Minden. 47 Jahre Sparkasse Minden-Lübbecke, davon viele Jahre in verantwortlicher Position – und noch immer keine Lust auf Ruhestand. Heinz Steinmeyer ist in der Region bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“. Durch seine offene Art und wahrscheinlich auch durch sein Faible für perfekt sitzende Anzüge und markante Brillen, weshalb er auch ein Gesicht einer Werbekampagne eines bekannten Mindener Optikers unter dem Titel „Originale der Stadt“ ist.

Er selbst beschreibt sich im Gespräch mit der Wirtschaftsplattform mmm-owl.de über einen ungewöhnlichen Berufsweg, seinen Führungsstil und den „Kunden als Arbeitgeber“ sowie die „Lust auf Montagmorgen“ als offen, kontaktfreudig und ungeduldig. Vor allem aber brennt er nach wie vor für seine Arbeit.

Herr Steinmeyer, Sie sind seit 47 Jahren bei der Sparkasse. Viele Menschen in der Region kennen Sie. Wie würden Sie sich jemandem beschreiben, der Sie noch nicht kennt?

Ich bin offen, sehr kontaktfreudig und bereit, spontan Dinge zu machen. Ich setze Dinge einfach gerne um. Was ich absolut nicht mag, ist, Sachen auf die lange Bank zu schieben. Da bin ich sehr ungeduldig. Und wenn mir etwas zu lange dauert, kann es auch mal vorkommen, dass ich es selbst mache.

Sie haben am 1. August 1979 bei der Sparkasse angefangen. Wie entstand der Wille, sich bei der Sparkasse Minden-Lübbecke zu bewerben?

Ein bisschen hat das mit meiner Familie zu tun. Der Bruder meines Großvaters war Sparkassendirektor in Stadthagen. Ich erinnere mich noch genau, wie ich als Kind in sein Büro gegangen bin. Der saß da mit einer dicken Zigarre und musste damals, glaube ich, abzeichnen, wenn jemand sein Konto um fünf Mark überziehen wollte. Irgendwie hat mir das imponiert. Später habe ich für meine Eltern, die eher aus einem einfachen Milieu kamen, häufig Bankgeschäfte erledigt. Ich saß in der Geschäftsstelle, habe Überweisungen ausgefüllt und dabei mitbekommen, was die Menschen dort machen. Das hat mich brennend interessiert. Irgendwann kam dann das wirtschaftliche Interesse dazu: Ich wollte verstehen, wie diese ganzen Vorgänge in einer Bank zusammenhängen.

Deshalb habe ich mich beworben. Ich glaube, das waren damals so um die 400 Bewerber und ich war einer von 20, die genommen wurden. Für meine Eltern war das ein Traum. Ich kam aus einfachen Verhältnissen, und plötzlich hatte ich einen sicheren und angesehenen Ausbildungsplatz bei der Sparkasse.

War das für Sie auch ein Aufstiegsversprechen: Hier bekommt jemand aus einfachen Verhältnissen eine Chance?

Das kann man tatsächlich so sagen. Ich sage es aber jetzt mal ganz platt: Man muss natürlich auch selbst seinen Arsch bewegen. Es war und ist heute auch nicht so, dass man sagt: Der kommt aus einfachen Verhältnissen, jetzt machen wir mal was aus ihm. Ich musste um alles, was ich hier gemacht habe, kämpfen. Das habe ich aber gerne gemacht, weil ich immer ein Ziel vor Augen hatte.

„Das ganze Formale war nicht mein Ding.“ Heinz Steinmeyer

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag?

Sehr genau sogar. Die Arbeit begann hier damals nicht am 1. August, sondern mit Urlaub (lacht). Den Jahresurlaub mussten wir direkt am Anfang nehmen. Ich glaube, am 8. August ging es dann tatsächlich los. Ich wurde in die Hauptgeschäftsstelle eingeladen, vom Vorstand persönlich begrüßt und ging anschließend direkt in die Geschäftsstelle in Meißen. Das Lustige ist: Genau dort wurde ich später stellvertretender Geschäftsstellenleiter. Dass man später an diesen Ort zurückkam, war schon ein schönes Gefühl. Aber mein eigentliches Schlüsselerlebnis war der erste Tag in der Geschäftsstelle. Da habe ich gemerkt: Jetzt geht es richtig los.

