Lemgo. Trotz der Bemühungen um eine stärkere Elektrifizierung in vielen Bereichen werden flüssige und gasförmige Energieträger aufgrund der hohen Energie- und Leistungsdichten auch langfristig eine wesentliche Rolle bei der Energieversorgung spielen. Nach Einschätzung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden die Klimaziele im Verkehrssektor ohne den zusätzlichen Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe kaum erreichbar sein. Zu diesem Ergebnis kamen mehr als 60 Fachleute aus Wissenschaft, Industrie und Verbänden bei der siebten Tagung der Fuels Joint Research Group (FJRG) am 11. und 12. Juni 2026 im historischen Rathaus der Alten Hansestadt Lemgo.

Für das Programm zeichnete Tagungsleiter Dr. Thomas Schulte, Professor an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) und Leiter des Instituts für Energieforschung (iFE) der TH OWL, verantwortlich. Die Veranstaltungsorganisation lag in den Händen von David Lambert, Leiter der iFE-Geschäftsstelle.

Flüssige und gasförmige Energieträger weiter vonnöten

Nach Ansicht der Teilnehmenden werden insbesondere Luftfahrt, Schifffahrt, Schwerlastverkehr und bestehende Fahrzeugflotten auch künftig auf flüssige und gasförmige Energieträger angewiesen sein. Neben der Elektromobilität seien daher Biokraftstoffe, Wasserstoff, Methanol, Ammoniak und synthetische Kraftstoffe wichtige Bausteine einer klimaverträglichen Mobilität.

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„Wer die Klimaziele ernst nimmt, darf erneuerbare Kraftstoffe nicht gegen Elektromobilität ausspielen. Wir brauchen beides“, sagte Professor Dr. Jürgen Krahl, Präsident der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL). Wichtig seien Ansätze, Kraftstoffe nachhaltiger zu machen. „Kraftstoffe selbst sind nicht das Problem, sondern ihre Herkunft. Das postfossile Zeitalter fängt ja nicht erst an, wenn die fossilen Energieträger verbraucht sind.“

Ein Schwerpunkt der Tagung lag auf den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Nach Einschätzung der Fachleute werden die europäischen Regelwerke RED III und ETS2 maßgeblich beeinflussen, welche klimafreundlichen Kraftstoffe künftig wirtschaftlich wettbewerbsfähig sein werden. Gleichzeitig sahen die Teilnehmenden weiterhin Unsicherheiten bei Investoren in neue Produktionskapazitäten.

Fortschritte bei Effizienz und Skalierbarkeit

Vorgestellt wurden zudem aktuelle Forschungsergebnisse zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe. Neue Power-to-Liquid- und Syngas-Verfahren haben nach Angaben der Forschenden nennenswerte Fortschritte bei Effizienz und Skalierbarkeit erzielt. Offen bleibe jedoch die Frage, ob künftig ausreichend erneuerbare Kraftstoffe verfügbar sein werden, um die europäischen Klimaziele zu unterstützen.

Darüber hinaus diskutierten die Anwesenden neue Ansätze zur Emissionsminderung bei Verbrennungsmotoren sowie den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Entwicklung von Kraftstoffen, Emissionsmodellierung und Verbrennungsoptimierung.

Herkunft der Treibstoffe entscheidend

Professor Dr. Stefan Witte, TH-OWL-Vizepräsident für Forschung und Transfer, erklärte hierzu: „Postfossile Mobilität bedeutet nicht, auf Verbrennerantriebe zu verzichten, sondern es geht um eine andere Herkunft der Treibstoffe.“ Gleichwohl sei die CO2-Reduktion für den Klimaschutz notwendig. „Antriebsenergie sollte aber nicht auf fossilen Energieträgern basieren. Wir werden aber nicht alle Antriebe und Mobilitätsarten (schnell) batterieelektrisch lösen können.“

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Vor diesem Hintergrund verwies Professor Witte auf das Forschungsinfrastrukturprojekt Mobilitätszentrum UrbanLand (MZL), das derzeit auf dem Innovation Campus Lemgo umgesetzt und sich schon bald unter anderem mit umweltfreundlichen Antrieben beschäftigen wird. Zudem unterstrich der Fachmann die Bedeutung OWL als Modellegion für ländliche Räume in Sachen postfossile, automatisierte und vernetzte Mobilität.

Neben dem Klimaschutz spielte auf der Fachtagung auch die Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle. Heimisch verfügbare flüssige und gasförmige Energieträger sind nach Einschätzung der Forschenden zudem für die Energieversorgung in Krisensituationen bedeutend.

Die Fuels Joint Research Group wurde 2012 gegründet und vereint heute 15 Forschungspartner aus Deutschland. Auf der Tagung präsentierten 24 Referenten in 16 Fachvorträgen sowie einer Postersektion aktuelle Forschungsergebnisse zu Kraftstoffen, Antriebssystemen und nachhaltiger Mobilität.

Nachwuchsförderpreis verliehen

Professorin Dr. Anika Sievers (links) zeichnete im Rahmen des Nachwuchsförderpreises die Preisträger aus: Ewald Keksel (3. von links) erhielt den 1. Platz, Florian Zacherl (7. von links) den 2. Platz, Svenja Iserloth (6. von links) und Yasin Incedag (5. von links) gemeinsam den 3. Platz. Foto: TH OWL
Professorin Dr. Anika Sievers (links) zeichnete im Rahmen des Nachwuchsförderpreises die Preisträger aus: Ewald Keksel (3. von links) erhielt den 1. Platz, Florian Zacherl (7. von links) den 2. Platz, Svenja Iserloth (6. von links) und Yasin Incedag (5. von links) gemeinsam den 3. Platz. Foto: TH OWL

Im Rahmen der FJRG-Fachtagung wurde zudem der Nachwuchsförderpreis verliehen. Teilgenommen hatten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die im Themenbereich der nachhaltigen Kraftstoffforschung arbeiten und ihre Forschungsergebnisse in einer Posterpräsentation vorgestellt haben. Den ersten Platz belegte Ewald Keksel, der zweite Platz ging an Florian Zacherl. Den dritten Platz teilten sich Svenja Iserloth und Yasin Incedag.

Weitere Informationen sowie der Tagungsband zur Veranstaltung sind unter www.fuels-jrg.de verfügbar.

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