Kreis Lippe/Paderborn. Eine intelligente Bäckertheke, die Lebensmittelverschwendung verhindert, KI-gestützte Videodrohen beim Dachdecker, Chatbots, die die Mitarbeitergewinnung unterstützen oder eine digitale Projektmappe zur Steuerung komplexer Restaurierungsarbeiten: So vielfältig kann der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) und digitaler Tools im Handwerk aussehen.

Das Projekt KIDiHa – kurz für „Künstliche Intelligenz und Digital-Offensive für das HANDwerk in NRW“ – will zeigen: Künstliche Intelligenz und das traditionsreiche Handwerk passen besser zusammen, als man zunächst denkt! Mehr noch wollen die Projektpartner verständlich und greifbar machen, wie KI den Alltag für Tischler, Maler & Co. erleichtern und echten Mehrwert für die Betriebe schaffen kann – von Energie- und Kosteneinsparung über mehr Servicequalität für Kunden bis zu weniger Papierkram.

Mehr Zeit für die eigentliche Arbeit

Denn während viele Handwerksbetriebe bereits KI in ihren Arbeitsalltag integriert haben, ist das Thema für andere noch ganz weit weg. Oder sie sind schlicht von den vielen Einsatzmöglichkeiten überfordert.

Doch eins ist einleuchtend: Wenn die KI Routineaufgaben im Betrieb übernimmt, bleibt dem Menschen mehr Zeit für seine eigentliche (Hand-)Arbeit, für Kreativität und Kundennähe. „Die Potenziale sind auch für kleinere Handwerksbetriebe enorm“, ist KIDiHa-Projektleiter Prof. Dr. Klaus Schafmeister aus Detmold überzeugt. KI könne Antworten auf Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Energiekosten und Bürokratie liefern.

„Künstliche Intelligenz kann unser Leben besser machen – wenn wir sie klug einsetzen.“ Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft NRW

Gefördert wird das bis Mitte 2027 laufende Millionenprojekt vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Energie Nordrhein-Westfalen. Und so betont auch NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes: „Künstliche Intelligenz kann unser Leben besser machen – wenn wir sie klug einsetzen.“ KIDiHa mache den Fachkräften von morgen Lust auf die Chancen und den Mehrwert von KI in den Betrieben.

Partner des Projekts sind die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, das Fraunhofer IOSB-INA (Lemgo) und die Fachhochschule des Mittelstands Bielefeld (FHM). Gemeinsam mit Handwerksbetrieben aus NRW entwickeln sie innovative, speziell auf deren Bedarfe zugeschnittene digitale und KI-getriebene Werkzeuge und Anwendungen und bringen diese in der Praxis zum Einsatz. Mit von der Partie sind zwei Betriebe aus Lippe: die Altbauspezialisten von Kramp & Kramp aus Lemgo und die Detmolder Bäckerei Biere.

Digitaler Laufzettel im Test

Restaurator Kramp & Kramp testet in Lemgo eine „digitale Projektmappe“ auf Alltagstauglichkeit. In der Denkmalpflege ist kein Projekt wie das andere, die Steuerung der Arbeiten komplex. Bislang fehlte ein zentraler Überblick. Stattdessen zeigten in der Werkstatt händisch ausgefüllte Zettel an den sogenannten Werkstattwagen, auf denen beispielsweise zu restaurierende Fenster oder Türen mehrere Stationen durchlaufen, den Stand des Projektes an.

Dank KIDiHa signalisiert nun ein Ampelsystem, ob die Arbeiten im Zeitplan sind. Und im digitalen Laufzettel ist stets aktuell dokumentiert, welche Arbeitsschritte bereits erfolgt sind oder noch ausstehen: Wie weit sind die Schleifarbeiten, was ist an der Hobelstation zu tun, muss noch lackiert werden? „Alle Beteiligten können jederzeit auf den aktuellen Stand zugreifen. Befunde, Fotos und Dokumente einer Baustelle sind an einem Ort gebündelt“, erklärte Projektleiter Lukas Fuchs.

Egal, wo sich die Baustelle befindet, können von Lemgo aus Arbeiten koordiniert werden, ohne viele Telefonate. „Und ich weiß: Können wir noch Aufträge annehmen, wo brauchen unsere Leute Unterstützung?“, so Fuchs weiter. „Der Arbeitsalltag wird unheimlich erleichtert.“

Weniger Zeit für Datensuche, mehr Zeit für handwerkliche Arbeiten – davon könnten auch andere Tischlereien, Architektur- oder Ingenieurbüros profitieren.

KI optimiert den Backprozess

KI kann in Bäckerein beispielsweise helfen, die Steuerung der Öfen zu optimieren. Das hilft, Energie und somit Kosten zu sparen. Foto: AdobeStock

Die Detmolder Bäckerei Biere hat es mit ihrem KIDiHa-Projekt jüngst sogar bis ins TV geschafft. In der WDR-„Lokalzeit“ berichteten die Geschäftsführer Denise Spintzyk und Nicolas Biere vor der Kamera von ihren Erfolgen und Plänen: weniger Lebensmittel verschwenden, mehr Energie sparen, mehr Kundennähe dank KI.

In der Backstube in Detmold-Heiligenkirchen wurde mit Hilfe Künstlicher Intelligenz der Backprozess optimiert. Und das hat bereits deutliche Auswirkungen: Die Wärme werde nun so effizient genutzt, dass zwei Stunden Backzeit pro Tag eingespart würden, berichtet Biere. Das senke die Energiekosten erheblich. Weiterer Pluspunkt: Die Mitarbeiter können ihren Arbeitstag später starten.

Wissenschaftler haben intelligente Theke entworfen

Auch im Verkauf soll bald KI zum Einsatz kommen. Noch tippt die Verkäuferin alles in die Kasse ein – doch dieser Arbeitsschritt soll künftig entfallen. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts haben bereits den Prototyp einer intelligenten Theke entwickelt. Und die funktioniert so: Alle Verkaufskräfte tragen ein Armband mit Barcode. An der Theke angebrachte Sensoren registrieren, wenn sie ein Brötchen oder ein Stück Kuchen entnehmen. Im Anschluss wird einfach das Armband an die Kasse gehalten – fertig. Ziel dieser Technik ist laut Spintzyk und Biere nicht, weniger Personal einzusetzen, sondern Stress zu reduzieren und mehr Zeit für Kundengespräche zu gewinnen.

Bereits jetzt analysiert die KI, wann, wo und wie viele welcher Backwaren in den Filialen verkauft werden. Die erhobenen Daten helfen dem Betreiberpaar bei der Kalkulation: So landet am Ende des Tages weniger Ware in der Tonne.

Eine Ausstellung zu den „KIDiHa”-Projekten war bereits im NRW-Landtag zu sehen. Mit dabei: Nicolas Biere und Denise Spintzyk (Geschäftsführer der Bäckerei Biere), Kreishandwerksmeister Mickel Biere, Michael Lutter (Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe), Andrea Hegerbekermeier (Geschäftsführerin) und Lippes Landrat Meinolf Haase. Foto: Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe