt, muss man genau hinschauen, zumal häufig Zertifikate gefordert sind. Ganz abgesehen von einer 100-prozentigen Zuverlässigkeit und Seriosität als grundsätzliche Basis für eine Zusammenarbeit. Und schließlich sitzen noch Teile der L.I.T. Solutions bei uns. Das ist unser Führungskräfte-Nachwuchsprogramm. Beispielsweise, wo große Ausschreibungen, bei denen es nicht um eine Teil-Dienstleistung, sondern um ein gesamtes Projekt mit der Verknüpfung mehrerer L.I.T.-Töchter geht, zentral bearbeitet werden. Auch bei der Integration neuer Tochterfirmen oder weiterer Auslandsstandorte spielen diese Young Professionals eine wichtige Rolle und sammeln gleichzeitig wertvolle internationale Erfahrungen.

Dirk Schröder: Wir als WESTFALIA intralog sind vor fünf Jahren zur L.I.T Gruppe gestoßen und damit im OWL-Verbund das jüngste Unternehmen. Im Wesentlichen liegt unser Fokus auf Jumbo-Wechselbrücken. In der Gruppe besitzen wir rund 4.500 dieser Jumbo-Wechselbrücken, wovon aber rund 2.500 durch uns als Westfalia disponiert werden und bei uns fest im Einsatz sind. Wir sind spezialisiert auf Industrieverpackungen für die chemische Industrie, aber auch andere Industrieverpackungen, wie Müllgefäße. Wir sind vor 43 Jahren aus der Firma SULO in Herford hervorgegangen und haben uns dann nach und nach auf Industrieverpackungen, Altkleider, recyclebare Textilien oder aber für einen großen Kunden vor 23 Jahren auf den Transport von Verpackungsglas – also Flaschen in jeglichen Größen – spezialisiert. Das sind unsere Kerngeschäfte und damit sind wir auch groß geworden. Darüber hinaus beschäftigen uns mit intralogistischen Themen, übernehmen also für einen Kunden Aufgaben, wie Ver- und Entsorgung der Produktion, Be- und Entladung der Fertigwaren, Kommissionierung, etc.!

Wechselbrücken bringen ein hohes Maß an Flexibilität, weil die Fahrzeuge schon vorbeladen werden können und die Wechselbrücke einfach aufnehmen können. Kunden können die Wechselbrücken somit auch für sich als Lager nutzen. Für uns als Spediteur hat es den Vorteil, dass wir dadurch flexibler agieren können und gegebenenfalls auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten, die Brücken tauschen können.

WESTFALIA intralog hat in der Vergangenheit auch Zukäufe getätigt.

Dirk Schröder: Ganz genau. Wir haben die Spedition Würfel in Bremerhaven übernommen, weil sie vom Produktportfolio genau zu uns passte und dadurch weitere 800 Wechselbrücken in unsere Verantwortung übergegangen sind. Zusätzlich haben wir noch Fahrzeuge und Fahrer dazubekommen, weil wir ohnehin unsere Kapazitäten erweitern wollten. Aufgrund dieser Übernahme betreiben wir auch den Standort in Bremerhaven mit sechs Mitarbeitenden. Weil wir große Volumina abdecken können, sind bei einigen wirklich großen Unternehmen der exklusive Wechselbrücken-Partner.

Wenn wir so ein bisschen auch auf OWL zu sprechen kommen. Sie sitzen in Herford, Sie kommen aus der SULO. Das heißt, ostwestfälischer geht es ja kaum. Kann man ungefähr abschätzen, wie viel macht das OWL-Geschäft oder die OWL-Tätigkeit vom Gesamten aus?

Dirk Schröder: Das ist schwer zu beziffern. Ich würde schätzen, dass es noch so 20 bis 25 Prozent sind. Aber unser Herz ist halt ostwestfälisch und unser Herz schlägt hier. Und somit zeichnet uns und auch die gesamte L.I.T. Gruppe die ostwestfälische Bodenständigkeit und die Ehrlichkeit, die hinter all unseren Geschäften steht, aus. Das heißt, und dafür stehen wir Drei hier am Tisch: Wir machen nur Geschäfte, von denen wir wissen, das können wir. Wir sagen dem Kunden nur das zu, was wir wirklich einhalten können. Dieser Ansatz ist hier in OWL sehr verbreitet und deswegen fühlen wir uns – obwohl wir auch europaweit tätig sind -, hier zu Hause.

Herr Hölkemeier, welche Leistungen bringt ihr Unternehmen in die L.I.T. Gruppe mit ein?

Lars Hölkemeier: Mein Team und ich sind nun im achten Jahr bei der L.I.T. Gruppe. Und alles, was Kai Wullbrandt über die L.I.T-Gruppe gesagt hat, kann ich blind unterschreiben. Mein Schulfreund und heutiger Mit-Geschäftsführer der Hölkemeier Spedition ging schon 2001 zur L.I.T. So entstand unsere Verbindung schon vor 25 Jahren und ich habe für sie Lagertätigkeiten übernommen. Das war auch die Zeit, in der ich voll auf die Bereitstellung von Lagerflächen gesetzt habe. Zu dieser Zeit war das für die Branche ungewöhnlich. Heute würde man sagen, ich habe alle meine Chips auf dieses eine Pferd gesetzt. Erst habe ich die Lagerflächen gemietet und dann selber Lagerhallen gebaut und L.I.T. war einer der Nutzer. Daraus entstanden ist die Kontraktlogistik und jetzt eben das Warehousing und regionale Transporte in Ostwestfalen unter dem Namen Hölkemeier.

Gibt es denn frühere Hölkemeier-Dienstleistungen, die nun von einer anderen L.I.T.-Abteilung bedient werden?

Lars Hölkemeier: Mit unseren 20 Lkw übernehmen wir weiterhin die Wege zum Kunden und vom Kunden weg. Das muss man im Warehousing auch weiter aus einer Hand leisten. Wir haben aber festgestellt, dass man nicht auf allen Hochzeiten tanzen kann. Deswegen liegt der Transport nun bei Kai Wullbrandt und seinem Team. Größere Strecken übernimmt dann unsere OWL-Abteilung bei der L.I.T. Spedition, die ja auch nur eine Straße weiter im Industriegebiet Minden-Päpinghausen sitzt. Im Bereich gemeinsamer Projekte wachsen wir gerade, weil wir zwei große Ausschreibungen gewonnen haben. Übrigens, dank der Unterstützung der L.I.T. Solutions mit ihrem Fachwissen für EDV-Schnittstellen. Man sieht, es ergänzt sich einfach super. Und das nicht nur fachlich, sondern auch menschlich. In der L.I.T. Solutions sitzen junge Mitarbeitende, ich bin ja schon etwas älter. Aber jeder hat ‚Bock‘ darauf, von den anderen zu lernen. Die jungen von den älteren und umgekehrt. Das macht die L.I.T. Gruppe auch aus. Und das macht dann Spaß. Ich denke, der Teamgedanke kommt in dem beschriebenen Fall ganz gut rüber.

Konkret betriebt Hölkemeier also im Großen und im Ganzen die Lagerhäuser in OWL?

Lars Hölkemeier: Wir lagern für bekannte Marken aus den Bereichen Konsumgüter, Tiernahrung und Süßwaren und gewährleisten Transporte und Kühltransporte mit der ebenfalls zur Gruppe gehörenden Weser-Trans GmbH. Durch das Wachstum der L.I.T. Gruppe entstand natürlich der Bedarf nach mehr Lageflächen. Und weil wir die für Hölkemeier über die Jahre gebaut haben, konnten wir diese Flächen in die Gruppe mit einbringen. Unter anderem in Barsinghausen und dann haben wir als Leuchtturm-Projekt vor nicht allzu langer Zeit hier am Mindener Regioport am Mittellandkanal gebaut. Das nächste Leuchtturmprojekt entsteht ja gerade im Kalletal. 

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Seit etlichen Jahren fährt die Wirtschaft im Krisenmodus. Hinzu kommt eine zunehmende Regulatorik. Wie wirkte sich das alles auf die Logistikbranche aus?

Kai Wullbrandt: In der Logistikbranche löste bereits 2005 die Einführung der Lkw-Maut eine deutliche Kostensteigerung aus. Stufenweise erhöhte sich diese im Jahr 2009, 2018 durch eine Ausweitung auf Bundesstraßen und 2023 durch eine Verdopplung der Sätze. Mit den Kunden fand man immer ein Agreement, wobei viele Verhandlungen zäh verliefen, und enorme Kapazitäten gebunden haben, ohne das dem ein Mehrwert gegenüberstand. Im Gegenteil, die Gebühren für die Leerkilometer bleiben größtenteils bei uns und schmälern die Marge.

