OWL . Die Erhebung basiert auf den von den Unternehmen für 2024 gemeldeten Umsätzen. Im Jahr 2024 konnten 66 der 100 größten Unternehmen ihren Umsatz im Durchschnitt um 9,7 Prozent steigern. Im Gegensatz dazu verzeichneten 34 Unternehmen einen Rückgang des Umsatzes um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Zahlen spiegeln die unterschiedlichen wirtschaftlichen Herausforderungen wider, mit denen die Unternehmen konfrontiert sind.

Der überwiegende Teil der 100 Familienunternehmen zählt zur Industrie. Die wirtschaftlich stärksten Familienunternehmen aus OWL bilden da in der Gesamtheit keine Ausnahme. Außer an der Spitze – denn das nach Umsatzzahlen stärkste OWL-Unternehmen ist ein Medien- und Dienstleistungskonzern.

Vielfältige Unternehmensgruppen: Von Entertainment bis Bildung bei Bertelsmann

Der Bertelsmann-Konzern ist breit aufgestellt, kündigte in 2025 beispielsweise den Kauf von Sky Deutschland an (Region DACH) an. Der Kauf erfolgte unter dem Vorbehalt der Wettbewerbsbehörden. Foto: Bertelsmann/Jan Voth
Der Bertelsmann-Konzern ist breit aufgestellt, kündigte in 2025 beispielsweise den Kauf von Sky Deutschland an (Region DACH) an. Der Kauf erfolgte unter dem Vorbehalt der Wettbewerbsbehörden. Foto: Bertelsmann/Jan Voth

Bertelsmann aus Gütersloh erzielt rund 19 Milliarden Euro Umsatz, beschäftigt 75.000 Menschen, ist in über 50 Ländern tätig und landet auf Platz 15. Zum Konzern gehören RTL Group, der Verlag Penguin Random House, BMG, Arvato Group und Bertelsmann Investments. Penguin Random House verlegte Bücher von 80 Nobelpreisträgern oder bekannter Autorinnen und Autoren. Bekannteste Autoren sind Michelle Obama, Dan Brown, Patricia Cornwall, Ken Follett, Al Gore, John Grisham, Jamie Oliver und Christopher Paolini. BMG ist derzeit das viertgrößte Musikunternehmen der Welt und repräsentiert Werke weltbekannter Künstler wie den Rolling Stones, Tina Turner, George Harrison, Blondie und Bruno Mars. Die Gesellschafterstruktur umfasst die Bertelsmann Stiftung und die Familie Mohn (19,1 Prozent).

Mehr als From Nose to Tail: Aus Tönnies wurde die vielschichtige Premium Food Group

Viele Menschen verbinden die früher als Tönnies firmierende Premium Food Group wahrscheinlich ausschließlich mit Fleischprodukten. Doch der Lebensmittelkonzern ist auf vielen weiteren Feldern aktiv und produziert beispielsweise auch vegane Produkte – beispielsweise Lachs. So wie auf diesem Bild. Foto: Premium Food Group
Viele Menschen verbinden die früher als Tönnies firmierende Premium Food Group wahrscheinlich ausschließlich mit Fleischprodukten. Doch der Lebensmittelkonzern ist auf vielen weiteren Feldern aktiv und produziert beispielsweise auch vegane Produkte – beispielsweise Lachs. So wie auf diesem Bild. Foto: Premium Food Group

Die Premium Food Group, ehemals Tönnies, ist ein vielseitiger Lebensmittelproduzent mit einem Umsatz von 7,3 Milliarden Euro und wird auf Rang 37 notiert. Gegründet 1971, bietet das Unternehmen Fleisch, pflanzenbasierte Alternativen, Convenience-Produkte und mehr an. Es beliefert auch die Pharma-Industrie und Bioenergiebranche. 21.000 Mitarbeiter arbeiten an 30 Standorten. Nach eigenen Angaben greifen pro Tag rund 2 Millionen Verbraucher in den Supermärkten nach den Produkten der Gruppe, im Einzelhandel oder aber in der Gastronomie. Die Pharmaindustrie beliefert der Konzern mit aus Darmschleimhaut von Schweinen gewonnenen Polysaccharide, dem Rohstoff der Heparin-Herstellung.

Im August 2025 gab die Premium Food Group die strategische Partnerschaft bei der österreichischen Reploid Group AG bekannt. Reploid ist spezialisiert auf die nachhaltige Verwertung biogener Reststoffe aus der Lebensmittelproduktion. Mithilfe eigens entwickelter Insektenfarmen, in denen Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) zum Einsatz kommen, werden organische Abfälle in hochwertige Proteine, Fette und Dünger umgewandelt. Diese dienen unter anderem als Futtermittel und Rohstoffe für die weiterverarbeitende Industrie.

