Kreis Lippe (pm/mmm). Der neue Berufsbildungsausschuss (BBA) der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe) hat seine Arbeit aufgenommen. „Der Fachkräftemangel wird sich weiter verschärfen. Wir können es uns deshalb nicht leisten, Potenziale in der beruflichen Bildung ungenutzt zu lassen. Der neue Berufsbildungsausschuss startet in einer Zeit, in der wichtige Weichen gestellt werden müssen – für starke Ausbildungsbetriebe, attraktive Berufskollegs und gute berufliche Perspektiven in Lippe“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführerin Svenja Jochens.  

Sie begrüßte die neu- und wiederberufenen Mitglieder. In seiner konstituierenden Sitzung stellte das Gremium die Weichen für die neue Amtsperiode, die bis zum 31. Juli 2030 läuft. Die Ausgangslage sei anspruchsvoll, betont die IHK: Viele Unternehmen hätten zunehmend Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Gleichzeitig verschärfe die demografische Entwicklung den Wettbewerb um junge Menschen. Besonders deutlich werde dies 2026 durch die Umstellung auf G9: Während in Lippe 2025 noch rund 1.200 junge Menschen das Abitur ablegten, waren es 2026 nur rund 460 .

„Unsere Unternehmen wollen ausbilden und brauchen den Nachwuchs dringender denn je. Aber ein Ausbildungsplatz allein reicht heute nicht mehr. Wir müssen junge Menschen früher erreichen und dafür sorgen, dass Betriebe und Bewerber besser zusammenfinden “, sagt Boris Hagemeier (Phoenix Contact GmbH & Co. KG), Vorsitzender der Arbeitgeberseite und einer der beiden alternierenden Vorsitzenden des Berufsbildungsausschusses. „Jeder erfolgreich besetzte Ausbildungsplatz ist eine Investition in die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes,“

Schulentwicklungsplan als Chance für die Berufskollegs

Eine besondere Bedeutung komme in den kommenden Jahren der Weiterentwicklung der Berufskollegs in Lippe zu, heißt es von der IHK weiter. Sinkende Schülerzahlen und Veränderungen bei Ausbildungsberufen und Qualifikationsanforderungen machten es notwendig, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln.

Der Schulentwicklungsplan des Kreises Lippe biete dabei die Chance, die berufliche Bildungslandschaft langfristig zukunftsfähig aufzustellen. „Die Qualität der dualen Ausbildung hängt entscheidend davon ab, dass betriebliche und schulische Ausbildung gut ineinandergreifen. Wir brauchen starke Berufskollegs und Bildungsangebote, die für junge Menschen erreichbar und attraktiv sind und ihnen langfristige berufliche Perspektiven eröffnen“, betont Thomas Aulbur (DGB Region OWL), Vorsitzender der Arbeitnehmerseite und einer der beiden alternierenden Vorsitzenden des Berufsbildungsausschusses.

Ausbildung und Fachkräftesicherung gemeinsam weiterentwickeln

Neben der Entwicklung der Berufskollegs stehen der Ausbildungsmarkt und die Gewinnung junger Menschen für die duale Ausbildung im Mittelpunkt der neuen Amtsperiode. Auch die Qualität der Ausbildung, neue und modernisierte Ausbildungsberufe, die Weiterbildung sowie die Auswirkungen von Digitalisierung, Industrie 4.0 und Künstlicher Intelligenz auf Berufsbilder und Qualifikationsanforderungen werden den Ausschuss beschäftigen.

Dabei startet die neue Amtsperiode mit einem positiven Signal: Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen liegt die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse bei der IHK Lippe aktuell leicht über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig zeigen die weiterhin zahlreichen offenen Ausbildungsplätze , dass das Zusammenbringen von Betrieben und Jugendlichen eine der zentralen Herausforderungen bleibt.

Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Berufskollegs an einem Tisch

Der Berufsbildungsausschuss nimmt innerhalb der IHK eine besondere Stellung ein. Nach dem Berufsbildungsgesetz ist er in allen wichtigen Angelegenheiten der beruflichen Bildung zu unterrichten und anzuhören und wirkt an wesentlichen Regelungen zur Durchführung der beruflichen Bildung mit. Im Ausschuss arbeiten jeweils sechs Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und sechs Lehrkräfte der Berufskollegs zusammen.

Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven machen den Berufsbildungsausschuss zu einem wichtigen Forum für die Weiterentwicklung der beruflichen Bildung in Lippe. In den kommenden vier Jahren soll es deshalb nicht nur darum gehen, auf Veränderungen zu reagieren, sondern die Rahmenbedingungen für Ausbildung und Fachkräftesicherung in der Region gemeinsam aktiv mitzugestalten.

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