Globale Krisen wie die Corona-Pandemie, aktuelle Kriegsgeschehen und weitere wirtschaftliche Unsicherheiten dämpfen derzeit die Wirtschaftsentwicklung und damit auch das Transportaufkommen. Die daraus resultierende Entlastung verdeckt bislang die zunehmende Laderaumverknappung infolge des anhaltenden Fahrpersonalmangels sowie der steigenden Zahl von Insolvenzen und Unternehmensaufgaben. Sichtbar wird diese Entwicklung aktuell vor allem in Belastungsspitzen, etwa durch Kurzwochen. Dennoch stellt sie ein klares Warnsignal dar: Bereits ein geringes Wirtschaftswachstum wird künftig die verfügbaren Transportkapazitäten überfordern und zu deutlich längeren Vorlaufzeiten in den Lieferketten führen.

Lars Hölkemeier: Dazu kommen die gestiegenen Energiekosten. Da sprechen wir nicht nur über Kosten für Kraftstoff, sondern auch über indirekte Kosten. Dadurch, dass Öl teurer wurde, stiegen beispielsweise die Preise für Reifen oder auch Werkstattkosten. Diese Kosten kann man schlecht weitergeben. 

Dirk Schröder: Und Corona war natürlich erst einmal ein Worst Case. Produktionen standen still. Weil Halbleiter fehlten, wurden Werke vorübergehend geschlossen oder auch, wenn Mitarbeitende in Quarantäne mussten. Das verringerte die Produktionsvolumen und das spürten wir auch in der Logistikbranche massiv.

Lars Hölkemeier: Das Warehousing hat von Corona profitiert. Nach zwei Monaten löste sich die erste Schockstarre, verdoppelten die Unternehmen plötzlich ihre Lagerbestände, um sich unabhängiger von den Lieferketten zu machen. Die Anfragen kamen am laufenden Band rein: ‚Wieviel Lagerfläche habt ihr noch? Wir versuchen gerade, am Markt alles zu bekommen, was noch irgendwie geht‘, hieß es von den Kunden. Bei uns herrschte ein wahrer Boom und wir mussten weitere Flächen anmieten, wo wir zum Glück auch kurzfristig wieder aus den Mietverhältnissen herauskamen, weil die überhitzte Nachfrage nach Lagerbeständen natürlich auch wieder nachließ beziehungsweise sich normalisierte.

Kai Wullbrandt: Im Ergebnis hieß das: Kleine Unternehmen, die nur auf einem Feld tätig waren, bekamen massive Probleme. Wir konnten Corona in der L.I.T. Gruppe aufgrund der Diversität sehr gut auffangen. Getränke, Baumaterialien und Hygieneartikel wurden in dieser Zeit ja stark nachgefragt und mussten dementsprechend transportiert werden.

Dirk Schröder: Die Krisen verschärfen in unserer Branche den Trend zur Konzentration. Das betrifft ja nicht nur die L.I.T. Gruppe. Was wir aber in den vergangenen sechs Monaten zu beobachten ist, dass die kleinen Unternehmen in rasanter Geschwindigkeit vom Markt verschwinden. Diese Dynamik ist neu und entsteht daraus, weil im Hintergrund die finanziellen Mittel fehlen, die ständig von heute auf morgen entstehenden Mehrbelastungen zu stemmen. Dazu kommen fehelende Nachfolgeregelungen und natürlich auch der Fahrermangel. Der entstand auch, weil die Führerscheinausbildung derart verschärft wurde. Der Branche wurden in vergangenen Jahrzehnten von der Politik viele Knüppel in den Weg geworfen. Im Transportsektor sind die Margen ohnehin geringer als in anderen Branchen. Deswegen ist die Diversität – sowohl auf der Seite der Kunden, für die wir tätig sind, als auch in unserem Leistungsportfolio so enorm wichtig. Die daraus resultierende Resilienz in der L.I.T. Gruppe ist deshalb Gold wert.