Dr. Oetker: Pudding, Tiefkühlpizza und bis zu 350 Unternehmen unter einem großen Dach

Hiermit startete die Erfolgsgeschichte des Bielefelder Unternehmens: In der Dr. Oetker Welt ist das erste Backin-Päckchen ausgestellt. Foto: Dr. Oetker
Hiermit startete die Erfolgsgeschichte des Bielefelder Unternehmens: In der Dr. Oetker Welt ist das erste Backin-Päckchen ausgestellt. Foto: Dr. Oetker

Drei Plätze dahinter, auf Platz 40, liegt Dr. Oetker aus Bielefeld mit einem Umsatz von 6,9 Milliarden Umsatz. Zur August Oetker KG gehören neben der Lebensmittelproduktion, unter anderem die Brauerei-Gruppe Radeberger mit den Marken Radeberger, Jever und Schöfferhofer und auch der TK-Backwarenhersteller Coppenrath & Wiese. Insgesamt besteht die Oetker Group aus mehr 350 Unternehmen, darunter auch zwei Luxushotels, und beschäftigt rund 29.000 Menschen.

Zum Unternehmen zählt auch der Dienstleister Falschenpost.de. Vom Reederei-Geschäft verabschiedete sich die Oetker-Gruppe 2017 mit dem Verkauf an die Maersk-Gruppe. Bis heute übt die Inhaberfamilie einen wesentlichen Einfluss auf die Strategie und die Unternehmenspolitik der Gruppe aus.

Bauen mit System: Goldbeck aus Bielefeld

Im GOLDBECK-SystemZentrum in Bielefeld werden unter anderem Gebäudeexponate in Originalgröße ausgestellt. Foto: GOLDBECK
Im GOLDBECK-SystemZentrum in Bielefeld werden unter anderem Gebäudeexponate in Originalgröße ausgestellt. Foto: GOLDBECK

Nur einen Rang hinter Dr. Oetker folgt das nächste Unternehmen aus Bielefeld. Der Baukonzern Goldbeck erzielte 2024 einen Umsatz von 6,7 Milliarden. Goldbeck konzipiert, baut und betreut Hallen Büros, Parkhäuser, Schulen und ist spezialisiert auf serielles Bauen. Wohnbauten und die Revitalisierung wie beispielsweise jene des bekannten Hochhauses H1 in der Bielefelder Innenstadt zählen ebenfalls zum Leistungsspektrum.

Groß wurde Goldbeck durch die eigene Fertigung von Systembauteilen in Werken in Deutschland, Dänemark, Polen und Tschechien. Dadurch baut Goldbeck in vielen Projekten schneller und ist in der Umsetzung in hohem Maße unabhängig von der Witterung und Lieferzeiten. Die Bauteile werden auch an andere Hoch- und Industriebau-Unternehmen verkauft.

Bei Goldbeck arbeiten mehr als 13.000 Menschen an 100 Standorten und 16 Werken sowie vier Systemzentren. Gegründet wurde das Bauunternehmen 1969 von Ortwin Goldbeck mit sieben Angestellten. Im Jahr 2007, als Ortwin Goldbeck in den Beirat wechselte, waren es 1.600. Seither hat sich die Mitarbeiteranzahl unter Jörg-Uwe und Jan-Hendrik Goldbeck kräftig erhöht. Im vergangenen Jahr angelte Goldbeck sich den größten Auftrag der Unternehmensgeschichte und verantwortet den Bau von zehn Einsatztrainingszentren für den Zoll.

Miele macht aus der Milchzentrifuge eine Waschmaschine

Die Ortsfeuerwehr Burgdorf-Schillerslage besitzt die älteste betriebsbereite Gewerbewaschmaschine in Deutschland. Michael Arendes, Professional-Marketingmanager Wäschereitechnik in der Miele-Vertriebsgesellschaft Deutschland (Zweiter von links), überreichte die Siegerurkunde an Ortsbrandmeister Timo Scheffler, Heiner Wehrs, erster Vorsitzender des Fördervereins und „Restaurator“ Wolfgang Heldt (von links). Foto: Miele
Die Ortsfeuerwehr Burgdorf-Schillerslage besitzt die älteste betriebsbereite Gewerbewaschmaschine in Deutschland. Michael Arendes, Professional-Marketingmanager Wäschereitechnik in der Miele-Vertriebsgesellschaft Deutschland (Zweiter von links), überreichte die Siegerurkunde an Ortsbrandmeister Timo Scheffler, Heiner Wehrs, erster Vorsitzender des Fördervereins und „Restaurator“ Wolfgang Heldt (von links). Foto: Miele

