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Matthias Carl ist Geschäftsführer bei der IHK Lippe zu Detmold im Bereich Unternehmensförderung, Nachhaltigkeit und Innovation. Foto: Nico Düllmann
Kreis Lippe. Welche Chancen und Herausforderungen eine nachhaltige Wirtschaft bietet, erklärt Matthias Carl von der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold im Interview. Vor allem die lippische Wirtschaft sei mit mehr als 50 Prozent Exportanteil dabei stark vom wirtschaftlichen Erfolg im Ausland abhängig.
Wie definieren Sie nachhaltige Wirtschaft, Herr Carl?
Unternehmen, die ihre ökologisch negativen Wirkungen durch ihr Handeln, also ihren Einfluss auf Klima und Umwelt, vermeiden bzw. minimieren möchten. Gleichzeitig achten sie darauf, fair mit den Beschäftigten umzugehen – und dazu gehören auch die Mitarbeiter in der Lieferkette. Das Unternehmen muss dabei zudem wirtschaftlich erfolgreich sein. Der Dreiklang Ökologie, Soziales und Wirtschaftlichkeit spielt also eine wesentliche Rolle.
Wie bewerten Sie die aktuelle Bedeutung von Nachhaltigkeit in der lippischen Wirtschaft?
Für die überwiegend familiengeführten Unternehmen in Lippe liegt Nachhaltigkeit sozusagen in der DNA. Langfristig am Markt zu bestehen, ist wichtiger als kurzlebige Erfolge. Mittelständische Unternehmen legen großen Wert auf einen guten Umgang mit ihren Beschäftigten. Sie fühlen sich zudem mit der Region verwurzelt und engagieren sich vor Ort für die Gesellschaft. So unterstützen sie Vereine, soziale Einrichtungen oder Volksfeste.
Dann hat sich für Unternehmen nicht viel geändert?
Den beschleunigten Klimawandel und die daraus resultierenden Auswirkungen wie etwa durch Starkregen, Überflutung oder Hitze spüren auch die Unternehmen. Sie müssen sich darauf einstellen, die Defossilisierung, also die Minderung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe, voranzutreiben. Rohstoffe werden zunehmend knapper. Deswegen wird echte Kreislaufwirtschaft immer wichtiger. Diese Themen erfordern eine Transformation, die nicht zum Nulltarif zu haben sein wird. Nicht zuletzt ist der äußere Druck durch die eigenen Kunden und die Gesetzgebung gewaltig gestiegen.
Wie sind denn die aktuellen politischen Rahmenbedingungen?
Die Politik fordert von den Unternehmen immer mehr Dokumentationen über das Thema Nachhaltigkeit. Es gibt zahlreiche Regelungen, dazu gehört etwa die CSRD. Das ist eine europäische Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, die viele Unternehmen unter anderem dazu verpflichtet, die CO2-Emissionen im eigenen Betrieb, aber auch aus der Lieferkette und aus der Nutzungsphase darzustellen. Dazu gehört der gesamte Lebenszyklus von Produkten von der Entwicklung über Einkauf, Produktion, Vertrieb und Transport bis zur Entsorgung.
Das klingt nach sehr viel Arbeit…
Die Unternehmen klagen zu Recht über die vielen neuen Berichtspflichten. Vieles davon ist völlig überzogen. Dabei sind die Ziele ja prinzipiell richtig. Wir müssen mehr gegen den Klimawandel und mehr für die Schonung der natürlichen Ressourcen tun – weltweit. Durch die übertriebene Dokumentation gewinnen wir meiner Meinung nach nichts, sondern vergeuden wertvolle betriebliche Ressourcen. Und verhindern, dass die Unternehmen ins Handeln kommen.
Welche Vorteile sehen Sie für Unternehmen, die in nachhaltige Technologien investieren?
Sie können sich mit nachhaltigen Produkten am Markt als Trendsetter etablieren. Zumindest, wenn der Markt das honoriert und bezahlt. Und was Investitionen in den eigenen Betrieb angeht, setzen Unternehmen schon lange auf Maßnahmen für mehr Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Weil das in der Regel Geld spart. Das sind Quick-Wins. Vor allem im Vergleich zu den notwendigen Investitionen in die großen Transformationen hin zum klimaneutralen Unternehmen. Da ist vielfach unklar, welche Maßnahmen die richtigen sind und wann sich das rechnet.
Lippische Unternehmen setzen schon lange auf Maßnahmen für mehr Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Foto: Pixabay
Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen könnte das vor große Herausforderungen stellen, oder?
Das Problem ist, dass man das Geld in Maßnahmen stecken muss, die langfristig zwar Geld sparen und zum Klimaschutz beitragen, die aber nicht unbedingt die Produktivität steigern. In der aktuellen wirtschaftlichen Situation sind die Unternehmen eher zurückhaltend.
Wie berät die IHK Lippe Unternehmen dazu?
Wir bieten unseren Mitgliedern eine Erstberatung an. Dabei besuchen wir die Unternehmen vor Ort und beraten zum Beispiel zu Nachhaltigkeitsberichterstattung, Klimaschutz oder Energieeffizienz. Wir informieren zudem über die verschiedenen Möglichkeiten der Beratungs- und Investitionsförderung. Zudem vermitteln wir Kontakte zu Hochschulen und Netzwerken.
Gibt es daneben Initiativen oder Programme von der IHK Lippe?
Zusammen mit der IHK OWL betreiben wir seit 2022 unter anderem das Unternehmensnetzwerk „gemeinsam klimaneutral 2030“, in dem wir uns über Wege und Maßnahmen zur Klimaneutralität austauschen. Dort sind mittlerweile 80 Unternehmen aus ganz OWL vertreten.
Welche konkreten Maßnahmen empfehlen Sie Unternehmen, die ihre Produktion nachhaltiger gestalten möchten?
Die Unternehmen müssen mehr Transparenz über die Energie- und Ressourcenverbräuche schaffen. Und dann ermitteln, mit welchen Maßnahmen die größten Effekte erzielt werden. Dabei ist es wichtig, den Betrieb ganzheitlich zu betrachten. So kann man vielfach die Abwärme von Produktionsanlagen sinnvoll nutzen, um fossile Brennstoffe für die Heizung zu sparen.
Wie sehen Sie die Zukunft der nachhaltigen Wirtschaft in Lippe?
Die Wirtschaft in Lippe ist mit mehr als 50 Prozent Exportanteil stark vom wirtschaftlichen Erfolg im Ausland abhängig. Wir sind in Europa nicht auf einer Insel der Glückseligen und können immer neue Anforderungen erfüllen. Wir müssen uns dem zunehmenden Wettbewerb stellen und gleichzeitig die Transformation zur Nachhaltigkeit schaffen. Dazu müssen wir noch innovativer werden und die Standortkosten in den Griff bekommen.
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