Das ganze Formale war nicht mein Ding. Du musst ran an den Kunden. Da habe ich sofort verstanden: Der Kunde ist eigentlich mein Arbeitgeber. Viele der Menschen dort kannte ich, weil ich in der Gegend aufgewachsen bin. Morgens konnte ich zu Fuß zur Arbeit gehen und die Leute haben mich im Anzug gesehen. Das war schon ein komisches Gefühl, weil ich vorher eigentlich nur zu besonderen Anlässen einen Anzug getragen hatte. Das vermittelte mir so ein bisschen das Gefühl, dass ich etwas Besonderes machen darf. Das macht auch etwas mit dem Selbstvertrauen. Deswegen empfand ich die Blicke der Leute auch als schön.

„Der Kunde ist unser Arbeitgeber. Da bin ich unerbittlich gewesen.“ Heinz Steinmeyer

In den vielen Jahrzehnten bei der Sparkasse und aufgrund der vielen Menschen, die Sie kennen, wird es im Laufe der Jahre sicher auch Job-Angebote gegeben haben. Was hat Sie davon überzeugt, dauerhaft bei der Sparkasse zu bleiben?

Natürlich habe ich mir auch andere Möglichkeiten angeschaut. Ich kam ja aus dem Retail-Geschäft, also dem Privatkundenbereich und deswegen war ich für die damals aufkommenden Strukturvertriebe interessant. Die kannten mich, weil die ja alle ihre Konten bei uns hatten. Ich bin zu Einladungen gegangen und habe mir angeschaut, wie dort gearbeitet wird. Danach habe ich erst richtig gemerkt, wie gut es mir hier gefällt. Denn hier kannst du den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Es geht nicht darum, dass dein eigenes Portemonnaie möglichst voll wird. Es geht darum, dass der Kunde vernünftig beraten wird. Mit diesem Ansatz habe ich mich immer wohlgefühlt.

„Ich war nie der große Fürst mit der Peitsche.“ Heinz Steinmeyer

Sie haben früh Verantwortung übernommen und über viele Jahre Menschen geführt. Wie haben Sie für sich ihren Führungsstil definiert?

So wirklich definiert habe ich das für mich nicht. Ich habe mir darüber natürlich Gedanken, aber dann doch auch sehr viel aus dem Bauch heraus und mit meiner eigenen Art gemacht. Generell sage ich: Gute Führung findet auf Augenhöhe statt. Man muss Menschen an gemeinsame Werte erinnern, ihnen auch mal eine klare Meinung sagen und ehrlich Feedback geben. Dazu gehört dann auch die harte Erkenntnis: Es gibt Menschen, die können einen bestimmten Job einfach nicht – so wie ich nicht eine Mauer hochziehen kann.

Dann muss man ihnen das ehrlich sagen. Nicht, um diesen Menschen einen mitzugeben, sondern um sie rechtzeitig von einem Druck zu befreien, den sie sich selbst aufbauen. Und, ich habe immer versucht, gute Laune mitzubringen. Das habe ich ein bisschen von meiner Mutter. Da konnte es noch so schlecht laufen – andere Menschen haben es ihr nicht angemerkt. Deshalb ist für mich eine Führungskraft dann gut, wenn sie Dinge vorlebt und selbst macht. Ich wollte nie der große Fürst sein, der oben auf der Balustrade steht und mit der Peitsche droht. Ich wollte eher Vorreiter sein, der Primus inter Pares sozusagen.

„Ich war nie der Chef, der oben auf der Balustrade steht und mit der Peitsche droht.“ Heinz Steinmeyer

Jede Führungskraft entwickelt über die Jahre sicher einen eigenen Stil. Aber würden Sie vielleicht sagen, dass sich Führung im Laufe ihrer 47 Jahre verändert hat?

Natürlich gab es immer wieder Phasen, in denen sehr strikt geführt wurde oder Zahlen stärker im Mittelpunkt standen. Aber diese Dinge haben sich immer wieder relativiert. Ich habe selbst immer so geführt, wie ich gerne geführt werden möchte. Und ich hatte das Glück, dass auch meine Vorgesetzten mich machen ließen. Am Ende steht für mich immer der Mensch im Mittelpunkt. Den muss man mitnehmen – und im besten Fall sogar begeistern.