23.500 Mitarbeiter arbeiten rund um den Globus für Miele. Eigentümer sind die Familien Miele (51 Prozent) und Zinkann (49). Im Geschäftsjahr 2024 erwirtschaftete Miele 5,04 Milliarden Euro – das bedeutet Platz 57. In Ostwestfalen befinden sich die Produktionsstandorte in Gütersloh (Hauptsitz, Waschmaschinen, Waschtrockner, Elektronikkomponenten), in Bielefeld (Geschirrspüler, Staubsauger und Desinfektoren für die Medizintechnik) und Bünde (Dampfgarer, Kochfelder, Wärmeschubladen). Im Münsterland werden in Warendorf Kunststoffkomponenten und in Oelde Herde, Backöfen und Dialoggarer hergestellt. Miele-Produkte werden in über 100 Länder exportiert.

Dr Techniker Carl Miele und der Kaufmann Reinhard Zinkann gründeten 1899 das Unternehmen mit elf Angestellten, vier Drehbänken und einer Bohrmaschine. Das erste Produkt war eine Milchzentrifuge, ein Jahr später kam die Buttermaschine auf dem Markt und 1903 die erste Waschmaschine. Zwischen 1912 und 1912 produzierte das Unternehmen auch Autos, gab die Produktion aufgrund der hohen Kapitalbindung wieder auf.

Weil Bielefeld einst als eine der bedeutendsten Produktionsstätten für Fahrräder galt, ist es fast schon logisch, dass auch Miele 1924 eine Fahrradfabrik in Bielefeld baute, ab 1932 dort auch Mopeds. „Vor allem für ältere Menschen sowie für Ärzte, Förster, Pfarrer und Landbriefträger, die viel unterwegs sind, bot das Miele Motor-Fahrrad eine hilfreiche Erleichterung“, schreibt Miele auf seiner Homepage.

Seit einigen Jahren setzt Miele als Projektpartner international wegweisende und nachhaltige Wohnprojekte mit Architekten, Innenarchitekten, Projektentwicklern und Investoren um.

Claas: Erst Spezialist für Erntemaschinen, dann Full-Liner und nun ein Treiber für Farming 4.0

Zwei FARM MACHINE AWARDS brachte CLAAS in diesem Jahr von der Agritechnica, der weltgrößten agrartechnischen Fachmesse in Hannover, mit nach Harsewinkel. Foto: Claas
Zwei FARM MACHINE AWARDS brachte CLAAS in diesem Jahr von der Agritechnica, der weltgrößten agrartechnischen Fachmesse in Hannover, mit nach Harsewinkel. Foto: Claas

Claas aus Harsewinkel ist bekanntlich einer der weltweit führenden Hersteller für Landmaschinen. Traktoren stellt das Unternehmen aber erst seit 2002 her.  Zunächst konzentrierten sich die Ostwestfalen erst einmal auf Erntemaschinen. Durch den Fokus auf eine Produktlinie geriet die Marktposition jedoch ins Wanken. Als Renault sich von allen Non-Automotive-Sparten trennte, griff Claas zu und übernahm Claas schrittweise den international als mittelgroß einzustufenden Traktorenhersteller aus Le Mans. So stieg Claas vom Ernte-Spezialisten zum Full-Liner auf.

Wie in der Industrie bestimmt die Digitalisierung schon lange die Landwirtschaft. Claas erkannte die Entwicklung schon vor vier Jahrzehnten und positionierte sich erfolgreich mit elektronischen Fahrassistenzsystemen und entwickelte 1974 den DOMINATOR 85/105. Das „Durchsatzkontrollgerät“ zeigte dem Fahrer an, wie schnell er fahren durfte, ohne zu viel Korn zu zerstören.

Bereits 1994 gründete CLAAS den Geschäftsbereich AGROCOM, in den es einige Jahre später den damals führenden Anbieter für Agrarsoftware, Klöpper & Wiege, erfolgreich integrierte. Heute bündelt CLAAS seine Aktivitäten im Elektronik- und Softwarebereich in der Tochtergesellschaft E-Systems und entwickelt vernetzte Systeme für das Farming 4.0. 2024 betrug der Umsatz rund 5 Milliarden Euro, erwirtschaftet von weltweit knapp 12.000 Mitarbeitern. Im Ranking macht das Rang 59.

