Minden-Lübbecke (pm). Erntedank heißt es wieder am kommenden Sonntag, 4. Oktober an einem Tag, um Dank zu sagen und Rückschau zu halten. Für die Landwirtschaft im Mühlenkreis fällt die Bilanz in diesem Jahr gemischt aus.

Vor allem die außergewöhnlich hohen Temperaturen und die fehlenden Niederschläge haben den Kulturen zugesetzt. Außerdem führte Hagel in einigen Gebieten wie im Großraum Rahden, Minden und Petershagen zu großen Ernteverlusten. „Wir blicken auf eine unterdurchschnittliche Ernte“, fasst der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke Joachim Schmedt zusammen. Gleichzeitig stehen die Betriebe aufgrund niedriger Erzeugerpreise und hoher Kosten wirtschaftlich unter Druck.

Große Unterschiede je nach Standort

Der Standort hat in diesem Jahr über Ertrag und Qualität entschieden wie selten zuvor. Die Ernteergebnisse innerhalb des Kreisgebietes zeigen dadurch eine große Bandbreite, je nach Standort, Bodenqualität und damit verbunden dem Wasserhaltevermögen des Bodens sowie lokaler Witterung.

Im Frühjahr hatten die Bestände zunächst vielversprechend ausgesehen. Bis in den Frühsommer hinein deutete vieles auf eine gute Getreideernte hin. Mit der Trockenheit und den extremen Hitzetagen vor allem ab Mitte Juni änderte sich die Situation dann deutlich.

Die Gerste, die als erste Getreideart geerntet wird, schnitt insgesamt noch gut ab. „Der Gerste konnte die Hitze nicht mehr viel anhaben“, erläutert der Vorsitzende. Bei den anderen Getreidearten blieben die Ergebnisse dagegen unter dem Durchschnitt. Insbesondere beim Weizen führten Hitze und Trockenheit zu kleineren und weniger gut ausgebildeten Körnern, dem sogenannten Kümmerkorn.

Unterschiedlich ist auch die Lage bei der Grasernte. Für die Rinderhaltung ist das gewonnene Gras eine wichtige Grundlage der Fütterung. Während einige Betriebe ausreichend Futter ernten konnten, könnte es bei anderen knapp werden. „Trotz der Einbußen müssen wir im Mühlenkreis im Vergleich zu den Berufskollegen in anderen Regionen zufrieden sein“, hebt Schmedt hervor. Besonders in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs seien die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit deutlich gravierender gewesen. Dort habe es bei einzelnen Kulturen erhebliche Einbußen bis hin zu Missernten gegeben.

Herbstliche Kulturen: Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben

Besonders stark gelitten hat vielerorts der Mais. „Die Spannbreis ist hier besonders groß: von Maispflanzen ganz ohne Kolben bis hin zu guten Beständen reicht das Bild,“ beschreibt Schmedt. Trockenheit und Hitze führten zudem bei den Kartoffeln zu deutlichen Einbußen. „In diesem Jahr haben wir weniger und viele kleine Knollen“, berichtet der Vorsitzende, „dadurch gibt es auch weniger lange Pommes.“ Bei den Zuckerrüben rechnen die Bauern mit einer durchschnittlichen Ernte.

Landwirtschaftliche Betriebe in Minden-Lübbecke unter Druck

Die Ernteeinbußen treffen die Bauernfamilien in einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Situation. Niedrige Erzeugerpreise stehen hohen Kosten für Energie, Diesel, Düngemittel und Pflanzenschutz gegenüber. Die Lage vieler tierhaltender Betriebe, vor allem der Schweine- und insbesondere der Sauenbetriebe bereitet dem Berufsstand Sorgen . „Wir brauchen endlich bessere Rahmenbedingungen und mehr Planungssicherheit für unsere Höfe“, untermauert der Vorsitzende. „Wir brauchen mehr politischen Mut.“

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Notwendig seien endlich ein gezielter Bürokratieabbau, mehr Wettbewerbsfähigkeit und mehr unternehmerischer Freiraum. Dazu gehöre beispielsweise die Einführung einer steuerfreien Risikorücklage. Diese fordern die Landwirte schon seit vielen Jahren. Darunter verstehe man, so Schmedt, „dass wir in guten Ertragsjahren steuerfrei Geld zurücklegen können, auf welches wir dann in schlechten Ertragsjahren zurückgreifen können.“

Zum Erntedankfest stehe aber trotz aller Sorgen vor allem die Dankbarkeit im Mittelpunkt, betont der Vorsitzende: „Hitze und Dürre führten uns einmal wieder vor Augen, dass eine gute Ernte keine Selbstverständlichkeit ist; dies sollten wir alle schätzen.“

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