„Man kann es nicht allen recht machen.“ Heinz Steinmeyer

Was erwarten Mitarbeitende heute von einem Arbeitgeber? Hat sich das stark verändert?

Die Anforderungen verändern sich ständig. Man kann es aber nicht allen recht machen. Das ist eine Erkenntnis, die ich nach 47 Jahren habe. Mir konnte man auch nicht immer alles recht machen. Mir gefällt auch heute nicht immer alles. Aber wenn ich am Ende des Tages Bilanz ziehe, überwiegt das Positive ganz klar. Und jeder Mensch hat die Möglichkeit, auch einmal Nein zu sagen und zu einem anderen Arbeitgeber zu gehen. Mittlerweile bin ich der Dienstälteste und auch der älteste Mitarbeiter hier. Und, wenn ich als 66-Jähriger so wandlungsfähig bin, dann kann ich das auch von jungen Menschen erwarten.

„Jetzt kommt der Typ schon wieder.“ Heinz Steinmeyer

Sie sind inzwischen offiziell im Ruhestand und arbeiten trotzdem weiter. Wie haben die Kolleginnen und Kollegen – in welche Richtung auch immer -, darauf reagiert?

Für mich war der Gedanke an den letzten Tag gruselig. Für manche war mein letzter Arbeitstag vielleicht ein Tag, auf den sie sich gefreut haben. Es gibt auch Menschen, die mich früher nicht mochten und mich heute nicht mögen. Wenn ich dort auftauche, denken die vielleicht: ‚Jetzt kommt der Typ schon wieder.‘ Damit kann ich leben. Das gibt es überall. Das verändert sich auch durch den vermeintlichen Ruhestand nicht. Andere wiederum verstehen es nicht, weshalb ich noch weiterarbeite. Aber es gibt eben auch viele Kolleginnen und Kollegen, die sich freuen, wenn ich in einer Geschäftsstelle auftauche. Gerade dort, wo ich früher selbst lange gearbeitet habe, merke ich, dass der Respekt geblieben ist. Und darüber freue ich mich natürlich.

Und wie begegnen Sie den Kolleginnen und Kollegen? Schließlich hat sich ihre Rolle vom Leiter der Hauptgeschäftsstelle in Minden hin zum Vorstandsreferenten – unter anderem mit einigen repräsentativen Aufgaben -, gewandelt. Hat sich Ihr Verhalten oder das Verhalten der Kolleginnen und Kollegen verändert, seit Sie faktisch nicht mehr ihr Vorgesetzter sind?

Nein. Ich begegne ihnen genauso wertschätzend wie vorher. Nochmals, ich war nie der Chef, bei dem morgens alle wie beim Militär strammstehen mussten. Ich bin in die Büros gegangen, habe mit den Leuten gesprochen. Daraus sind teilweise freundschaftliche Verhältnisse entstanden. Ich glaube, das ist eine Fähigkeit, die ich habe: Ich komme auch mit Menschen klar, mit denen andere vielleicht überhaupt nichts anfangen können. Vielleicht spielen mir manche das auch nur vor. Das kann ich nicht beurteilen. Aber mein Empfinden ist: Es hat sich wenig bis gar nichts verändert.

„Ich habe nie auf den ersten Rententag hingearbeitet.“ Heinz Steinmeyer

Sie sagen, der Gedanke an den letzten Arbeitstag war für Sie gruselig. Wann haben Sie gemerkt: Ich möchte über den Ruhestand hinaus weitermachen?

Eigentlich immer. Ich habe nie auf irgendeinen letzten Tag hier bei der Sparkasse hingearbeitet. Ich habe mich mit diesem Termin nie beschäftigt. Und dann kam vom Gesetzgeber die Möglichkeit, offiziell weiterzuarbeiten, genau zum richtigen Zeitpunkt. Hätte ich ein Jahr früher in Rente gehen müssen, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier. Es ist anders gekommen und darüber bin ich extrem glücklich, weil es mich auch jung hält. Ich habe Kollegen erlebt, die mit 30 schon auf die Rente hingefiebert haben. Da habe ich gedacht: Mensch, manche sind schon so inaktiv (Original: tot), bevor sie überhaupt in Rente gehen.

