Lübbecke. Wenn sie von diesem Quereinstieg erzählt, strahlt sie dabei so, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Der Termin ist für 16 Uhr angesetzt, Janina Fuhs hat ihren Arbeitstag in der Geschäftsstelle Gehlenbeck fast beendet und nimmt sich noch Zeit für das Interview. Was sofort auffällt: Breites Lächeln, eine Energie, die den Raum füllt. Kaum sitzt man ihr gegenüber, hat man das Gefühl, sie schon lange zu kennen. Genau das, sagt sie später, sei ihr größtes Kapital.

Frau Fuhs, Sie haben 17 Jahre als Zahnmedizinische Fachangestellte gearbeitet. Wie sah Ihr Alltag damals aus?

Ach, alles von A bis Z! Anmeldung, Assistenz, Sterilisation der Geräte – was man sich in einer Praxis vorstellen kann, habe ich gemacht. Im Team ging das immer Hand in Hand – die eine hat bei Behandlungen assistiert, eine andere Kollegin in dieser Zeit schnell die Anmeldung gemacht, dann wurde gewechselt. Also ein Tag ohne Stillstand.

Was hat Ihnen an diesem Beruf besonders gefallen?

Die Menschen. Eindeutig. In zehn Jahren in der ersten Praxis habe ich Patienten erlebt, die mich heute noch auf der Straße grüßen. Zum Zahnarzt geht man ja nicht gerne, das weiß jeder. Und wenn jemand mit Angst kommt und man kann ihm diese etwas nehmen – das war schon ein tolles Gefühl. Wenn man bei der Behandlung direkt dabei ist, musst du spüren, wer Ablenkung braucht und wer lieber seine Ruhe hat. Menschen einschätzen, empathisch sein – das war mein Ding.

Mit 34 Jahren haben Sie den Entschluss gefasst, etwas Neues zu machen. Wie kam es dazu?

Das klingt vielleicht komisch, aber es war wirklich spontan. Mein Partner war mit dem Motorrad unterwegs und ich saß zu Hause. Und irgendwie kam der Gedanke: Gibt es vielleicht auch noch etwas anderes? Bevor er von seiner Tour zurück war, hatte ich schon beschlossen: Ich möchte einen Quereinstieg wagen. Der wäre dann fast umgefallen und fragte: ‚Wie kommst Du denn darauf‘. (lacht)

Aber dann habe ich recherchiert. Eine Kollegin schickte mir ein Stellenangebot der Sparkasse – sie suchten für den Telefon- und Servicebereich. Ich bin schon mein ganzes Leben Sparkassen-Kundin. Und zwei Tage später hatte ich zufällig einen Termin bei meiner Bankberaterin. Die habe ich natürlich gleich ausgequetscht: Was sind das für Aufgaben? Was macht man da so? Und je mehr sie erzählt hat, desto klarer wurde mir: Das ist total mein Ding. Ich habe mich beworben und gedacht – ich versuche einfach mein Glück. Und jetzt sitze ich hier noch.

Hatten Sie oder ihr näheres Umfeld vor diesem großen Schritt Bedenken?

Ja, natürlich. Ich kannte das Bankwesen nicht. Beim Vorstellungsgespräch saßen auf einmal sieben, acht Leute – da dachte ich nur: Was ist hier los? Aber die waren wirklich alle super nett, und irgendwann haben wir zwischendurch sogar gelacht. Und was mich von Anfang an überzeugt hat: Es ging weniger ums Fachwissen als um den Menschen. Wie gehst du mit Leuten um? Kannst du zuhören, bist du empathisch? Das Fachliche lernst du. Den anderen Teil – den bringst du mit oder nicht.

Wie war dann das Ankommen?

Wirklich toll. Überall offene Arme, egal ob in der Geschäftsstelle oder in den Schulungen mit den anderen Quereinsteigern. Und dann hier im Team – nach zwei, drei Tagen hatte ich das Gefühl, ich kenne die Kolleginnen und Kollegen schon mein ganzes Leben. Ich habe natürlich sofort alles wissen wollen, bin hier von links nach rechts gerannt, habe alle genervt (lacht). Aber wirklich: Egal wen ich gefragt oder angerufen habe – alle haben sich gefreut, dass ich als Quereinsteigerin da bin, und haben mir alles von A bis Z erklärt. Kein einziges Mal habe ich das Gefühl gehabt, ich störe. Das nimmt einem so viel Druck. Weil man sich den vielleicht auch selbst schon genug macht.

„Und was mich von Anfang an überzeugt hat: Es ging weniger ums Fachwissen als um den Menschen.“ Janina Fuhs

Gab es einen Moment, in dem Sie zum ersten Mal gespürt haben: Das war die richtige Entscheidung?

Direkt am ersten Tag. Wirklich. Ich bereue nicht einen einzigen Tag, meinen gelernten Beruf hinter mir gelassen zu haben – obwohl ich ihn gerne gemacht habe. Ich habe sogar schon eine neue Kollegin hierhergeholt, weil ich ihr erzählt habe, wie wohl ich mich fühle. Es gibt für mich einfach nichts Besseres. Das ist mein Job. Der macht mir Spaß.

Viele denken, Zahnarztpraxis und Bank – das hat doch nichts miteinander zu tun. Stimmt das?

