OWL. Eine Geschäftsidee ist schnell entwickelt. Doch bis daraus ein Unternehmen wird, sind viele Fragen zu klären. Wer sind die Kunden? Wie sieht das Geschäftsmodell aus? Welche Rechtsform passt? Wie lässt sich die Gründung finanzieren – und welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Wer sich in Ostwestfalen-Lippe selbstständig machen möchte, muss diese Fragen nicht allein beantworten. In der Region gibt es ein dichtes Netz aus Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammer, Wirtschaftsförderungen, Hochschulen, Gründerzentren und weiteren Organisationen.

Die Industrie- und Handelskammer Lippe ist dafür gerade erneut als STARTERCENTER NRW auditiert worden. Das NRW-Wirtschaftsministerium bestätigt damit nach einem standardisierten für weitere drei Jahre die Qualität des Beratungsangebots. Für die Gründungsinteressierten in Lippe ist das ein aktueller Anlass – zugleich zeigt das Beispiel, wie vielfältig die Unterstützung für Gründer in OWL inzwischen ist.

In OWL wird wieder mehr gegründet

Die Zertifizierung kommt zur richtigen Zeit. 2025 wurden laut IHK Ostwestfalen in Bielefeld und den Kreisen Minden-Lübbecke, Herford, Gütersloh, Paderborn und Höxter 11.955 Gewerbe angemeldet. Das waren 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr und zugleich der höchste Wert seit 2010. Gleichzeitig sank die Zahl der Gewerbeabmeldungen auf 7.943. Der positive Gründungssaldo lag damit bei 4.012.

Auffällig ist dabei ein Trend zum Nebenerwerb. Erstmals seit 2021 überstieg die Zahl der Nebenerwerbsgründungen wieder jene der Haupterwerbsgründungen – allerdings bezogen auf Kleingewerbetreibende. Besonders stark ist dieser Trend bei jüngeren Menschen. Das Bild vom Gründer, der seinen sicheren Arbeitsplatz aufgibt, um sofort ein Unternehmen aufzubauen, greift deshalb zu kurz. Für manche beginnt die Selbstständigkeit mit einem zweiten Standbein neben dem Beruf.

Auch die IHK Ostwestfalen beobachtet eine gestiegene Nachfrage nach Gründungsberatung. Gleichzeitig zeigt der aktuelle DIHK-Gründungsreport, dass viele Gründungsvorhaben bei kaufmännischen Fragen, Finanzierung und Konzeptqualität noch Lücken aufweisen. Genau hier setzen die verschiedenen qualifizierten Gründungsberatungen an.

IHK Lippe ist erneut STARTERCENTER NRW

Beispielsweise ist die IHK Lippe schon seit 2007 als STARTERCENTER NRW anerkannt. Die aktuelle Auditierung bestätigt nach Angaben der Kammer zum achten Mal in Folge die entsprechenden Qualitätsstandards. Für Gründungsinteressierte bedeutet das vor allem: Die IHK bietet eine strukturierte erste Orientierung und kann bei Bedarf weitere Fachleute und Institutionen vermitteln.

Zum Angebot gehören Erst- und Intensivberatungen, Informationen zu Gründungsformalitäten sowie Hinweise zu Finanzierung und Fördermöglichkeiten. Auch das Gründungsnetzwerk Lippe ist eng mit der IHK verbunden. In dieses Netzwerk bringen rund 20 Institutionen und Organisationen ihr Know-how ein und deckt damit unterschiedliche Bereiche ab – von allgemeiner Beratung und Coaching über Finanzierung und Förderung bis zu Innovation, Technologie und kommunalen Fragen. Damit endet die Beratung nicht zwangsläufig bei der ersten Frage. Sie soll vielmehr den Weg zu dem Ansprechpartner öffnen, der für das jeweilige Vorhaben tatsächlich als Sparringspartner weiterhelfen kann.

Bei der PitchMiUp-Night des Gründerzentrum StartMIUp stellen Gründerinnen und Gründer ihre Ideen vor. Die Anlaufstelle für Gründerinnen und GRünder in Minden leitet Jens Lütke-Börding (rechts). Foto: StartMIUp
Bei der PitchMiUp-Night des Gründerzentrum StartMIUp stellen Gründerinnen und Gründer ihre Ideen vor. Die Anlaufstelle für Gründerinnen und GRünder in Minden leitet Jens Lütke-Börding (rechts). Foto: StartMIUp

Oftmals stellt man gemeinsam im ersten Schritt die eigene Idee auf den Prüfstand, weil viele Gründungsvorhaben mit einem Satz wie: „Das müsste doch funktionieren“ beginnen. Ob es tatsächlich funktioniert, ist eine andere Frage. Wer aus einer Idee ein Unternehmen machen möchte, sollte deshalb zunächst möglichst konkret werden. Was wird angeboten? Wer soll dafür bezahlen? Welches Problem wird gelöst? Wie sieht der Wettbewerb aus? Und was unterscheidet das eigene Angebot von dem, was es bereits gibt?

Ein Businessplan kann dabei helfen, aus einer Idee ein überprüfbares Konzept zu machen. Er ist nicht nur für Banken oder Fördermittelgeber wichtig. Auch für die Gründer selbst ist er ein Werkzeug, um Annahmen und Zahlen zu überprüfen. Die IHK Ostwestfalen bietet dafür unter anderem Beratung zur Geschäftsidee, zum Businessplan, zur Rechtsform und zur Finanzierung an. Auch die Unternehmenswerkstatt Deutschland wird für die Erstellung eines Businessplans eingebunden.

Nicht jeder Gründer braucht dieselbe Unterstützung

Der Grad des Beratungsbedarfs hängt stark davon ab, was gegründet werden soll. Ein Handwerksbetrieb – hier berät die Handwerkskammer in OWL kompetent – hat andere Fragen als ein technologieorientiertes Start-up. Wer ein bestehendes Unternehmen übernimmt, benötigt wiederum andere Unterstützung als jemand, der erstmals ein eigenes Geschäftsmodell entwickelt. In OWL gibt es deshalb unterschiedliche Zugänge.

Die IHK Ostwestfalen berät Gründer in der gesamten Region. Auch die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe ist mit eigenen STARTERCENTER-Angeboten vertreten. Hinzu kommen Wirtschaftsförderungen und weitere regionale Einrichtungen. Das offizielle STARTERCENTER-Portal führt für OWL unter anderem Standorte in Bielefeld, Paderborn, Gütersloh, Höxter und Lippe auf. Für Gründer bedeutet das: Es lohnt sich, nicht nur nach einer allgemeinen Gründungsberatung zu suchen, sondern den Ansprechpartner passend zum eigenen Vorhaben auszuwählen.

Von Lippe bis Minden: Beratung ist regional vernetzt

Wie unterschiedlich die Wege sein können, zeigt der Blick in die einzelnen Teilregionen. In Lippe bündelt das Gründungsnetzwerk rund 20 Partner. Neben der allgemeinen Gründungsberatung gehören beispielsweise Finanzierung und Förderung, Innovation und Technologie sowie kommunale Ansprechpartner zum Netzwerk.

Für Start-ups gibt es diverse andere Angebote. In Minden ist StartMindenUp ein wichtiger Anlaufpunkt für Gründer . Das Zentrum verbindet Arbeitsmöglichkeiten mit Mentoring, Kontakten zu Unternehmen und Investoren sowie Unterstützung bei der Entwicklung von Geschäftsideen. Aus dem Umfeld sind unter anderem die Unternehmen Liwave, Admijalo und Reset Mare hervorgegangen.

Auch die IHK Ostwestfalen bietet Beratung über verschiedene Standorte und regionale Angebote an. Im Kreis Herford gibt es beispielsweise Gründungsberatung durch die Wirtschaftsförderung sowie IHK-Sprechtage. Im Kreis Höxter ist die Wirtschaftsförderung als STARTERCENTER NRW aktiv. Die Einrichtung verfügt über langjährige Erfahrung in der Existenzgründungsberatung.

Für Start-ups gibt es eigene Angebote

Wer mit einer besonders innovativen Idee startet, findet in OWL weitere Anlaufstellen. Die Hochschulen spielen dabei eine wichtige Rolle. Das Projekt Exzellenz Start-up Center.OWL hat zwischen 2019 und 2025 ein hochschulübergreifendes Gründungsökosystem aufgebaut . Nach Angaben der beteiligten Einrichtungen wurden mehr als 700 Gründungsvorhaben begleitet; daraus entstanden 280 Gründungen und mehr als 1.000 Arbeitsplätze. Die Förderung ist inzwischen ausgelaufen, die aufgebauten Strukturen bestehen jedoch weiter.

Auch aus den Hochschulen in OWL wird viel gegründet. Deswegen richtet die Hochschule Bielefeld unter anderem den Start-Up-Award aus. Grafik: Hochschule Bielefeld
Auch aus den Hochschulen in OWL wird viel gegründet. Deswegen richtet die Hochschule Bielefeld unter anderem den Start-Up-Award aus. Grafik: Hochschule Bielefeld

An der Universität Paderborn ist mit der garage33 ein etabliertes Gründungszentrum entstanden. Der aktuelle „Call for Ideas“ richtet sich an Menschen mit innovativen Geschäftsideen aus OWL. Die ausgewählten Teams erhalten unter anderem Coaching, Pitch-Training und Zugang zu einem Incubator-Programm. Auch die Hochschule Bielefeld hat mit ihrem Center for Entrepreneurship ein eigenes Angebot. Beispiele wie das modulare Möbelsystem Wandeliar zeigen, wie Hochschulgründungen von der Ideenentwicklung über Prototypen bis zur Vernetzung mit der regionalen Wirtschaft begleitet werden können. Auch die TH OWL bietet diverse Formate für Gründerinnen und Gründer an .