Marktführer: Gauselmanns Einfluss auf die Glücksspielindustrie

Große Freude beim Richtfest: Gemeinsam mit den politischen Honoratioren auf Bundes-, Landes- oder Kreisebene bedankt sich Espelkamps Bürgermeister Dr. Henning Vieker (Dritter von rechts) bei Paul Gauselmann (Mitte) für die großzügige Unterstützung der neuen Sporthalle. Foto: Merkur Group
Große Freude beim Richtfest: Gemeinsam mit den politischen Honoratioren auf Bundes-, Landes- oder Kreisebene bedankt sich Espelkamps Bürgermeister Dr. Henning Vieker (Dritter von rechts) bei Paul Gauselmann (Mitte) für die großzügige Unterstützung der neuen Sporthalle. Foto: Merkur Group

1957 startete Paul Gauselmann als nebenberuflicher Automatenaufsteller und Ein-Mann-Betrieb und legte den Grundstein für ein Unternehmen mit heute weltweit 15.000 Beschäftigten. Los ging es mit 17 Bergmann Musikautomaten. Schon ein Jahr davor sorgte Gauselmann als Innovator für Aufsehen und meldete ein Patent für seine Fernwahlbox mit Telefonwahlscheibe für Musikboxen an.

Bis dahin wiesen nur US-amerikanische Modelle diese Ausstattung auf. 1964 startete Gauselmann dann richtig in die Selbstständigkeit, inzwischen war das im Nebenerwerb gegründete Unternehmen auf 15 Mitarbeiter angewachsen – die in 300 Gastronomien Automaten aufstellten. Zudem kaufte Gauselmann gebrauchte US-Musikboxen, überarbeitete die Technik und baute diese in neue Gehäuse ein. Dadurch konnte Gauselmann die Musikboxen drei bis viermal günstiger anbieten als die Konkurrenz und volle Auftragsbücher bescherte.

1974 schwang sich Gauselmann zu einem Pionier auf und eröffnete in Delmenhorst Deutschlands erste Spielstätte. Ein angenehmes Ambiente, geschultes und zuvorkommendes Personal und neuartige Spielformate lockten viele Gäste in die Spielstätte. 1977 verließ dann der Merkur B, der erste selbst konzipierte Spielautomat die Produktion in Lübbecke. Der große Durchbruch gelang mit dem Merkur Disc, der bis heute meistverkaufte Geldspielautomat.

Der Zeit voraus war Paul Gauselmann mit der Eröffnung der ersten Spielstätte Deutschlands in Delmenhorst. Foto: Merkur Group
Der Zeit voraus war Paul Gauselmann mit der Eröffnung der ersten Spielstätte Deutschlands in Delmenhorst. Foto: Merkur Group

1986 wagte sich Gauselmann über die Grenze und eröffnete eine Spielstätte in Amsterdam. Ein weiterer Meilenstein: 1998 erhielt ein Tochterunternehmen als einziges europäisches Unternehmen die Herstellerlizenz für den US-Bundesstaat Nevada. Seit 2005 ist Gauselmann auch in der Sportwetten-Branche aktiv – zunächst mit einem Partner aus Österreich, seit 2014 mit einem eigenen Markenauftritt.

Vor etwas mehr als zehn Jahren startete Merkur ins Spielbanken-Geschäft und übernahm vom Land NRW 2021 die landeseigenen Spielbanken, landläufig auch Casinos genannt, in Aachen, Dortmund-Hohensyburg, Duisburg und auch in Bad Oeynhausen. 2023 eröffnete Gauselmann eine Spielbank in der boomenden Kleinstadt Monheim am Rhein und eröffnet in der zweiten Jahreshälfte 2026 eine Spielbank in Siegburg.

Die wird übrigens von der Bad Oeynhausener Unternehmensgruppe Kögel Bau umgesetzt. Seit 2016 wurde das Unternehmen in die Gauselmann Familienstiftung überführt. 2024 erwirtschaftete die Merkur Group einen Umsatz von 3,933 Milliarden Euro und wird auf Rang 81 notiert.

Wie ein Schokoladen-Vertriebler Phoenix Contact nach Blomberg brachte

Der All Electric Society-Park Park zeigt, mit welchen Produkten und Technologien die zugrunde liegende Idee der Sektorenkopplung realisiert werden kann. Er ist öffentlich zugänglich, soll Wissen vermitteln und Inspiration für nachhaltige Ideen sein. Foto: Phoenix Contact
Der All Electric Society-Park Park zeigt, mit welchen Produkten und Technologien die zugrunde liegende Idee der Sektorenkopplung realisiert werden kann. Er ist öffentlich zugänglich, soll Wissen vermitteln und Inspiration für nachhaltige Ideen sein. Foto: Phoenix Contact

Im 102. Jahr des Bestehens schafft es Phoenix Contact aus Blomberg mit 3,4 Milliarden Umsatz auf Rang 93. Das Unternehmen wurde in Essen gegründet, hat aber nichts mit dem 1920 gegründeten und in den 1977er Jahren in der Handball-Bundesliga spielenden SC Phoenix Essen zu tun – der Sportclub benannte sich nach dem Namenspaten Phönixbrauerei, die heute Stauder heißt.