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Kai Wullbrandt: Deswegen hatten wir auch in der Corona-Zeit unser bis dahin bestes Jahr. Wir haben Kunden dazugewonnen, weil die sich größere, resiliente Partner gesucht haben. Eben aus der Angst heraus, dass ihnen der bisherige Dienstleister wegbrechen könnte. Und wir konnten mit den Kunden dann auch über den Preis wirklich fair auf Augenhöhe verhandeln, weil wir Leistungen garantieren konnten. Für manche Kunden sind wir tatsächlich absolut systemrelevant geworden.

Nicht nur die Logistik-Branche kritisiert die schlechte Infrastruktur laut. Welche Probleme entstehen daraus für die Logistiker ganz genau?

Lars Hölkemeier: Eins vorneweg: Würden seit 2005 100 Prozent der Maut und nicht nur 30 Prozent für den Verkehrssektor eingesetzt, hätten wir diese Thematik nicht. In der Theorie müsste ja auch die Mineralölsteuer – übrigens ist hier unsere Branche der größte Zahler -, für die Instandsetzung der Infrastruktur eingesetzt werden.

Dirk Schröder: Nehmen wir mal als Beispiel auf der A45 die Rahmede-Talbrücke bei Lüdenscheid. Die Umwege, die der Lkw aufgrund der Sperrung beziehungsweise der aktuellen Einspurigkeit auf dieser wichtigen West-Süd-Verbindung fahren muss, das ist schon heftig. Durch die Mehrkilometer kommen die Fahrzeuge schneller an ihre Kilometergrenze und werden logischerweise anfälliger. Zu den zusätzlichen Kosten aus Standkosten, Vertragsstrafen bei unpünktlicher Lieferung oder Abholung verursachen die Verzögerungen natürlich auch zusätzlichen Stress bei den Fahrern.

OWL wird gemeinhin auch als eines der Kraftzentren der deutschen Wirtschaft beschrieben. Welche Rolle spielt OWL als Markt auf die gesamte L.I.T. Gruppe gesehen?

Kai Wullbrandt: Wenn man die drei Unternehmen aus der OWL-Gruppe zusammenrechnet, kommen wir auf rund 270 Millionen Euro Umsatz von der etwas mehr als eine Milliarde der L.I.T. Gruppe. Das ist schon ein ordentlicher Teil. Von der Mitarbeiterzahl sind wir als OWL-Gruppe der größte Standort.

Lars Hölkemeier: Diese Konzentration von Standorten in Minden und Herford und bald auch im Kalletal ist auch strategisch wichtig für die Gewinnung von Mitarbeitenden. Speziell bei der Gewinnung von Auszubildenden. Wir können hier standortübergreifend mit kurzen Wegen eine fundierte und anspruchsvolle Ausbildung in vielen Unternehmensbereichen gewährleisten. Verbunden mit den flachen Hierarchien, der Stabilität des Unternehmens, den Perspektiven und den internen Förderungsmöglichkeiten macht uns das für junge Menschen als Arbeitgeber interessant.

Dirk Schröder: Nicht nur der Wettbewerb um gute Auszubildende ist hart, sondern generell der der um gute Mitarbeitende. Und hier ist die Nähe auch ein großer Vorteil. Für den Fall, dass in einem Gruppenmitglied in OWL ein Mitarbeiter ausfallen würde, können wir das von anderer Stelle schnell auffangen.

Lars Hölkemeier: Zudem ergeben sich im Vertrieb große Synergien. Bei uns hat jede Dienstleistung im OWL-Verbund sozusagen eine Heimat. Wir können dann alles aus einer Gruppe heraus anbieten. Das erleichtert uns die Ansprache potenzieller Kunden und festigt auch bestehende Kundenbeziehungen.

Logistik wird immer digitaler. Kann man ungefähr sagen, wann es damit in der Branche losging und wie kann die L.I.T. Gruppe das für sich nutzen?

Kai Wullbrandt: Das begann bereits Mitte der 1990er Jahre: Statt hauptsächlich telefonisch zu kommunizieren, setzte die Logistik zunehmend auf Satellitenkommunikation. Dadurch waren Fahrer deutlich besser erreichbar. Heute arbeiten Fahrer mit Tablets im Lkw, über die Routenplanung, Auftragsabwicklung und viele weitere Prozesse digital gesteuert werden.