Eigentlich sind das komplett andere Welten – bis auf die Menschen. Aber genau das ist der Punkt. Der Umgang mit fremden Menschen, auf sie zugehen, zugewandt sein, sie einschätzen – das brauche ich hier genauso wie früher. Wenn jemand zum Schalter kommt und es gerade finanziell nicht gut läuft, ist das für den genauso unangenehm wie für einen Patienten, der Angst vor dem Bohrer hat. Und dann ist es doch meine Aufgabe, dem Menschen erst einmal ein Lächeln zu schenken und zu zeigen: Es gibt für alles eine Lösung.

Was macht Ihnen an der Arbeit bei der Sparkasse Minden-Lübbecke am meisten Spaß?

Immer noch: die Kunden. Wenn jemand kommt, weil das Online-Banking auf dem Smart-Phone nicht funktioniert, wir das gemeinsam lösen und die Kundin oder der Kunde dann hier rausgeht und strahlt – das ist einfach schön. Und hier, weil es so eine ländliche Gegend ist, kommen viele regelmäßig. Da entsteht wirklich eine Bindung. Eine ältere Dame kam neulich mit selbst gemachter Erdbeermarmelade – zwei Gläser, ‚nur für dich, weil du die so gerne magst‘, hat sie gesagt. Da steht einem schon eine kleine Träne in den Augen. Oder ein Kunde, der in der Weihnachtszeit extra vorbeigekommen ist und mir ein Liedchen gesungen hat. Das sind Momente, die bleiben.

Wie entsteht ein so positiver Kontakt zu den Kunden?

Ich nehme mir für jeden Kunden so viel Zeit, bis er glücklich rausgeht – auch wenn zehn Leute dahinterstehen. Beim Arzt muss man warten, an der Supermarkt-Kasse auch. Alle Kundinnen und Kunden sollen das Gefühl haben, dass sie zählen. Nicht, dass sie abgefertigt werden.

Hat Sie bei der Sparkasse etwas überrascht?

Dass wir als Quereinsteiger so schnell so viel machen dürfen! Ich dachte, wir machen ein bisschen Überweisungen und das war’s. Und dann nach einem halben Jahr sitze ich hier und mache eigene Termine mit Kunden. Das hätte ich nie erwartet. Und diese Fehlerkultur: Mir wurde von Anfang an gesagt – Fehler dürfen passieren.

Ich würde nicht direkt einen Rat geben, sondern fragen: Warum hast du es bloß so spät gemacht? Janina Fuhs

Sie absolvieren gerade eine Weiterbildung zur Sparkassenkauffrau. Was steckt dahinter?

Ich bin 38, ich habe mindestens noch 30 Jahre vor mir im Beruf. Und ich liebe es, mit Kunden wirklich zu arbeiten – an Themen zu sitzen, Lösungen zu finden, Finanzen zu strukturieren. Dafür brauche ich aber die Qualifikation. Also mache ich seit Oktober eine Weiterbildung zur Sparkassenkauffrau – in einem Jahr, neben dem Job, in der Freizeit, mit Online-Unterricht und Prüfungstagen an der Sparkassen-Akademie in Dortmund. Das ist schon ein ordentliches Maß an Aufwand. (lacht)

Was zeichnet die Sparkasse als Arbeitgeber aus?

So vieles, das ich davor gar nicht kannte. Ich wusste nicht, dass ein Arbeitgeber das alles bieten kann. Fangen wir mal an: 32 Urlaubstage – für Heiligabend und Silvester muss man nicht einen halben Tag Urlaub nehmen. Flexible Arbeitszeiten, wer pflegebedürftige Angehörige hat, bekommt kostenlose Beratung über eine Kooperation mit einem Pflegedienst – das finde ich menschlich einfach stark. Dazu das SportNavi-Netzwerk, JobRad-Leasing, die betriebliche Krankenversicherung mit echten Zusatzleistungen, eine arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge und sogar eine eigene Schlaganfall-Prävention-App. Das klingt alles sehr groß und ist auch alles super – aber die kleinen Dinge berühren mich genauso. Im Sommer bekommen wir zum Beispiel Eis spendiert und kostenloses Mineralwasser. Klingt nach einer Kleinigkeit, aber die muss ja nicht sein. Oder dass der Vorstand dir zum Geburtstag eine persönliche Mail schreibt.

„Die kleinen Dinge berühren mich genauso.“ Janina Fuhs

Und dann diese Nahbarkeit: Unser Vorstand Herr Schaly hat sich wirklich mit jedem einzelnen Quereinsteiger zusammengesetzt – ich dachte nicht, dass ich jemals mit reden würde. Und dann kam er auf mich zu: „Frau Fuhs, wie läuft’s?“ Das ist diese Kultur, die ich meine. Hier bei der Sparkasse sind wir alle auf einem Level, alle gleich wichtig. Jeder hilft. Das ist toll.

Was würden Sie jemandem sagen, der über einen beruflichen Neustart nachdenkt?

Machen. Einfach machen. Den Weg zurück, den gibt es immer. Wenn dir der neue Job nicht gefällt, kannst du in deinen alten Beruf zurück. Aber wenn du es nicht probierst, weißt du nie, was du verpasst hättest. Ich wäre vielleicht irgendwann Mitte 40 und würde mir denken: Hätte ich doch mal… Und das wäre schade. Wir haben hier übrigens auch Quereinsteiger, die mit 50 angefangen haben. Also: Einfach machen.

Und wenn Sie Ihrem früheren Ich kurz vor dem Wechsel einen Rat geben könntest?

Ich würde nicht direkt einen Rat geben, sondern fragen: Warum hast du es bloß so spät gemacht? (lacht)


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