Gründer ist Hugo Knümann, dessen Familie eigentlich im Möbelhandel aktiv war, handelte in den ersten Jahren mit Elektro- und Industriebedarfen. Die Idee für die Reihenklemme entsteht 1928 durch die Begegnung mit dem RWE-Ingenieur Heinz Müller. Wegen des Krieges und den 1942 einsetzenden Bombenangriffen der Alliierten auf das Ruhrgebiet, verlagert das inzwischen unter Phönix Elektrizitätsgesellschaft firmierende Unternehmen ins lippische Blomberg um. Den entscheidenden Hinweis gab Knümanns Neffe, der als Vertreter für den Schokoladenhersteller Trumpf arbeitete.

Den großen Wandel zum Innovator für Elektrotechnik, Elektrik und Automation leitete Josef Eisert ein. Den Starkstromingenieur holte Knümann 1949 ins Unternehmen. Nach dem Tod des Gründers 1953 krempelte der Mann mit Entwicklergeist das reine Vertriebsunternehmen komplett um und etabliert Werkzeugbau, Kunststofffertigung, Schraubendreherei, Montage, Schlosserei sowie Lager und Versand. 1957 entsteht in Blomberg die erste Fertigung und 1966 zieht die Verwaltung von Essen nach Blomberg. 1975 stirbt Josef Eisert. Klaus Jörg, Gerd Eisert teilen sich in den Folgejahren die Leitung auf. Letzterer treibt vor allem das Auslandgeschäft voran.

2007 erstmals über eine Milliarde Euro Umsatz

1987 stellt Phoenix Contact, das System „INTERBUS“ auf der Hannover Messe vor und erschafft laut Unternehmenschronik die Grundlage für die industrielle Vernetzung. Die steile Entwicklung des Unternehmens zeigt sich auch in der Eröffnung von Vertriebsstandorten auf allen Kontinenten – gegenwärtig zählt Phoenix Contact 18 internationale und 60 internationale Töchter.

20 Jahre nach der INTERBUS-Präsentation avancieren die Blomberger mit dem Durchbrechen der Eine-Milliarde-Grenze zum Global Player, der heute mehr als 20.000 Menschen beschäftigt und sich mit seinen Lösungen auf die Realisierung der „All Electric Society“ verschrieben hat. Wie die Vernetzung von Systemen für eine nachhaltig und elektrische Welt funktioniert und was heute schon möglich ist, davon können sich Besucher im All Electric Society-Park am Hauptsitz in Blomberg ein Bild machen. Phoenix Contact befindet sich im Privatbesitz der Familie Eisert.

Infobox: Das sind die drei umsatzstärksten Familienunternehmen in Deutschland

  • Platz 1: Volkswagen mit einem Umsatz von rund 320 Milliarden. Volkswagen hat durch die Familien Porsche und Piëch eine besondere Kontrolle, die typisch für Familienunternehmen ist, trotz seiner Börsennotierung.
  • Platz 2: Die Schwarz Gruppe aus Neckarsulm kommt auf einem Umsatz von rund 175 Milliarden, hauptsächlich mit den Lebensmitteleinzelhändlern Lidl und Kaufland. Die Schwarz Gruppe betreibt zudem mit Pre Zero eine bedeutende Umweltdienstleistungs-Tochter, die 2018 Tönsmeier aus Porta Westfalica übernahm, welcher rund 3.500 Mitarbeiter beschäftigte. Der Umsatz von Tönsmeier betrug 2025 473 Millionen Euro. Zur Unternehmensgruppe zählt mit TAILWIND auch eine eigene Reederei, um in den europäischen Märkten die Versorgung mit Aktionswaren sicherzustellen. Zuletzt sorgte das Unternehmen mit dem angekündigten Bau eines KI-Rechenzentrums in Lübbenau für Aufsehen. Das Tochterunternehmen Schwarz Digits investiert 11 Milliarden Euro – die größte Einzelinvestition der Unternehmenshistorie.
  • Platz 3: BMW Group mit etwas mehr als 142 Milliarden Euro Umsatz. Der Autobauer befindet sich größtenteils in Familienbesitz. Susanne Klatten und Stefan Quandt halten zusammen 48 Prozent der Anteile.