Um es einfach mal auf den Punkt zu bringen: Warum arbeiten Sie heute noch für die Sparkasse?

Weil ich für die Sparkasse brenne. Junge Leute würden es so ausdrücken: Ich finde, es ist ein geiler Laden. Ich konnte und kann es mir nicht vorstellen, irgendwann die Tür abzuschließen, meinen Transponder abzugeben und keinen Zugang mehr zu diesem Haus zu haben. Ich brenne darauf, morgens hierherzukommen, Kolleginnen und Kollegen zu treffen und etwas zu bewegen. Und ich möchte auch in den Köpfen der Menschen etwas bewegen.

Denn, heute kann ich bestimmte unangenehme Gespräche führen, die der jeweilige Geschäftsstellenleiter vielleicht lieber nicht selbst führen möchte. Ich bin da inzwischen in einer neutraleren Position. Die Kolleginnen und Kolleginnen nehmen mir solche Gespräche nicht so übel, weil sie wissen, ich bin nicht deren Vorgesetzter. Da bleibt sicher deutlich weniger zurück. Und selbst wenn. Ich gehe danach wieder weg. Diese Rolle, in den Geschäftsstellen vorbeizuschauen und mit vielen zu reden, das macht mir einfach Spaß. Ich hätte nie gedacht, dass mir das so viel Freude macht. Denn, um es klarzustellen: Es gibt viel mehr positive Gespräche als die eben Beschriebenen.

„Ich möchte noch etwas bewegen.“ Heinz Steinmeyer

Was gibt Ihnen die Arbeit heute, was Sie sonst im Ruhestand wahrscheinlich vermisst hätten?

Für mich ist es wichtig, noch etwas bewegen zu können. Egal, ob ich in einer Beratung dabei bin oder im Service: Mir geht es darum, Menschen mitzunehmen. Und vielleicht im besten Fall auch für das zu begeistern, was sie bisher nur als Job gesehen haben. Natürlich werde ich bei manchen Dingen irgendwann nicht mehr mithalten können. Wenn ich ein halbes Jahr komplett raus wäre, könnte ich wahrscheinlich vieles im EDV-Bereich nicht mehr. Da ist die Entwicklung einfach zu rasant. Was aber bleibt, ist der Kontakt zu Menschen. Der ist seit meinem ersten Tag in der Geschäftsstelle das Entscheidende für mich. Und ich freue mich auch darüber, wenn ich heute in dieser repräsentativen Rolle in Vertretung für den Vorstand oder mit ihm gemeinsam unterwegs bin und beispielsweise mit einem Bürgermeister oder Landrat zusammentreffe. Ich kann auch das Ehrenamt stärken. Es geht mir darum, dort zu wirken, wo ich noch etwas bewirken kann.

Und junge Menschen spielen dabei eine besondere Rolle?

Auf jeden Fall. Das ist sogar einer meiner Hauptantriebe. Mit jungen Menschen redet man über ganz andere Dinge. Die erzählen von Konzerten im Wembley-Stadion und nicht nach fünf Minuten davon, was ihnen am Knie oder am Rücken fehlt. Diese Mischung aus Jung und Alt hat mir schon immer gefallen. Und zumindest haben mir die jungen Kolleginnen und Kollegen zurückgespiegelt, dass ich mit allen gut klargekommen bin.

„Lass die Menschen weiterarbeiten, wenn sie wollen.“ Heinz Steinmeyer

Dass Mitarbeitende nach dem offiziellen Ruhestand einem Unternehmen erhalten bleiben, ist noch nicht die Regel, geschieht aber immer häufiger. Was sagt es aus Ihrer Sicht über ein Unternehmen aus, wenn Menschen nach dem Ruhestand freiwillig weiterarbeiten möchten?