Besonderen Fokus legen wir auf den Bereich Künstliche Intelligenz. Innerhalb der L.I.T. Gruppe beschäftigt sich eine eigene KI-Einheit gezielt damit, wie sich Prozesse weiter automatisieren und effizienter gestalten lassen. So können Fahrer nach der Entladung Lieferscheine oder Frachtbriefe einscannen, woraufhin Rechnungen automatisiert erstellt und über Nacht tausendfach versendet werden. Die Potenziale von KI in der Logistik sind dabei noch lange nicht ausgeschöpft.

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Auch in der Routenplanung und an großen Werksstandorten ist die Digitalisierung längst angekommen: Dort kommen automatisierte Zeitbuchungssysteme zum Einsatz, die ankommende Lkw bereits frühzeitig registrieren und die Zufahrt sowie das passende Tor automatisch zuweisen.

Dirk Schröder: Der Kunde hat nicht immer einen klassischen Warenein- und ausgang, bei dem alles reibungslos läuft. Wenn der Auflieger nicht genau zum richtigen Zeitpunkt beim Kunden ist, dann hat der unter Umständen ein Problem. Im Automotive-Bereich ist das schon extrem und das muss man als Dienstleister handeln können, damit der Kunde durch die sequenzielle Anlieferung störungsfrei produzieren kann. Überspitzt gesagt, kommt der vormontierte Stoßfänger beim Kunden an und der Mitarbeitende am Band baut den sofort ein.

Das bedeutet, L.I.T. montiert im Automotive-Bereich auch Teile vor?

Kai Wullbrandt: Ja, das macht bei uns eine eigene Sparte und wir bieten das als einen unserer Dienstleistung vorgelagerten Value-Added-Service an.

Lars Hölkemeier: Aber auch nachgelagert. Einfaches Beispiel: Von einem Produkt gibt es drei Ausführungen. Unser Team im Warehousing-Bereich nimmt das Produkt von der großen Palette und packt es sortenrein in kleinere Kartons um, so dass der Supermarkt diese Kartons nur noch ins Regal stellen muss.

Stichwort Nachhaltigkeit. Gerade das große Lagergebäude im Mindener Regioport ist in dieser Beziehung ein starkes Beispiel. Kam der Anstoß dazu von innen heraus oder war es einem großen Kunden besonders wichtig?

Lars Hölkemeier: Beides. Für Kunden wird es immer wichtiger und außerdem kommt der Klimawandel ja. Auch hier in OWL werden wir mehr Sonnenstunden bekommen, die Speicher werden ebenfalls günstiger. Von daher wird sich das Investment in Nachhaltigkeit an diesem Standort, der ja immerhin 40.000 Quadratmeter hat, amortisieren. Außerdem produzieren wir nicht nur Energie für das Gebäude, sondern unterhalten auch unsere E-Lkw. Gleiches gilt für den im Bau befindlichen Standort im Kalletal.

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Dirk Schröder: Im Bereich der Kurzstrecke werden sich E-Lkw auf jeden Fall durchsetzen. Deswegen werden wir das auch in Herford umsetzen. Es ist, das muss man aber auch sagen, ein planerischer Aufwand, um die baulichen Voraussetzungen zu schaffen.

Kai Wullbrandt: In der L.I.T. Gruppe haben wir für Nachhaltigkeit eine eigene Stabsstelle geschaffen. Das unterstreicht, wie wichtig auch dem Vorstand dieses Thema ist. Es geht dabei nicht immer nur um die großen Themen, sondern auch um die vielen kleinen, in denen man etwas bewirken kann.

Lars Hölkemeier: Innerhalb der Gruppe haben wir darüber hinaus eine eigene Abteilung eingerichtet, die sich ausschließlich mit alternativen Antrieben beschäftigt und genau hinschaut, an welchen Stellen der Einsatz Sinn macht. Wir gehen dieses Thema also auch strategisch an.

Kai Wullbrandt: Durch den Dieselpreis wird das generell immer interessanter. Es wird die Resilienz der L.I.T. Gruppe stärken und ist somit auch ein ökonomisch-strategisches Kernthema. Aber bei der Ladeinfrastruktur für Lkw muss noch sehr viel passieren.

 

Vielen Dank, dass Sie sich so viel Zeit genommen haben für dieses Interview.