Lemgo/Minden/Bielefeld. Die Fahrschulen erleben derzeit einen erheblichen Rückgang an Anmeldungen für den PKW-Führerschein. Grund dafür ist die auf Bundesebene angekündigte Reform der Ausbildung, mit dem Ziel, die Kosten zu senken. Ob und wann eine Reform kommt und was sie bringt, ist völlig offen. Die IHK Ostwestfalen hatte die Reformpläne zuletzt begrüßt.

Laut Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kostet die Fahrerlaubnis bundesweit im Schnitt ungefähr 3.500 Euro, ein Betrag, der nach Einschätzung vieler Fahrschulen trotz Reform kaum sinken dürfte. Zudem hat die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände Befürchtungen geäußert, dass die Vorschläge des Bundesverkehrsministers, aus Kostengründen auf den Präsenzunterricht bei der theoretischen Ausbildung zu verzichten, der Verkehrssicherheit schaden.

„Nicht die Schulungsräume, sondern die gestiegenen Kosten für Neuwagen und für Personal sind die Treiber.“ Harald Pohlmann

„Die Ersparnis wäre minimal“, sagt Harald Pohlmann, Inhaber der Fahrschule Zöllner mit Niederlassungen in Bielefeld, Lemgo und Minden. „Nicht die Schulungsräume, sondern die gestiegenen Kosten für Neuwagen und für Personal sind die Treiber“, so Pohlmann. „Wenn der Staat den Führerscheinpreis spürbar senken will, dann sollte er den Fahrschulen die Energiesteuer, die aktuell bei 65,45 Cent pro Liter Benzin liegt, ganz oder teilweise erstatten – so wie es in der Landwirtschaft mit der Diesel-Steuer gehandhabt wird, um Agrarprodukte bezahlbar zu machen oder so wie für Leistungen in der Gastronomie den Mehrwertsteuersatz auf 7 Prozent herabsetzen.

Jede Initiative, Kosten zu reduzieren, finde ich gut, aber dann muss doch der Staat als derjenige, der bei jeder Fahrstunde mit Benzinsteuer, Mehrwertsteuer, Lohn- und Einkommenssteuer die Hand aufhält, auch selbst dazu beitragen.“

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Auf die Politik will der Unternehmer, der selbst einmal für die CDU im Düsseldorfer Landtag saß, aber nicht warten. Um günstiger an den Führerschein zu gelangen, hat er einen Tipp: „Ich rate Fahranfängern zu einem Kompaktkurs. Die Erfahrung zeigt: Absolviert ein Schüler nur eine Fahrstunde pro Woche, zieht sich die Ausbildung oft über Monate hin. Gelerntes wird schnell vergessen, wenn die baldige Wiederholung fehlt. Fährt der Fahranfänger hingegen die Praxisstunden innerhalb von zwei oder drei Wochen mit anschließend schneller Prüfung, kommt er in einen Lernfluss, ist motivierter und braucht insgesamt deutlich weniger Fahrstunden. So lassen sich gut und gerne 500 Euro sparen.“

Infobox: Das plant das Bundesverkehrsministerium für die Führerscheinausbildung

  • Das Bundesverkehrsministerium erarbeitete eine Reform für einen günstigeren und unbürokratischeren Führerscheinerwerb. Die Qualität der Ausbildung solle bei geringeren Kosten jedoch gewährleistet bleiben.
  • Die erarbeiteten Punkte betreffen insbesondere eine höhere Flexibilität für die Fahrschüler, einen abgespeckten Fragenkatalog bei der theoretischen Prüfung, weniger verpflichtende Sonderfahrten und Preistransparenz.
  • Zur Beschlussvorlage: Mehr Informationen zu der angedachten Führerschein-Reform des Bundesministeriums für Verkehr