Ich finde, das ist ein tolles Signal. Und ich bin ja nicht mehr der Einzige hier. Zum 1. Juli fing ein Kollege an, der sogar in Vollzeit weitermacht. Für mich ist das eine Blaupause für die Wirtschaft generell. Ich sehe diese Diskussion, dass Menschen angeblich nicht weiterarbeiten wollen, überhaupt nicht so. Lass die Leute doch selbst entscheiden. Wenn jemand mit 65 gehen möchte, soll er gehen. Vielleicht ist er dann auch körperlich und mental reif für den Ruhestand. Aber wer weiterarbeiten möchte, soll das ebenfalls können. Wer sich weiterentwickeln und noch etwas beitragen möchte, sollte die Freiheit dazu bekommen. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich heute machen darf und würde gerne noch ganz viele Dinge umsetzen wollen.

„Wir wirken nach außen manchmal noch ein bisschen wie eine Behörde.“ Heinz Steinmeyer

Welche wären das? Und wenn Sie nach vorne schauen: Wo liegen die größten Herausforderungen für die Sparkassen?

Wir müssen unseren Platz in dieser Bankenwelt behaupten. Und ich glaube, dass wir gerade bei jungen Menschen noch stärker vermitteln müssen, was wir eigentlich machen. Viele Menschen kennen uns. Aber sie wissen teilweise nicht, was hinter der Sparkasse steckt. Bei älteren Kunden ist das anders. Die kennen unsere Leistungen und wissen, dass sie mit allen Fragen, Sorgen und Nöten hier anrufen oder in eine Geschäftsstelle kommen können. Bei jungen Menschen müssen wir dieses Vertrauen erst aufbauen. Das ist wichtig, weil wir Menschen schließlich durch verschiedene Lebensphasen hindurch beraten und begleiten. Gründet jemand eine Familie? Will jemand ein Haus kaufen? Was braucht er in dieser Phase? Darum geht es.

Und wir müssen auch stärker darüber sprechen, was wir für die Region tun. Bei der Wein- und Genussmeile in Minden standen wir beispielsweise die komplette Zeit gemeinsam am bekannten Sparkassen-Ballon und haben die Menschen eingeladen, etwas kostenlos zu genießen. Viele haben wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen, dass das von der Sparkasse kam. Ich finde, zu einer regionalen Sparkasse gehört dieses Geben und Nehmen. Wir profitieren von der Region und geben auch etwas zurück.

Sie sprechen damit auch die persönliche Nähe an. Wie wichtig werden Geschäftsstellen und echte Menschen in Zukunft sein?

Ich glaube, das ist ein entscheidender Punkt. Wir sind an 21 Standorten persönlich erreichbar und haben gute Öffnungszeiten. Inzwischen gibt es neben dem langen Donnerstag auch einen langen Dienstag. Über die Ausweitung des persönlichen Service freue ich mich tatsächlich, dass wir Menschen bis 18 Uhr persönlich begeistern können. Kunden merken, hier kümmert sich noch ein Mensch und keine KI. Außerdem müssen wir aber auch selbst daran arbeiten, dass wir nach außen nicht mehr so sehr wie eine Behörde wirken. Dieses Bild zu vermitteln, geht uns, glaube ich, noch nicht ganz so leicht von der Hand. Das bekommt man aber nicht weg, indem man sagt: ‚Wir sind ein lockerer Haufen.‘ Man muss es tatsächlich leben und nach außen spiegeln. Aber da sind wir auf einem sehr guten Weg!

Was ist dabei das Entscheidende?

Vertrauen. Wenn man Vertrauen erreicht hat, kann das der Kunde nicht einfach zu einer anderen Bank mitnehmen. Das funktioniert nicht. Auf dieser Basis arbeiten wir mit unseren Kunden und das müssen wir stärker nach außen tragen. Vertrauen aufzubauen, ist bei dem einen Kunden schwieriger als bei einem anderen. Jeden Tag ist das harte Arbeit. An der muss man Spaß haben.

„Mach das, wozu du Spaß hast.“ Heinz Steinmeyer

Wenn Sie heute einem jungen Menschen einen Rat für seinen Berufsweg geben könnten – vielleicht Ihrem Enkel, der sagt: „Opa, ich weiß nicht, was ich werden soll“ – was würden Sie ihm sagen?

