Minden . Alle reden über Künstliche Intelligenz (KI) – aber wer setzt sie im Mittelstand tatsächlich schon produktiv ein? Viele Unternehmen stehen noch ganz am Anfang. Fehlendes Know-how, rechtliche Unsicherheiten und digitale Rückstände sind Hindernisse, die den Einsatz von KI erschweren.

Der von den beiden Arbeitgeberverbänden Herford und Minden-Lübbecke veranstaltete Vortrag zeigte Beispiele anhand mehrerer Beispiele aus der Region: KI kann schon heute echten Mehrwert liefern – wenn sie praxisnah, sicher und zielgerichtet eingesetzt wird.

Den Abend eröffnete Prof. Dr. Hans Brandt-Pook vom Institute for Data Science Solution (IDaS) an der Hochschule Bielefeld mit einem Vortrag und zeigte auf, dass die Entwicklung von KI ab 1950 mit Alans Turings Ideen zum maschinellen Denken einsetzte und sich bis auf die Phase zwischen 1970 und 1980 – auch als KI-Winter bezeichnet – über Expertensysteme, maschinelles Lernen und Deep Learning bis zur Generativen KI weiterentwickelte.

Anschließend teilte Brand-Pook wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, die regionale Unternehmen bei der Implementierung von KI-Projekten konkret vorangebracht haben. Zwei zentrale Aussagen am Ende des Vortrages unterstrichen, wie hoch eigentlich der Handlungsdruck in den Unternehmen in Bezug auf KI ist. Zum einen der Vergleich mit der Entwicklung des Internets: „Die nach 2010 geborenen Generation kennt nur eine Welt mit künstlicher Intelligenz.“ Und zum anderen: „Sie können sich sicher sein. KI ist kein Schnupfen, der irgendwann verschwindet.“

Im Rahmen einer Veranstaltung der Arbeitgeberverbände Herford und Minden-Lübbecke stellte Oliver Parizzas die beiden KI-Lösungen „b2b.ki“ interessierten Vertreterinnen und Vertretern ostwestfälischer Mittelständler vor. Foto: Bendig
Im Rahmen einer Veranstaltung der Arbeitgeberverbände Herford und Minden-Lübbecke stellte Oliver Parizzas die beiden KI-Lösungen „b2b.ki“ interessierten Vertreterinnen und Vertretern ostwestfälischer Mittelständler vor. Foto: Bendig

Vom Hype zum praktischen Nutzen

An den Vortrag schloss Oliver Parrizas, Head of Digital Transformation bei „BRUNS_digital“ an „KI ist kein Hexenwerk“, so Parrizas und ergänzte: „Im Kern geht es darum, Muster in Daten zu erkennen und diese nutzbar zu machen – so wie wir Menschen es täglich intuitiv tun.“ Genau darauf setzen zwei Systeme, die speziell für die Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen entwickelt wurden: „ b2b.ki “ und „42°OS“.

b2b.ki “ – Der sichere Wissens-Tresor

Mit „ b2b.ki “ wurde ein KI-System geschaffen, das besonders die hohen Anforderungen deutscher Unternehmen an Sicherheit und Datenschutz erfüllt. Es funktioniert wie ein digitaler Tresor: Interne Dokumente werden geschützt gespeichert, sind DSGVO-konform aufrufbar und verlassen niemals den Hoheitsbereich des Unternehmens – weder beim Hosting vor Ort noch in zertifizierten Cloud-Umgebungen.

Die Stärke von „ b2b.ki “ liegt in der präzisen Beantwortung komplexer Fragen. Möglich wird das durch eine Kombination aus Retrieval Augmented Generation (RAG), semantischer Suche und klassischen Algorithmen wie BM25. Für Anwender bedeutet das: schnelle, zuverlässige und nachvollziehbare Antworten – mit Quellenangabe und in mehr als 50 Sprachen.

Ein Praxisbeispiel: Der Service-Chatbot bei Sitron

Wie das konkret aussieht, zeigt der Einsatz bei der Sitron Sensor GmbH in Isernhagen. Dort werden Sensoren unter anderem in Bahntüren verbaut, die regelmäßig gewartet werden müssen. Servicetechniker hatten bisher umständlich PDF-Dokumente durchsucht – oft nachts, draußen im Einsatz. Heute liefert ein KI-gestützter Service-Chatbot die passenden Antworten in Sekunden, sogar per Bild- oder Spracheingabe. Das Ergebnis ist ein 24/7-Support ohne zusätzliches Personal, bis zu 70 Prozent Entlastung des Serviceteams und eine spürbar höhere Kundenzufriedenheit.

„42°OS“ ist das Betriebssystem für den Mittelstand

Während „ b2b.ki “ die Unternehmensinformationen intelligent verfügbar macht, geht „42°OS“ einen Schritt weiter: Es automatisiert ganze Prozesse. Die Plattform, entwickelt von einem Partnerunternehmen aus Gütersloh, verbindet bestehende Softwarelösungen und macht aus starren Abläufen intelligente Workflows.

Ob Mitarbeiter-Onboarding, Maschinenüberwachung oder Auftragsbearbeitung – „42°OS“ setzt dort an, wo Zeitverluste und Fehler durch manuelle Prozesse entstehen. Besonders interessant: Das System läuft auf Wunsch komplett ohne Internetleitung innerhalb der Firmen-IT. Für Betriebe mit hohen Sicherheitsanforderungen ist das ein entscheidender Vorteil.

Ein Praxisbeispiel: Die automatisierte Auftragsabwicklung in einem Metallbetrieb

Ein metallverarbeitender Betrieb aus dem Kreis Gütersloh stand vor der Herausforderung, individuelle Fertigungsaufträge mit vielen Anhängen und Berechnungen effizient abzuwickeln. Mit „42°OS“ wurde der gesamte Prozess – von der Anfrage über die Datenklassifizierung bis zur Produktionsplanung – automatisiert. Die Vorteile: deutlich kürzere Bearbeitungszeiten, geringere Fehlerquote und mehr freie Kapazitäten für wertschöpfende Aufgaben.

Ob „ b2b.ki “ als intelligenter Wissens-Tresor oder „42°OS“ als Betriebssystem für Automatisierung: Die Lösungen zeigen, dass der Mittelstand von KI profitieren kann – sicher, praxisnah und wertschöpfend. Entscheidend ist, den ersten Schritt zu gehen.

Das KI-System „b2b.ki“ erfüllt die hohen Anforderungen der DSGVO-Verordnung. Sensible Daten sind wie in einem Tresor geschützt und dringen nie nach außen. Grafik: BRUNS_digital
Das KI-System „b2b.ki“ erfüllt die hohen Anforderungen der DSGVO-Verordnung. Sensible Daten sind wie in einem Tresor geschützt und dringen nie nach außen. Grafik: BRUNS_digital

Infobox: Erfolgsfaktoren für KI-Projekte im Mittelstand

  • Die Beispiele zeigen: Der Einstieg in KI gelingt nicht über „große Würfe“, sondern durch pragmatische Pilotprojekte. Erfolgsentscheidend sind drei Faktoren:
  • Klein starten, schnell Erfolge sichtbar machen, dann skalieren.
  • Mit Pragmatismus Probleme aus dem Alltag lösen – nicht Trends hinterherlaufen.
  • Die Unternehmensführung muss die Richtung vorgeben, denn eine Umsetzung gelingt nur mit engagierten „KI-Botschaftern“ in den Fachabteilungen.
  • Denn eines ist klar: KI im Mittelstand ist kein Produkt von der Stange, sondern immer ein Projekt – individuell angepasst an Prozesse, Mitarbeiter und Kunden.