Gute Ideen brauchen nicht immer sofort viel Kapital

Ein weiterer Punkt, bei dem Beratung wichtig wird, ist die Finanzierung. Wie viel Geld wird tatsächlich benötigt? Welche Investitionen sind notwendig? Wie lange reicht das vorhandene Kapital? Kommt ein Kredit infrage? Gibt es Förderprogramme? Gerade bei Start-ups können diese Fragen entscheidend sein. Die regionale Gründungslandschaft bietet deshalb nicht nur klassische Beratung, sondern auch Kontakte zu Banken, Förderinstitutionen, Investoren und weiteren Finanzierungspartnern.

Das Gründungsstipendium NRW ist beispielsweise eine Möglichkeit für innovative Gründungsideen. In Lippe ist das Gründungsnetzwerk als Anlaufstelle eingebunden. Das Programm sieht ein monatliches Stipendium von 1.200 Euro für maximal ein Jahr vor; 2026 waren die Jurysitzungen wegen der hohen Nachfrage zeitweise pausiert. Welche Förderung tatsächlich infrage kommt, hängt allerdings stark vom Vorhaben ab. Ein Beratungsgespräch sollte deshalb möglichst früh klären, welche Programme und Finanzierungsmöglichkeiten überhaupt passen.

Auch Unternehmensnachfolge ist ein Weg in die Selbstständigkeit

Gründen bedeutet nicht zwangsläufig, ein Unternehmen bei null aufzubauen. Eine Alternative kann die Übernahme eines bestehenden Betriebs sein. Das kann insbesondere für Menschen interessant sein, die bereits Berufserfahrung und Branchenkenntnisse mitbringen, aber nicht unbedingt eine komplett neue Geschäftsidee entwickeln möchten. Auch hierfür gibt es in OWL Beratungsangebote. Die IHK Ostwestfalen führt die Unternehmensübernahme ausdrücklich als Teil ihres Gründungsservices. Gleiches gilt für die Handwerkskammer OWL.

Für die Region ist das Thema von besonderer Bedeutung. Zahlreiche mittelständische Unternehmen stehen vor einem Generationenwechsel. Wer einen Betrieb übernimmt, übernimmt damit nicht nur Kunden und Mitarbeiter, sondern auch Strukturen, Marktkenntnis und Verantwortung.

Praxisbeispiele machen Mut

Wie unterschiedlich der Weg in die Selbstständigkeit aussehen kann , zeigen auch die Geschichten, die mmm-owl bereits veröffentlicht hat. Rikarda Thelen beispielsweise gründete mit Rock It Media ihre eigene Medienagentur in Lage und gewährte praxisnahe Einblicke in den Unternehmensstart . Sie holte sich vor ihrem Schritt in die Selbstständigkeit an verschiedenen Stellen Beratung und Unterstützung. In Minden berichtete Philipp Gessner über den Aufbau seines Metallbau-Unternehmens. Sein Beispiel zeigt, dass auch im Handwerk unterschiedliche Wege in die Selbstständigkeit möglich sind. Solche Beispiele sind mehr als Erfolgsgeschichten. Sie zeigen vielmehr, dass Gründung selten ein geradliniger, einfach zu bewältigender Prozess ist.

Wo Gründer in OWL anfangen können

Wer heute mit einer Gründungsidee startet, muss deshalb nicht sofort alle Antworten haben. Ein sinnvoller erster Schritt kann die kostenlose Erstberatung bei einer regionalen Gründungsstelle sein. Für klassische gewerbliche Gründungen kommen insbesondere IHK und Wirtschaftsförderungen infrage. Auch in Gütersloh, Paderborn und Höxter gibt es eigene STARTERCENTER-Angebote. Für Handwerksgründungen ist die Handwerkskammer ein wichtiger Ansprechpartner. Hochschulangehörige mit innovativen Ideen finden bei den Gründungszentren der Hochschulen spezielle Angebote.

Entscheidend ist dabei weniger, gleich die perfekte Adresse zu finden. Entscheidend ist, überhaupt mit der eigenen Idee mit einem Sparringspartner beziehungsweis einem Experten ins Gespräch zu kommen. Denn der kritische Blick von außen kann früh zeigen, wo ein Geschäftsmodell noch Lücken hat – und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.


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Wer in OWL gründen möchte, findet in der Region zahlreiche Anlaufstellen, Beratungsangebote und Praxisbeispiele. Diese Beiträge geben Orientierung zu wichtigen Fragen rund um den Start in die Selbstständigkeit.

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