An erster Stelle steht für mich Leidenschaft. Man muss etwas finden, für das man Leidenschaft entwickelt. Wir sind in einer Gesellschaft angekommen, in der ein Bachelor- oder Master-Abschluss bei vielen mehr zählt als die Tatsache, dass jemand ein richtig guter Handwerker ist. Ich glaube, dass sich das irgendwann rächen wird. Mein Vater war Tischler. Ich fand es immer toll, wie er aus Nichts einen Schrank gebaut hat. Das kann ich nicht. Ich bin froh, dass es meinen Beruf gibt, aber etwas anderes hätte ich wahrscheinlich gar nicht hingekriegt.

Deshalb würde ich jungen Menschen sagen: Lasst euch nicht zu sehr von anderen vorschreiben, was ihr machen sollt, um einen bestimmten gesellschaftlichen Status zu erreichen. Macht das, woran ihr Spaß habt. Ich habe das sogar in Bewerbungsgesprächen erlebt. Wenn ich gemerkt habe, dass sich jemand nur auf Wunsch der Eltern bei der Sparkasse beworben hat, obwohl seine eigentliche Leidenschaft ganz woanders lag, habe ich das angesprochen. Und ich würde jungen Menschen immer empfehlen, ein Praktikum zu machen. Erlebt einen Beruf nicht nur von außen. Schaut ihn euch von innen an. Viele unserer neuen Azubis haben genau das im Vorfeld getan. Sie haben erst ein Praktikum bei uns absolviert, und haben dann festgestellt: Das passt! Da will ich hin! Es bringt niemandem etwas, wenn man irgendwo anfängt, nur weil der Job sicher ist oder die Aussicht auf ein gutes Gehalt vorhanden ist. Danach habe ich auch für mich gehandelt. Mit Geld kann man mich nicht kaufen. Ich möchte einfach das machen, was ich gerne mache.

„Ich möchte mit meinen Kunden im Reinen sein“ Heinz Steinmeyer

Wenn Sie auf 47 Jahre Sparkasse zurückblicken: Gibt es da etwas, was Sie stolz macht?

Ich bin tatsächlich stolz darauf, hier dazuzugehören. Und ich bin stolz auf das, was ich gemacht habe, zum Beispiel, wenn Kunden einem irgendwann sagen: ‚Ohne Sie hätte ich mein Haus nicht gehabt“ oder „Ohne Sie hätte ich diesen Aktienfonds nicht gekauft.‘ Das sind die Dinge, die zurückkommen. Ich wohne hier in der Region und begegne meinen ehemaligen Kunden natürlich auch außerhalb der Sparkasse. Deshalb möchte ich mit den Menschen im Reinen sein. Ich möchte ihnen ehrlich begegnen können. Und wenn ich heute zurückblicke, kann ich sagen: Im Prinzip habe ich alles richtig gemacht. Ich bin rundum zufrieden.

Gibt es einen Moment aus Ihrer langen Sparkassenzeit, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Davon gibt es viele. Wenn man so lange mit Menschen arbeitet, erlebt man einfach ständig kuriose Geschichten. Einmal war ich spät abends weit nach Geschäftsschluss noch im Büro und eine Nummer mit Vorwahl USA blinkte auf. Natürlich bin ich rangegangen. Es war eine Kundin, die dreimal die PIN der Kreditkarte falsch eingegeben und nur wenig Bargeld bei sich hatte. Der Kundin konnte ich dann schnell helfen, sie hatte gar nicht erwartet, dass sie telefonisch noch jemanden erreicht. Das ist eine Anekdote, zugegeben auch nicht besonders kurios. Aber die unterstreicht vielleicht ganz gut, was ich vermitteln möchte: Menschen mal mit Dingen zu begeistern, die sie gar nicht von uns erwarten – das ist für mich Mehrwert.

Zum Schluss vervollständigen Sie bitte diesen Satz: Die Sparkasse ist für mich…

Mein Traum. Andere gehen zum Golfen und müssen dafür noch viel Geld bezahlen. Ich kann hier meinem Hobby nachgehen und bekomme sogar noch Geld dafür. Das finde ich sensationell.


Zum Thema: Über die Serie

  • Im dritten Teil nun berichtet Heinz Steinmeyer, warum er noch lange nicht an den Ruhestand denkt, und was ihn so lange bei der Sparkasse gehalten hat und nun in neuer Rolle als Referent des Vorstandes weiterhin hält.

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